2. Bundesliga

Carters Glückswurf kurz vor der Sirene schockt Phoenix Hagen

Ein starker Auftritt: Doch Adam Pechacek (beim Wurf) unterlag mit Phoenix Hagen gegen Chemnitz mit 85:88.

Ein starker Auftritt: Doch Adam Pechacek (beim Wurf) unterlag mit Phoenix Hagen gegen Chemnitz mit 85:88.

Foto: Michael Kleinrensing / WP

Hagen  Den Favoriten aus Chemnitz hatte Phoenix Hagen am Rand der Niederlage. Dann schockte Carters Glückswurf von zum 88:85-Sieg der Gäste die Hagener.

Das war bitter, ganz bitter! Zum Saisonauftakt in der 2. Basketball-Bundesliga ProA zeigte Phoenix Hagen die stärkste Heim-Leistung in diesem Jahr, brachte Titelfavorit Niners Chemnitz ganz nah an den Rand einer Niederlage. Bis der Ball in der Schlusssekunde bei Chris Carter nahe der Mittellinie landete, der ihn sofort aus der Drehung irgendwie Richtung Korb schleuderte. Und traf, 0,3 Sekunden vor der Sirene, zum glücklichen 88:85 (40:48)-Sieg der Gäste. Womit die achte Hagener Heimniederlage des Jahres vor 2287 Besuchern perfekt war. „Das tut mir verdammt leid für die Mannschaft“, sagte Phoenix-Geschäftsführer Patrick Seidel, „jeder hat heute gesehen, dass da richtig Herzblut drin steckt.“

Die Saison begann emotional am Ischeland, nach 15 Jahren als Phoenix-Hallensprecher wurde Hans-Uwe Schröer mit großem Applaus verabschiedet. Und die Fans der „Tornados“ feierten mit einer beeindruckenden Choreographie den 15. Geburtstag ihres Klubs („15 Jahre Wahnsinn und noch lange nicht am Ende“), ließen die Höhepunkte der Historie auf kompletter Haupttribünen-Breite Revue passieren. Von dem phantastischen Bild in Blau und Gelb inspiriert, schien die aktuelle Phoenix-Generation wenigstens ein kleines Kapitel hinzufügen zu wollen. Fokussiert startete das Team von Trainer Chris Harris gegen den Favoriten, Kapitän Dominik Spohr setzte per Dreier nach 15 Sekunden den ersten Akzent.

Niners-Anführer dreht nach der Pause auf

Und Phoenix dominierte weiter, machte den Chemnitzern mit intensiver Defensive das Leben schwer. Kyle Leufroy, der von der Bank kam, traf ebenfalls aus der Distanz zum 17:9 (8. Minute), ehe die Hagener – nun mit der kompletten zweiten Reihe auf dem Parkett – nicht mehr traf und eine 0:9-Serie hinnehmen musste (17:18). Doch mit viel Tempo, angeführt von Niklas Geske, riss Phoenix das Spiel wieder an sich, Neu-Center Adam Pechacek bereitete mit Block und Pass im Liegen das 26:28 durch Joel Aminu vor (26:18). Dank Carter, der schon jetzt schwere Würfe traf, verkürzte Chemnitz auf 29:28 (14.), doch schnell setzten sich die Gastgeber wieder ab. Als Niners-Anführer Malte Ziegenhagen gegen Jannik Lodders ein technisches Foul kassierte und Leufroy zum 44:34 traf (18.), war der Vorsprung erstmals zweistellig.

Doch die Schmähungen von der Tribüne schienen Ziegenhagen besonders zu motivieren. Bis zur Pause nur bei drei Punkten, ließ er nach dem Wechsel 16 weitere folgen. Den Zwischenspurt zum 50:51 (25.), begünstigt durch etliche Hagener Fehlwürfe und Patzer, schaffte Chemnitz noch ohne seine Hilfe. „Fünf Minuten im dritten Viertel waren wir sehr unkonzentriert, das haben die Niners gnadenlos ausgenutzt“, bemerkte Harris später. Dann warf sich Ziegenhagen allmählich warm, traf auch schwere Würfe. Sein 61:65 ließ die Gäste mit einer Führung ins Schlussviertel gehen.

Phoenix kämpft sich in Spiel zurück

Doch anders als bei vielen Heimniederlagen im Frühjahr kämpfte sich Phoenix, angeführt vom starken Pechacek, nun zurück. Zum 67:67 glich Lodders nach unsportlichem Foul von Virgil Matthews gegen ihn wieder aus, der treffsichere Leufroy holte beim 70:69 die Führung zurück. Nach Pechaceks 72:71 übernahm wieder Ziegenhagen, sein Notwurf mit Sirene bedeutete das 72:79 (37.) und schien die Vorentscheidung. Doch erneut zeigten die Gastgeber große Moral, trafen nun wieder aus der Distanz, Pechacek glich per Dunking zum 82:82 100 Sekunden vor dem Ende aus. Und beim Fastbreak hatten die Hagener sogar die Chance zur Führung, bis Geske der Ball aus den Händen rutschte. Chemnitz stellte die Partie auf 82:85, doch noch einmal glich Aminu 36 Sekunden vor der Sirene per Dreier aus, die Verlängerung war in Sicht. Einen Angriff aber hatte der Favorit noch und nutzte ihn – im dritten Versuch. Denn nach zwei Wurfversuchen griffen die Hagener beim Rebound nicht zu, der Ball landete bei Carter. Das böse Ende ist bekannt.

„Eine gute Mannschaft, die Chemnitz besiegen will, muss diesen Rebound holen und darf keinen dritten Wurf zulassen“, bekannte Coach Harris später und bedauerte: „Das war heute unser bisher bestes Spiel, nur davon können wir uns nichts kaufen.“ Und Spielmacher Geske zeigte sich überzeugt: „Wenn es in die Verlängerung gegangen wäre, hätten wir das Momentum auf unserer Seite gehabt.“ Das aber verhinderte Chris Carter.

Phoenix Hagen: Gilmore (2), Leufroy (20), Günther (4), Geske (12), Aminu (13), Jannik Lodders (4), Spohr (8), Grof (4), Pechacek (16), Baumann (2).

Niners Chemnitz: Carter (17), Harris (10), Ziegenhagen (19), Matthews, Figge (9), Richter (9), Wimberg (5), Johnson (2), Elliott (12), Robin Lodders (5)

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