Jugendfußball

DFB-Reform-Pläne stoßen in Gladbeck auf gemischte Reaktionen

Der DFB plant eine Radikal-Reform des Jugendfußballs. Die Ideen lösen im Kreis 12 und in Fußball-Gladbeck gemischte Reaktionen aus.

Der DFB plant eine Radikal-Reform des Jugendfußballs. Die Ideen lösen im Kreis 12 und in Fußball-Gladbeck gemischte Reaktionen aus.

Foto: Oliver Mengedoht

Gladbeck/Gelsenkirchen.   Der DFB plant eine Radikal-Reform des Jugendfußballs. Warum die Ideen im Kreis 12 und in Fußball-Gladbeck gemischte Reaktionen auslösen.

Der Deutsche Fußballbund (DFB) hat eine Radikal-Reform des Jugendfußballs angekündigt. In der F- und G-Jugend soll ein Drei-gegen-Drei ohne Torwart auf zwei Mini-Tore gespielt werden. Im „Champions-League-Modus“ werden Spielfelder nach Stärke nummeriert. Das Siegerteam steigt ein Feld auf, der Verlierer ab. Einfach gesagt: Der DFB wünscht sich in Zukunft mehr Spieler wie Leroy Sané – Fokus auf individuelle Ausbildung, mehr Dribblings. Im Fußballkreis 12 und in Gladbeck lösen diese Ideen gemischte Reaktionen aus.

„Eigentlich ist es ein Witz“, sagt Christian Leyk, der aus Resse stammende Vorsitzende des Kreisjugendausschusses, nachdem der Lehrer seine Sicht ausführlich, sachlich erklärt hat. „Wir sprechen von der Nationalmannschaft, die 2018 bei der WM ausgeschieden ist. Und das soll die Basis ausbaden? Nachdem erst 2014 ein neues Projekt einberufen wurde, das jetzt für gescheitert erklärt wird, bevor überhaupt die Ergebnisse erkennbar sind. Da werden die Funktionäre unglaubwürdig.“

Laut Christian Leyk fehlen qualifizierte Trainer

Leyk spricht die Fairplay-Liga an. Drei Regeln für eine bessere Entwicklung der Kinder: Abstand der Zuschauer zum Feld, die Trainer beider Teams agieren gemeinsam, die Kids entscheiden selbst. Zudem wurden alle Tabellen und Ergebniswertungen abgeschafft. „Eigentlich widerspricht das neue Vorhaben komplett dem, was vor fünf Jahren mit der Fairplay-Liga eingeführt worden ist“, kommentiert Leyk. „Denn es wird wieder eine Klassifizierung der Spieler vorgenommen, indem ich die besten in ein Dreier-Team stecke und die schlechteren in eins. Die Frage ist, ob das weitsichtig, das Richtige ist?“

Der Vorsitzende der Kreisjugend spricht von einigen Problemen, die die Reform mit sich bringt. Zum einen gebe es nicht genügend qualifizierte Trainer. „Die Qualifizierung zur C-Lizenz ist eigentlich für Arbeitstätige mit Familie, die das ehrenamtlich machen, fast unmöglich. Zusätzlich kommen Kosten auf einen zu“, erklärt er. „Durch die Reform wird das Problem erschwert. Bei der Neuausrichtung brauchen wir qualifizierte Trainer und nicht schlicht Eltern, die das gerne machen. Wir sind froh, dass wir sie haben. Und wir brauchen sie auch. Aber denen kann ich nicht aufbürden, sich technisch und taktisch so weiterzubilden in ihrer Freizeit und neben der Arbeit, dass sie das so hinbekommen, wie der DFB sich das vorstellt.“

Anschaffung der Mini-Tore kostet im Kreis 60000 Euro

In einer Überschlagsrechnung rechnet er vor: Knapp 60000 Euro würde die Anschaffung der Mini-Tore für alle Vereine im Fußballkreis Gelsenkirchen kosten. Auch ob die Verringerung der Kinderanzahl pro Mannschaft sinnvoll ist, sieht er skeptisch. „Je älter die Kinder werden, desto größer muss der Kader sein. Mit der Zeit gewinnen wir aber keine Kinder, sondern verlieren welche. Dementsprechend ist die Frage: Wenn wir runtergehen auf ein Drei-gegen-Drei, ist dann schon nach der F-Jugend Schluss, wenn es ins Fünf-gegen-Fünf geht?“ In Gütersloh ist die Reform getestet worden. Die Ergebnisse präsentiert Christian Leyk.

