Fußball

Florian Junge: Ein Geißbock aus Gladbeck

Ein Job mit großen Spaßfaktor: Florian Junge (Mitte) auf dem Trainingsplatz u.a. mit Jannes Horn (re.) und

Ein Job mit großen Spaßfaktor: Florian Junge (Mitte) auf dem Trainingsplatz u.a. mit Jannes Horn (re.) und

Foto: junge/fc

Der 33-Jährige ist seit 2018 Co-Trainer beim 1. FC Köln. Seine Aufgabe ist es, jeden Spieler besser zu machen – für den Bundesliga-Aufstieg.

Ein Kicker, der dereinst bei der DJK Germania Gladbeck das Fußball-ABC erlernte, schreibt einem 30-Millionen-Mann, einem Nationalspieler und anderen vor, welche Übungen sie zu absolvieren haben. Und auch einer der mit Abstand treffsicherster Fußballprofi in deutschen Landen, „tanzt“ im Training in Köln-Müngersdorf nach seiner Pfeife.

Eine derart flapsige Ausdrucksweise käme zwar nie über die Lippen des zurückhaltend-sympathischen Gladbeckers, gleichwohl entspricht sie der Realität auf dem grünen Rasen in Müngersdorf: Gemeint sind Anthony Modeste, Jonas Hector und Simon Terodde – und Florian Junge, der seit Sommer 2018 beim FC das Amt des Co-Trainers bekleidet.

Sein Job: Unterstützung für Markus Anfang

„Wir, das sind Tom Cichon und ich, unterstützen Trainer Markus Anfang in vielerlei Hinsicht,“ legt der 33-Jährige, der an der Voßstraße das Licht der Welt erblickte, seinen Aufgabenbereich dar. „Wir planen zusammen die Trainingseinheiten, analysieren die Spiele und bereiten die Mannschaft auf den Gegner vor. Tom und ich übernehmen dabei Teile der Arbeit auf dem Rasen.“

Maxime der Arbeit sei, „jeden Spieler hinsichtlich seiner individuellen Fähigkeiten besser zu machen mit dem Ziel, dass er so der Mannschaft umso besser helfen kann.“ Beispiel gefällig?

Was der Gladbecker über Terodde sagt

„Simon (Terodde) ist beispielsweise ein Ein-Kontakt-Stürmer, der in der Box mit Bällen gefüttert werden muss. Wir konzipieren dann die Herangehensweise in den Spielen so, dass diese Situationen optimiert werden,“ erläutert Junge, dem jede Einheit Freude bereitet. „Das sind alles ganz normale Jungs, mit denen man ganz normal umgehen kann.“

Die Fußball-Lehrer-Lizenz erwarb der Gladbecker Florian Junge in der DFB-Kaderschmiede in Hennef, wo jährlich 24 Kandidaten das begehrte Diplom anstreben.

Junge stammt aus der Jugend von Germania Gladbeck

„Als Fußball-Lehrer darf man in allen Ligen arbeiten, ja sogar eine Nationalmannschaft trainieren. Zusammen mit Grammozis, Copado, Timo Wenzel und anderen Profis die Schulbank zu drücken, hat Spaß gemacht,“ erinnert sich Junge, der selbst das Fußball-Einmaleins in der Jugendabteilung der DJK Germania Gladbeck erlernte.

„Wir wohnten an der Voßstraße, und mein Vater schleppte mich schon als Dreijähriger zum Krusenkamp.“ An Trainer Günther Lill erinnert sich Florian noch gerne. Als C-Junior schloss er sich dem SC Hassel an, kurz danach ging es weiter zu Borussia Dortmund und zum VfL Bochum.

Zu viele Verletzungen: Karriereende mit 24

Sein Manko: „Immer wieder haben mich teils schwere Verletzungen zurückgeworfen.“ Als A-Jugendlicher ging er in der Winterpause zurück zur DJK Germania, verletzte sich jedoch im Training erneut.

Nach Stippvisiten beim FC Epe und dem SV Zweckel hängte er als 24-jähriger Sportstudent die Fußballstiefel endgültig an den Nagel und konzentrierte sich ganz auf das Sportstudium und das Trainersein.

Sein „Trainergen“ hatte Junge nach dem Abitur im Freiwilligen Sozialen Jahr entdeckt. „Ich konnte das Jahr beim Fußball-Verband Westfalen in Kaiserau absolvieren,“ lässt Junge den Blick zurück schweifen. „Erst war ich nur im Organisatorischen tätig, danach habe ich mehr und mehr die Verbandstrainer bei ihrer Arbeit unterstützt.“ Während eines längeren Aufenthaltes in Afrika mit der Verbandsauswahl kam die Idee zustande, selbst Trainer zu werden.

Junge hat die Gegner immer genau im Blick

Zum seinem Aufgabenbereich gehört die akribische Vorbereitung auf den nächsten Gegner, so besucht er zum Beispiel Spiele der nächsten Gegner, um diese genau unter die Lupe zu nehmen. „Ich kann dann unserem Videoanalysten und dem Trainerteam noch den ein oder anderen Hinweis geben, weil man live noch ein mal ein anderen Eindruck bekommt,“ ist sich Junge sicher.

Köln ist für Junge schon die vierte Station als Coach. Vor zehn Jahren betreute er als Co-Trainer die U 17 des BVB Borussia Dortmund. Danach zog es ihn zu Bayer Leverkusen, zusammen mit Sascha Lewandowski war er dort verantwortlich für die U 19. Im Anschluss trainierte er sechs Jahre lang die U 15, ehe ihn der Ruf in den Trainerstab des 1.FC Köln ereilte.

Bei Auswärtsspielen bleibt Junge manchmal in Müngersdorf, um dort mit den Reservisten, die nicht zum Kader gehörten, individuell zu arbeiten. Ansonsten arbeitet er am Spieltag im Hintergrund: „Während der Spiele stehe ich im ständigen Kontakt mit dem Videoanalysten, der auf der Tribüne sitzt und eine andere Perspektive hat.“

Aufstieg wird für den FC kein Selbstläufer

Beim FC Köln fühlt sich der Ex-Gladbecker pudelwohl, in der Domstadt wird alles dem Ziel „Aufstieg“ untergeordnet. „Die Anfangsphase war nicht einfach, aber wir haben insgesamt eine erfolgreiche Hinrunde gespielt,“ so seine Analyse. Dass der Aufstieg ein Selbstläufer wird, den Gedanken lässt er nicht einmal ansatzweise zu. „Die Liga ist schwer zu bespielen. Der HSV, Union, St. Pauli, Kiel, der VfL Bochum und auch Heidenheim sind zu beachten. Dennoch bin ich optimistisch, dass wir unser Ziel erreichen.“

Ein noch ungleich schöneres Ziel hat der sympathische Jungtrainer schon erreicht. Vor ein paar Tagen wurde Florian Junge zum ersten Mal Vater. „Ein Junge, eben passend zum Namen,“ lacht der junge Vater.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben