Fußball-Kreisliga A2

Wirbel um Fotobeweis in der Kreisliga A

Kuriose Szene: Kevin Krystek vom SSV/FCA Rotthausen tritt Blau-Weiß-Kapitän Muhsin Ayhan vor das rechte Bein, gerät anschließend ins Straucheln und bekommt einen Elfmeter zugesprochen.

Kuriose Szene: Kevin Krystek vom SSV/FCA Rotthausen tritt Blau-Weiß-Kapitän Muhsin Ayhan vor das rechte Bein, gerät anschließend ins Straucheln und bekommt einen Elfmeter zugesprochen.

Foto: Foto: / AA

Schalke.  Ein Elfmeter, der keiner ist, löst beim Spiel SSV/FCA Rotthausen gegen Blau-Weiß Diskussionen aus. Technische Hilfe ist für Schiedsrichter tabu.

Es läuft schon die 90. Minute im Spitzenspiel der Fußball-Kreisliga A2. Der noch ungeschlagene Tabellenzweite SSV/FCA Rotthausen liegt am Sonntag beim Dritten DJK Blau-Weiß Gelsenkirchen mit 1:3 zurück. Plötzlich dringt Rotthausens Kevin Krystek in den Blau-Weiß-Strafraum ein, beim Schussversuch kommt ihm jedoch DJK-Kapitän Muhsin Ayhan in die Quere. Ayhan ist vor ihm am Ball, doch Krystek hat bereits zum Schuss ausgeholt. Statt den Ball trifft er den Fuß von Ayhan. Beide Spieler sinken mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden, Schiedsrichter Rene Sega entscheidet auf Foul.

Entsetzen bei Blau-Weiß

Doch zum Entsetzen von Blau-Weiß zeigt Sega auf den Elfmeterpunkt. „Aus meiner Perspektive sah es so aus, als wäre es ein Foul des Blau-Weiß-Spielers gewesen“, sagt der Unparteiische später im Gespräch mit der WAZ. Die Gastgeber belagern ihn. Nicht nur, weil sie es im Spiel anders gesehen haben, sondern auch auf einem Foto eines wenige Meter vom „Tatort“ entfernt stehenden Fotografen.

„Schauen Sie sich das Foto doch wenigstens an“, fordern sie lautstark. Doch Sega bleibt hart und gibt den Elfmeter, den Kevin Halberkamp zum 2:3 verwandelt. Spielentscheidend wird die Szene nicht mehr, denn Blau-Weiß bringt den knappen Vorsprung über die Zeit. Heiß diskutiert wird sie nach Abpfiff aber trotzdem. Die zentrale Frage: Warum darf der aus der ersten und zweiten Bundesliga bekannte Videobeweis – oder in diesem Fall Fotobeweis – nicht auch in der Kreisliga eingesetzt werden?

Ganz unberechtigt ist die Frage nicht, schließlich hatte kürzlich ein Vorfall aus dem Kreis Kaiserslautern/Donnersberg Süd bundesweit für Aufsehen gesorgt. Im Kreisliga-B-Spiel zwischen dem SV Mölschbach und der SG Hochspeyer hatte der Unparteiische damals nach Ansicht eines Zuschauer-Videos seine Entscheidung korrigiert und den 3:2-Siegtreffer für Möschbach anerkannt. Warum entschied sich Schiedsrichter Sega am Sonntag also dagegen, sich das Beweisfoto anzuschauen? „Ich darf im Spiel keine Fotos zu Hilfe nehmen. Das geht nur mit Videosequenzen“, so Sega.

Keine Hilfsmittel erlaubt

Stefan Tendyck, stellvertretender Vorsitzender des Kreisschiedsrichterausschusses und Lehrwart des Fußballkreises 12, gab seinem Kollegen in dieser Hinsicht aber nur bedingt recht. „Der Schiedsrichter darf gar keine technischen Hilfsmittel nutzen, weder Fotos noch Videos. Die einzige Möglichkeit, seine Entscheidung zu revidieren, bietet das Gespräch mit seinen Assistenten an den Außenlinien. Aber die gibt es in der Kreisliga nicht“, stellt Tendyck unmissverständlich klar. Einzig das Sportgericht dürfe bei der Entscheidung über Strafen Videosequenzen zurate ziehen. „Diese Regelung gilt für alle Klassen bis zur zweiten Bundesliga“, betont Tendyck.

Doch warum wurde dies beim Spiel im Möschbach anders geregelt? „Wenn der Unparteiische trotzdem unzulässige Hilfsmittel genutzt hat, kann der Gegner Einspruch einlegen. Das Spiel wird dann wiederholt“, erläutert Tendyck. So lief es auch im Anschluss an den vermeintlichen 3:2-Sieg der Möschbacher ab. Hochspeyer legte Einspruch ein und erzwang damit ein Wiederholungsspiel.

So weit wird es beim Duell zwischen der DJK Blau-Weiß und dem SSV/FCA Rotthausen nicht kommen, denn der Unparteiische Sega lag zwar mit der Bewertung der Strafstoßszene daneben, mit dem Ablehnen des Fotos aber letztlich genau richtig.

Blau-Weiß-Coach Michael Steinhüser nahm ihn auch in Schutz: „Der Elfmeter war zwar eine Fehlentscheidung, aber ansonsten hat er gut gepfiffen.“ Angesichts der von Tendyck aufgezeigten Wiederholungsspiel-Konsequenz werden Steinhüser und seine Schützlinge wohl sogar froh sein, dass Sega das Foto nicht doch genauer unter seine Schiedsrichter-Lupe nahm. Ganz nach dem Motto: Glück im Unglück.

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