Horster Familienbande

Vater hinten drin, Sohn auf der „Sechs“

Alltag in der B-Liga: Danielo Greve mit Asche am Schenkel – Papa „Juhnny“ bleibt da entspannt.

Alltag in der B-Liga: Danielo Greve mit Asche am Schenkel – Papa „Juhnny“ bleibt da entspannt.

Foto: alexandra greve / sv horst 08

Gelsenkirchen.  Bei Horst 08 wird Zusammenhalt groß geschrieben. So auch bei den Greves. Vater Christian und Sohn Danielo kickten jetzt in einer Mannschaft.

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Der SV Horst-Emscher 08 ist ein echter Familienverein. Hier im Nordwesten Gelsenkirchens haben Zusammengehörigkeit, Spaß am Vereinsleben und gemeinschaftliches ehrenamtliches Engagement schon immer eine große Rolle eingenommen. In drei Generationen am Schollbruch aktiv sind auch die Greves.

Heimatverein von Olaf Thon

Schon früher, als man nur die Nummer zwei im Stadtteil war, galt für viele Horster das Motto: „Einmal 08er, immer 08er!“ Sportlich hatte lange der Nachbar STV Horst-Emscher die Nase vorn, der Deutsche Amateurmeister von 1967 ist der Heimatverein unter anderem von Weltmeister Olaf Thon, aber inzwischen längst in die Ahnengalerie der Fußballgeschichte eingegangen. Einen Kilometer weiter nördlich am Schollbruch hat sich derweil ein Klub entwickelt, der in der Schalke-Stadt inzwischen die meisten Mannschaften aller Amateurklubs im Spielbetrieb hat.

23 Teams kicken bei den Schwarz-Weißen, 17 im Nachwuchs und sechs im Seniorenbereich, darunter sind ein Mädchen- und ein Frauenteam. Allein vier Herrenmannschaften sind im Einsatz – und in der dritten Mannschaft haben am vergangenen Sonntag erstmals Vater und Sohn Greve gemeinsam auf dem Platz gestanden.

„Davon hast du doch immer geträumt“, steckt Danielo (19) seinem Papa Christian (42), als im Sommer eine sportliche Entscheidung ansteht. Der Filius ist bereit für einen Seitenwechsel, er will sich Horst 08 anschließen, da wo der Rest der Familie auch ist.

Christian Greve wird als kleiner Junge zunächst von seinem Vater Karl-Heinz bei Schwarz-Gelb Karnap im nur gut einen Kilometer entfernten Essen angemeldet. Weil der heutige FC Karnap damals für die jüngsten keine Mannschaft hat, muss der kleine Christian als eigentlich F-Jugendlicher in der C-Jugend mitkicken. „Die anderen Jungs waren mindestens einen Kopf größer als ich“, erinnert er sich – und schließt sich der STV Horst-Emscher an. In den 80er Jahren sind die Husaren ein große Nummer im Ruhrpott, in der Gelsenkirchener Kreisauswahl trifft Christian Greve auf spätere Profis wie Filip Tapalovic (unter anderem VfL Bochum, Schalke 04, 1860 München) oder Stefan Blank, der als Erwachsener ebenfalls Bundesliga-Luft (für u. a. Hannover 96, VfB Stuttgart, 1. FC Kaiserslautern) schnuppern darf.

Vater trainiert den Sohnemann

Christian Greve aber wechselt in der A-Jugend zum SV Horst 08 und dort bleibt er im Grunde bis heute. „Ich hätte in den Senioren auch zu einem anderen, höherklassigen Verein gehen können, aber mir war wichtiger, mit meinen Freunden zusammen zu kicken und nachher in der Kabine bei einer Kiste Bier Vereinslieder zu singen“, erklärt der Verteidiger.

1999 kommt Sohn Danielo zur Welt. Zu aller Überraschung wird er – Fußballer. Weil die Greves zu der Zeit im Stadtteil Erle wohnen, wird der Junge bei der Spielvereinigung Erle 19 angemeldet. Sein Trainer: Papa Christian. Später in der Jugend geht es zum SV Horst 08, zum SC Hassel und im ersten Seniorenjahr zum SV Zweckel in Gladbeck. Beide wandern stets im Doppelpack, in Zweckel ist Christian Greve Co-Trainer der zweiten Mannschaft. Selbst spielt er natürlich weiter für Horst 08, inzwischen in der Alten Herren.

Dann kommt der Sommer 2019 – und die große Familienzusammenführung. Danielos Opa Karl-Heinz gehört am Schollbruch längst zum Inventar, vom Spieler über Jugendtrainer zum Betreuer der ersten und zweiten Mannschaft bis zum Platzwart und Obmann der Ü 32 hat der rüstige Rentner schon einige Ämter durch.

Onkel Bernie, der Deutsche Amateurmeister

Auch Bernie Büchner, der 1967 als Spieler der STV Horst-Emscher Husaren Deutscher Amateurmeister wird, ist nun schon ewig ein 08er. Der Schwager von Karl-Heinz Greve und somit natürlich der Onkel von Christian sowie Großonkel von Danielo ist zwischenzeitlich sogar gleichzeitig Spielertrainer der ersten Mannschaft und Coach der Reserve. Später wird Bernie Büchner Vorsitzender des Klubs und ist heute, mit 74 Jahren, immer noch für die Horster Oldies am Ball – Ehrenvorsitzender der 08er ist er sowieso.

Dass es bei dieser engen und fast schon ewigen Fußball-Familienbande bis zum Jahr 2019 dauert, bis Vater und Sohn einmal ein Meisterschaftsspiel zusammen bestreiten, ist fast schon überraschend. Es ist der 3. November, als der SV Horst 08 III in der Gelsenkirchener Kreisliga B auf Viktoria Resse II trifft. Die Gastgeber haben personelle Probleme, Trainer Erhan Ozan und seine rechte Hand Christian Greve kriegen keine elf Mann zusammen. „Also musste ich selber spielen“, berichtet dieser.

Normalerweise macht er das nicht gerne, er möchte keinem jungen Burschen den Platz wegnehmen. An diesem Sonntag aber fallen acht Mann aus, immerhin helfen drei Kicker aus der Alten Herren aus, aber es ist kein gelernter Torwart da. Christian Greve zieht also das Trikot an, er geht in die Innenverteidigung und hat vor sich: seinen Sohn. „Danielo spielt auf der Sechs, da musste ich ihn natürlich von hinten dirigieren. Das war schon ein komisches Gefühl, aber letztlich wollten wir das ja einmal erleben: zusammen auf dem Platz stehen.“

Die Freude hält sich am Ende in Grenzen, die Partie geht 0:2 verloren. Das unvergessliche Erlebnis, das Ehefrau beziehungsweise Mama Alexandra natürlich auf der Fotokamera festhält, wird Christian und Danielo Greve aber niemand mehr nehmen.

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