Schach

Von Horst über Kreta zum WM-Titel

Olaf Arndt ist Amateur-Weltmeister im Schach. im Vereinsheim des SV Horst 31 trifft er sich oft mit seinen Klubkollegen.

Olaf Arndt ist Amateur-Weltmeister im Schach. im Vereinsheim des SV Horst 31 trifft er sich oft mit seinen Klubkollegen.

Foto: Heinrich Jung / FUNKE Foto Services

Horst.  Seit mehr als 40 Jahren spielt Olaf Arndt beim SV Horst 31 Schach. Jetzt wurde er Amateur-Weltmeister. Und das an einem eher ungewöhnlichen Ort.

Sonne, 25 Grad, langer Sandstrand und himmelblaues Meer: Als Olaf Arndt auf seinem Smartphone Bilder seines jüngsten Aufenthaltes auf der Mittelmeerinsel Kreta zeigt, gerät er ins Schwärmen: „Das Ambiente war sehr schön. Wir waren in einem Vier-Sterne-Hotel mit All-Inklusive-Verpflegung untergebracht und hatten fast immer schönes Wetter. Das Meer war sogar noch angenehm warm“, erzählt er. Auch wenn der gebürtige Horster „nicht so der Sommertyp“ ist, spricht er dennoch von neun Tagen, die „vom Feinsten“ waren und „sehr viel Spaß gemacht haben“.

So weit, so gut. Um eine Reiseempfehlung für die größte griechische Insel geht es Olaf Arndt aber nicht. Schließlich war er doch nicht zum Spaß da, auch wenn die Bilder das zunächst vermuten lassen. Stattdessen reiste er zum Nachdenken dorthin. Aber nicht über sich oder den Sinn des Lebens, sondern über Figuren wie Springer, Läufer, Bauer und Dame – und ganz besonders über den König.

Denn Olaf Arndt ist Amateur-Schachspieler und nahm kürzlich an der Einzelweltmeisterschaft der Senioren (Ü50) teil, die von der Amateur Chess Organisation ACO ausgerichtet wurde. Und das mit großem Erfolg: Der 55-jährige Spieler des SV Horst 31 sicherte sich in Gruppe C, der drittbesten der insgesamt sieben nach Spielstärke unterteilten Klassen, erstmals den WM-Titel.

Olaf Arndts unter anderem bereits mit dem silbernen Pokal für den zweiten Platz aus dem Vorjahr gefüllte Vitrine bekommt also Zuwachs in Form eines weiteren goldenen. Nun stehen die beiden Trophäen aber erst einmal auf dem Tisch des Vereinsheims des SV Horst 31. Genau dort, wo der inzwischen aus Kreta zurückgekehrte Weltmeister gerade von seinem Titelgewinn erzählt, hatte er einige Wochen vorher noch mit seinen Klubkollegen über das Turnier geplaudert. „Wir haben ein bisschen herumgeunkt, was ich denn machen würde, wenn ich gewinne“, erzählt er. „Doch das war eigentlich Spaß. In der Setzliste war ich zwar relativ weit oben, aber die ist in solchen Turnieren wenig aussagekräftig, da es immer auf die jeweilige Form ankommt. Deshalb hatte ich mir nichts Besonderes vorgenommen und wollte nur versuchen, bestmöglich zu spielen.“

Schützenhilfe vom Titelverteidiger

Eine gute Herangehensweise, wie sich später herausstellen sollte. Denn der Horster sammelte in den neun Partien fleißig Punkte. Vor dem abschließenden Duell mit Joachim Krisin kam es dann zum absoluten Showdown. Olaf Arndt, der bislang sechs Punkte, also fünf Siege, zwei Remis und eine Niederlage verbucht hatte, war als Tabellenzweiter zum Siegen verdammt. Zudem musste er auf eine Niederlage des für die Fidschi-Inseln startenden und mit einem halben Punkt Vorsprung auf Rang eins liegenden Damian Norris hoffen.

Die dringend benötigte Schützenhilfe bekam Arndt dann vom englischen Titelverteidiger Meyrick Shaw. „Ausgerechnet“, möchte er sagen: „Meyrick und ich haben uns im vergangenen Jahr bei der WM kennengelernt und uns als Konkurrenten angefreundet. Ich mag es, bei solchen Turnieren auf andere Spieler zuzugehen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Meyrick und ich haben uns direkt gut verstanden. Dass dann ausgerechnet er zum Schluss den Tabellenersten geschlagen hat, war überragend.“

Fix war der Titelgewinn aber erst, als Olaf Arndt anschließend auch seine eigene Partie siegreich beendet hatte. Wohl gemerkt nach über vier Stunden Spielzeit. Ein Moment, in dem die ganze Anspannung irgendwie raus musste: „Ich habe meine Hand so stark auf den Tisch geknallt, dass alle Figuren durch die Gegend geflogen sind. Dann lagen Meyrick und ich uns in den Armen. Er hat sich genauso sehr für mich gefreut, wie ich mich im Vorjahr für ihn.“

Versüßt wurde der WM-Titel mit einem Preisgeld von 400 Euro. Geld, das Olaf Arndts Urlaubskasse zumindest etwas aufbesserte. Finanzieren musste der Versicherungsangestellte die neuntägige Reise nämlich selbst. Blieb denn dann wenigstens etwas Zeit, die besondere Kulisse zu genießen? „Nicht wirklich“, sagt Olaf Arndt. „Es gab einen Ruhetag, an dem auch Ausflüge angeboten wurden. Da habe ich aber nicht mitgemacht, weil ich den Fokus auf Schach legen wollte. Ich habe mich dann lieber schon mal auf meinen nächsten Gegner vorbereitet. Aber trotzdem war es natürlich etwas Besonderes, mit Meerblick zu spielen.“

Bald geht’s nach Prag

Als nächstes Ziel habe er nun die Anfang März in Prag beginnende Ü50-Mannschaftsweltmeisterschaft vor Augen. Und wie sieht’s mit der Titelverteidigung bei der nächsten Amateureinzelweltmeisterschaft aus? Die kommt für Olaf Arndt erstmal nicht infrage: „Ich bin in meiner Leistungsklasse jetzt Zweiter und Erster geworden. Wenn überhaupt, würde ich deshalb in Gruppe B starten. Das wäre dann eine noch größere Herausforderung“, erklärt Olaf Arndt. Ausgetragen wird die kommende Weltmeisterschaft übrigens wieder auf Kreta. Sonne, 25 Grad, langer Sandstrand und himmelblaues Meer inklusive.

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