Serie Fußball damals

Als ein Handballtorwart die Sportfreunde Gladbeck rettete

Ingo BarnitzkesKarriere begann einst bei Wacker Butendorf. Zudem stand er für die Feldhandballer der DJK Germania im Tor. Später hütetet er den Kasten der legendären Sportfreunde Gladbeck, die seinerzeit in der Landesliga gegen den Abstieg spielten. 

Ingo BarnitzkesKarriere begann einst bei Wacker Butendorf. Zudem stand er für die Feldhandballer der DJK Germania im Tor. Später hütetet er den Kasten der legendären Sportfreunde Gladbeck, die seinerzeit in der Landesliga gegen den Abstieg spielten. 

Foto: Glawe

Gladbeck.   Ingo Barnitzke ist Sportkegler. Vor fast 50 Jahren hütete er, der eigentlich Feldhandballtorwart war, den Kasten der Sportfreunde Gladbeck.

Mit seinen Paraden sicherte er als Torwart den legendären Sportfreunden Gladbeck einst den Erhalt der Landesliga, mit der DJK Germania holte er die Kreismeisterschaft – im Feldhandball. Im Minigolf wurde er mit nur 27 Schlägen Gladbecker Seniorenmeister. Als Sportkegler heimste er so viele Titel ein, dass die Aufzählung den Leser auf eine harte Geduldsprobe stellen würde. Auch beim Fußball-Tennis stand er seinen Mann, ebenso wie beim „richtigen“ Tennis. Und beim Preisskat reizte er sich fünf Mal zum Sieg.

Das gibt’s doch gar nicht? Gibt’s doch! Ingo Barnitzke, Gladbecks sportliches Urgestein, macht’s möglich. Wobei, genau genommen ist das nicht korrekt. „Ich bin gebürtiger Wiener“, klärt Barnitzke auf. „Ich bin 1944 in Kloster Neuburg, einem Vorort von Wien, zur Welt gekommen. Noch vor Kriegsende sind wir geflohen und in Gladbeck gelandet.“

Barnitzkes Karriere beginnt bei Wacker Butendorf

Kurz bevor der kleine Ingo das zehnte Wiegenfest feiern durfte, zogen die Barnitzkes von Stadtmitte nach Butendorf. Folgerichtig landete der Zehnjährige bei Wacker Butendorf. „Mit 18 Jahren kam ich zum ersten Mal in der Ersten zum Einsatz“, blickt Barnitzke zurück. Ein Angebot von Erle 08 schlug er aus: „Meine Lehre als Fleischer bei Rißmöller und Winkelmann war wichtiger.“

Als A-Jugendlicher schloss er sich zudem der DJK Germania an, mit der er prompt Kreismeister wurde – im Feldhandball. „Bei einem Turnier in Winterswijk habe ich fünf 14-Meter gehalten und wurde als bester Torwart ausgezeichnet“, so Barnitzke.

Mit den Sportfreunden im Kampf um den Klassenerhalt

1965 wechselte er für ein Jahr zu den Sportfreunden an die Roßheide. „Trainer Tscherner Thiel“, erinnert sich der Gladbecker, „wollte unbedingt den Abstieg aus der Landesliga verhindern. Durch einen 2:1-Erfolg gegen Westfalia Buer haben wir es geschafft.“ Ein Sieg unter skandalösen Begleitumständen. Rolli Spang hatte einen Elfer herausgeholt, den Arno Jamin sicher verwandelte. Schwalbenkönig Spang büßte eine Hand voll Zähne ein, nur unter Polizeischutz konnten die Braucker die Platzanlage verlassen. „Trainer Thiel urteilte damals, dass ich als Handballtorwart in der Strafraumbeherrschung schwach, auf der Linie hingegen stark sei. Mit dem Urteil lag er wohl richtig“, gibt Barnitzke zu.

Danach lief er noch ein paar Mal bei den Wacker-Altherren auf, ehe er sich den Preußen anschloss, für die er – als Feldspieler – im biblischen Fußballalter von 44 Jahren Schluss machte.

Barnitzke wechselt in das Lager der Sportkegler

Allerdings blieb er weiter aktiv, vor und hinter den Kulissen. „Ich wurde Fachwart Fußball für Erstmannschaften und später stellvertretender AH-Fachwart. Wegen einer schweren Kopfverletzung war Fußball zu riskant, also schloss er sich den Keglern an. Keine zufällige Entscheidung, bei Kegelabenden zählte er zumeist zu den Treffsichersten. „Ob mit dem KSV Gladbeck oder der BSG: Wir haben die Gladbecker Farben immer würdig vertreten, nicht nur regional, sondern auch auf nationaler Ebene.“ Mit seinem BSG-Team hat Barnitzke erneut einen Aufstieg fest im Visier. Allerdings übt er sich selbst in Bescheidenheit: „Durch eine Handoperation bin ich gehandicapt, meine Punktzahlen bleiben ein wenig hinter meinen Erwartungen zurück.“

Was keine Verletzung mindern kann, ist die Einstellung des heute 74-Jährigen: „Im Tennis haben wir mal gegen eine Mannschaft aus Rat und Verwaltung gespielt. Wegen meiner kämpferischen Einstellung, keinen Ball verloren zu geben, wurde ich mit einer wertvollen Uhr ausgezeichnet.“

Denkwürdiger Erfolg über Seliger, Pirsig & Co.

Besonders gern denkt Ingo Barnitzke an einen Vergleich im Fußballtennis zurück. „Seine“ BSG Gladbeckbezwang nämlich einmal den MSV Duisburg klar und deutlich mit 31:1. Dabei standen im Team der Meidericher klasse Kicker wie Rudolf Seliger oder Detlef Pirsig. Erstgenannter war Nationalspieler. Unter Helmut Schön absolvierte er zwei A-Ländferspiele.

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