„Die Erfahrung hat gezeigt, dass kaum noch Abspiele funktionieren, Tore erdribbelt werden und von zwei Spielern das Tor abgedeckt wird. Die Tore sind zu klein.“ 14 von 16 Kindern hätten sich, als sie wählen durften, für das große entschieden und nicht für das Mini-Tor. Die Reform soll bekanntlich die Ballaktionen der Kinder erhöhen. „Die Idee, rein sachlich gesehen, ist ja gut. Wir haben mehr Ballkontakte. Wir bilden Individualisten aus. Aber überspitzt: Wenn ich ein Eins-gegen-Eins spiele, dann bilde ich noch mehr Individualisten aus“, sagt Christian Leyk. „Habe ich wirklich mehr Ballkontakte, wenn ich einen richtig guten Spieler habe, oder macht der alles allein?“

Arbeitsgruppe Ruhrgebiet wird eine Stimme abgeben

Am Ende entscheiden die Fußballkreise über die Umsetzung der Reform. Leyk ist Teil der Arbeitsgruppe Ruhrgebiet, die eine gemeinsame Stimme abgeben wird. „Wir haben im Moment ein größeres Problem als dass, ob wir uns dafür oder dagegen entscheiden. Wir sind mit der Art und Weise nicht einverstanden, dass es von oben erst hieß, es sei eine Idee. Kritische Aussagen wurden nicht aufgenommen. Das ganze Ding soll einfach durchgedrückt werden.“

Bei den Gladbecker Vereinen gibt es keine einhellige Meinung. Dennis Dörnemann, der Jugendleiter des BV Rentfort, steht der Reform eher gelassen gegenüber. Er freut sich sogar fast, weil nun Ideen von DFB-Seite umgesetzt werden, die seine Kollegen und er in Rentfort längst in Bewegung gesetzt hätten. „Im Wesentlichen ist das nichts Neues“, sagt er. „Dass es vom DFB kommt, spielt uns in die Karten. Wir hatten den Artikel breit gepostet. Das, was wir erzählen, ist nun groß aufgehangen.“

Anschaffung der Tore für BVR keine Herausforderung

Ein Kostenproblem bei der Anschaffung der Mini-Tore sieht Dörnemann für den BVR nicht: „Wir sind relativ gut ausgestattet und das wäre keine Herausforderung.“

Auch für Wolfgang Wittig, Jugendleiter von Schwarz-Blau Gladbeck, ist nicht das das größte Problem, sondern die Ausbildung der Trainer. „Das sieht ein Verein wie Schwarz-Blau ziemlich kritisch“, erklärt Wittig. „In diesen Altersklassen sind es doch meistens die Eltern, die am Rand stehen. Und dass sie sich die Zeit für eine Ausbildung nehmen, sehe ich doch sehr kritisch.“ Die Qualifizierung der Trainer sei aber auch an der Hegestraße problematisch. „Da gibt es das Zeitproblem. Ich glaube, man sollte darüber nachdenken, die Trainerausbildung weg vom DFB und hin zu den Vereinen zu bringen“, erklärt Dörnemann.

Wittig: Mehr Arbeit für Ehrenamtliche, die nicht da sind

Der Wegfall des Torwarts würde derweil nicht viel ändern. Denn einen festen Keeper gebe es bis zur E-Jugend sowieso nicht. „Ich bin ein Verfechter davon, dass man in den ersten Jahren keine Position festlegt. Also auch nicht die Torhüterposition. Das ist auch Stand der Wissenschaft.“ Wittig sieht darüber hinaus ein Problem in der Anzahl von nur drei Spielern pro Team. „Dann müssen es ja schon mehrere Mannschaften sein, sonst ist nach der F-Jugend schon Schluss. Das ist alles nicht weit genug gedacht“, so der Jugendleiter der Braucker. „Es ist mehr Arbeit. Mehr Arbeit für Ehrenamtliche, die sowieso schon nicht da sind.

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