Schwimmen

SG Gelsenkirchen: Vom Wasser ins Wohnzimmer-Training

Sophie Huang gewann in Remscheid auch die offene Wertung über 50 Meter Schmetterling, blieb aber über ihrer Bestzeit.

Sophie Huang gewann in Remscheid auch die offene Wertung über 50 Meter Schmetterling, blieb aber über ihrer Bestzeit.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Gelsenkirchen.  Der letzte Wettkampf vor der Corona-Unterbrechung war ein Riesenerfolg. In Remscheid holten Huang, Lissok, Tscherner & Co. 40 Siegermedaillen.

Die Schwimmerinnen und Schwimmer der SG Gelsenkirchen haben einen weiteren Tiefpunkt zu verkraften. Seit Montag bleibt die Trainingsstätte im Zentralbad Gelsenkirchen dunkel, weil der Amateursport durch die bundesweit hochgeschnellten Corona-Infektionen wieder zu einer Zwangspause verdonnert ist. Mannschafts-Trainingseinheiten sind aktuell nicht möglich. Bei den Schwimmern ist die Trainingsstätte Zentralbad, in der auch ein Fitnessraum zur Verfügung steht, bis auf weiteres zu.

Trainer Michael Seeger sagt im Gespräch mit dieser Zeitung: „Ich kann die Stadt Gelsenkirchen durchaus verstehen, dass sie die Bäder jetzt geschlossen hat. Wenn man das Zentralbad zu Trainingszwecken offen lassen würde, müssten auch entsprechende Kosten gedeckt werden. Und das ist einfach nicht zu leisten. Wir müssen jetzt einfach wieder diese vier November-Wochen überbrücken. Uns bleibt keine andere Wahl.“

Seeger hat diese Situation mit seinem SG-Team bereits im Frühjahr erlebt. Das bereits festgezurrte Trainingslager in Spanien musste corona-bedingt storniert werden, dazu wurde der komplette Trainingsplan umgekrempelt, weil die SG Gelsenkirchen nicht ins Wasser konnte. „Meine Mannschaft hat sich durch Home-Workouts fitgehalten. Ich denke mal, dass jetzt unser Plan, den wir für März/April ausgearbeitet hatten, wieder zur Anwendung kommt. Ich habe meinen Athletinnen und Athleten gesagt: Macht’s noch einmal wie im Frühjahr. Steckt nicht den Kopf in den Sand. Wir haben die erste Corona-Pause geschafft. Und die zweite Unterbrechung schaffen wir jetzt auch. Jammern hilft nichts.“

Nach der ersten Corona-Unterbrechung hatte sich das Team durch intensive Einheiten im Freibad, Doppel-Schichten im Zentralbad und Wettkämpfe in Münster sowie Bochum wieder in Form gebracht. Trainer Michael Seeger: „Meine Athletinnen und Athleten waren gut drauf. Wir haben wirklich das Beste aus der Situation gemacht.“ Das ließ sich auch an den jüngsten Ergebnissen ablesen.

Bestzeiten-Quote von 80 Prozent

Beim 15. Remscheider Pokalschwimmen räumte die SG Gelsenkirchen alles ab, was überhaupt möglich war. „Wir haben 78 Medaillenplätze erreicht und davon 40 Mal Platz eins geholt. Von unseren insgesamt 145 Starts hatten wir eine Bestzeiten-Quote von 80 Prozent. Das war sehr, sehr gut. Und bei den anderen Starts fehlten zum Teil nur hundertstel Sekunden zu weiteren Bestzeiten“, bilanziert der Gelsenkirchener Coach.

Über 50m Freistil siegte Sophie Huang bei den Damen in 27,17 Sekunden. Stella Neuhaus schlug über 100m Brust als Erste an (1:15,13) und holte sich auch den Gesamtsieg bei den Damen. Bei den Herren siegte Robert Ortmann über 50m Freistil in 24,70 Sekunden. Den ersten Platz über 100m Rücken holte sich der von seinem USA-Studium zurückgekehrte Nico Tscherner (58,51sek). Über 100m Schmetterling landete Tscherner in 58,58 Sekunden vor seinem SG-Teamkollegen Marius Schimnatkowski (59,60sek), der in der Herren-Gesamtwertung auf einen beachtlichen dritten Platz kam. „Nico ist mit drei neuen Bestzeiten aus dem Becken gestiegen. Er hat das wirklich gut gemacht“, sparte Trainer Michael Seeger nicht mit Lob für den 22-Jährigen.

Natürlich hat Seeger auch die jüngeren Schwimmerinnen und Schwimmer im Blick: „Gerade bei ihnen gab es viele neue Bestzeiten. Emir Rastoder hat sich zum Beispiel über 50m Rücken um fast eine Sekunde verbessert. Lorena Lissok hat über 100m Brust eine Riesensteigerung geschafft. Solche Entwicklungen freuen mich natürlich als Trainer besonders.“ Doch jetzt wird die Entwicklung erst einmal unterbrochen. Michael Seeger: „Selbst, wenn die Infektionszahlen in 14 Tagen wieder zurückgegangen sind, heißt das noch lange nichts. Im Moment kann man einfach gar nichts planen.“ Sondern nur überbrücken.

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