Schalkes U 19 vor fünf Jahren

Schalke: Norbert Elgert lässt Leroy Sané auf der Bank sitzen

Schalkes U-19-Fußballer feiern am 25. Mai 2015 nach ihrem 3:1 über Hoffenheim in Wattenscheid die Deutsche Meisterschaft.

Schalkes U-19-Fußballer feiern am 25. Mai 2015 nach ihrem 3:1 über Hoffenheim in Wattenscheid die Deutsche Meisterschaft.

Foto: Joachim Kleine-B ning

Gelsenkirchen.  Norbert Elgert hält sich nicht an die Absprache mit Roberto Di Matteo und bringt Leroy Sané im Schalker Finale gegen Hoffenheim nach 37 Minuten.

Es ist erlaubt zu schwärmen. „Das war eine sehr besondere Saison, eine sehr besondere Mannschaft und ein sehr besonderes Finale in Wattenscheid“, sagt Trainer Norbert Elgert. Auf den Tag genau fünf Jahre ist es her, dass die U-19-Fußballer des FC Schalke 04 dank eines 3:1-Sieges über die TSG 1899 Hoffenheim Deutscher A-Junioren-Meister geworden sind – vor 12.500 Zuschauern im Lohrheide-Stadion, nachdem sie im Halbfinale den Karlsruher SC ausgeschaltet hatten (2:1 und 1:1).

„Das war eines der absoluten Highlights der Knappenschmiede der vergangenen 15, 20 Jahre“, sagt Norbert Elgert, der sich noch sehr gut daran erinnern kann, dass sich der eine oder andere Zuschauer damals folgende Frage gestellt hat, die er selbst so formuliert: „Ist der Elgert jetzt ganz bekloppt, weil er Leroy Sané einfach auf der Bank sitzen lässt?“ Und? „Das konnte ich ja erst später aufklären“, erzählt der 63-jährige Meisterschmied der Knappen. Es hatte eine Absprache mit Roberto Di Matteo gegeben, dem damaligen Cheftrainer der Schalker Profis, der dann einen Tag später zurücktrat: Leroy Sané sollte nur eine Halbzeit lang spielen.

Ein Raunen geht im Lohrheide-Stadion durchs Publikum

So ganz hielt sich Norbert Elgert jedoch nicht an die Abmachung, und zwar deshalb nicht, weil sein Team mit 0:1 zurücklag. „Ich musste reagieren“, sagt er. „Da war es mir egal, ob ich Theater bekomme. Scheißegal.“ Und so kam der damals 19-jährige Leroy Sané, der sich 2014/15 längst als Bundesliga-Profis etabliert hatte (13 Einsätze, drei Tore), in Minute 37 und mit ihm die Wende. „Da ging ein Raunen durchs Publikum, aber auch durch die Mannschaft“, erzählt Norbert Elgert. „Damit haben wir eine ganz andere Qualität bekommen.“

Apropos Qualität: Diese Schalker U 19 aus der Saison 2014/15 hatte eine ganz besondere Qualität, nämlich ihren großen Zusammenhalt. „Das Wir stand deutlich im Vordergrund“, sagt Norbert Elgert und spricht von einer großen Spielfreude, aber auch von starken Individualisten, „die ihre persönliche Stärke zur Verfügung gestellt haben“.

Klar: Von Leroy Sané und auch von seinem damaligen Kapitän Thilo Kehrer braucht der Fußball-Lehrer nicht viel zu erzählen. Es gibt aber auch ei­nen dritten Mann aus diesem königsblauen Meister-Team, an den sich Norbert Elgert besonders gerne erinnert, nämlich an Felix Schröter.

Felix Schröter gleicht aus und bringt Schalke in Führung

Der heute 24-jährige Stürmer, der inzwischen das Trikot der SpVgg Unterhaching in der 3. Liga trägt und in der Saison 2018/19 für den FV Illertissen in der Regionalliga Bayern in 33 Partien auf 16 Treffer und acht Assists gekommen ist, war einer, „der 30 Tore erzielen kann“, sagt Norbert Elgert. 32 waren es in der Saison 2014/15, um genau zu sein: 27 in der U-19-Bundesliga, zwei im DFB-Pokal der Junioren sowie insgesamt drei in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft.

Felix Schröter glich am 25. Mai 2015 vor der Pause zum 1:1 aus und erhöhte im zweiten Abschnitt auf 2:1, ehe der Schwede Christian Rubio Sivodedov das 3:1 markierte und den Schlusspunkt setzte. „Da hatten wir einen, der die Dinger vorne reinmacht“, erzählt Norbert Elgert und landet bei diesem Satz kurz in der Gegenwart, der wegen der Corona-Pandemie unterbrochenen Saison 2019/20. „Unser bester Torschütze ist Innenverteidiger Malick Thiaw“, sagt er. Mit acht Treffern.

Die zahlreichen Tore Felix Schröters seien aber auch ein Verdienst der Mannschaft gewesen, meint Norbert Elgert. „Er hat sich die Vorlagen ja nicht selbst gegeben“, sagt er. „Es geht nicht um einen Fuß oder um zwei Füße. Es sind immer 22, die dazugehören.“ Dennoch bleiben Thilo Kehrer, Leroy Sané und Felix Schröter in etwas intensiverer Erinnerung als andere. „Das waren schon“, sagt der Schalker Meister-Trainer, „zwei, drei Waffen.“

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