Schalke 04

Mentaltrainerin Goessler: Deswegen glaubt sie an Schalke 04

Schalkes Profis hören den Anweisungen von Trainer Manuel Baum zu. Die Leichtigkeit ist in der sportlichen Talfahrt verloren gegangen.

Schalkes Profis hören den Anweisungen von Trainer Manuel Baum zu. Die Leichtigkeit ist in der sportlichen Talfahrt verloren gegangen.

Foto: firo Sportphoto/Jürgen Fromme / Jürgen Fromme/firo Sportphoto

Berlin.  Die Expertin sieht bei den Königsblauen eine Mischung aus „Kopf- und Körpersache“ - und nennt Wege aus dem Dilemma.

Julia Goessler (40) schaut sich mit Interesse die Pressekonferenzen des FC Schalke 04 vor den jeweiligen Bundesliga-Spielen an. Als Expertin für Mentaltraining und Aurachirurgie achtet sie auch auf die kleinen Details. Ihr Ansatz für die seit 21 Spielen sieglosen Schalker Profis, die am Freitag (20.30 Uhr) in der Bundesliga auf den VfB Stuttgart treffen: „Es sind ganz simple Dinge, mit denen sich die Richtung ändern lässt. Ich bin überzeugt davon, dass Schalke aus der misslichen Lage herauskommt.“ Im WAZ-Interview erklärt die Expertin aus Berlin, wie das gehen kann.

Frau Goessler, sind Sie Fußball-Fan?

Julia Goessler Ich bin nicht unbedingt Fußball-Fan, aber durchaus interessiert an der Sportart. Und ich habe ein Herz für Schalke 04. Das ist ein toller Verein. Ich würde mich sogar in den Flieger setzen und runterfliegen, um zu helfen, wenn das gewünscht wäre (lacht).

Wo würden Sie bei den Schalker Spielern ansetzen?

Ich würde mit den Schalker Spielern Aurachirurgie machen. Jetzt kommt bestimmt die Frage: Was ist das?

Genau. Können Sie das bitte genauer erklären?

Die Spieler müssen in ihren Körper hineinhören. Anstatt nur mit Mentaltraining und dem Verstand zu arbeiten, damit man wieder zu Erfolgen kommt, sollte man den Körper fragen: Was brauchst du, um wieder richtig geil zu spielen? Dafür muss man die Spieler aber anleiten. Man kann nicht einfach sagen: Höre mal in deinen Körper. Denn erst, wenn wir alle Bewertungen gegenüber der Methode fallen lassen, spricht der Körper auch deutlich zu einem. Wenn man das einmal knackt, dann funktioniert das immer wieder.

Ist das ein komplizierter Prozess?

Manches ist ganz simpel. Ein Beispiel: Es kann sein, dass der Körper sagt: Ich möchte nur noch rosa Unterhosen tragen. Der erste Reflex ist bei einem normalen Fußball-Spieler voraussichtlich: Eine rosa Unterhose kann nicht die Lösung sein. Der Körper möchte aber in eine Gewinner-Energie, und genau das löst es dann aus. Mit diesem neuen Energiefeld ist es plötzlich ganz einfach, Angst und Druck in mentale Stärke umzuwandeln. Ein weiteres Beispiel: Ein Spieler möchte im Training eine Stunde Fallrückzieher machen. Das hat etwas mit Freude zu tun. Darüber kann sich neuer Spaß entwickeln. Es ist nicht so, dass alle Schalker plötzlich schlechte Spieler sind. Das ist Kopf- und Körpersache.

Also sollte Schalkes neuer Trainer Manuel Baum ergründen, was seine Spieler wirklich wollen und was sie beschäftigt?

Manuel Baum sollte sich auch die Frage stellen: Was brauche ich, um meine Spieler bei der Arbeit auf dem Platz zu verzaubern? Das geht sicherlich nicht nur ausschließlich durch Einzelgespräche. Und natürlich sollte er auf seine Profis eingehen. Die Frage ist: Was brauchen die Jungs? Wenn ein ausländischer Spieler zum Beispiel einen Konflikt mit seiner Schwester hat und der Körper ihm sagt: Löse diesen Konflikt, dann muss man ihm das ermöglichen. Dann lässt man ihn eine Woche nach Hause fliegen. Nach seiner Rückkehr spielt er dann, etwas überspitzt formuliert, wie ein Gott. Ein anderer Spieler fühlt sich vielleicht in seiner Nachbarschaft nicht wohl. Dann muss er eben einen Umzug vorantreiben, um seine Situation zu verbessern.

Sie haben gerade von „verzaubern“ gesprochen. Was gibt es da für Tricks?

Ich nenne mal eine Möglichkeit. Um aus dem normalen Trainings-Alltag auszubrechen, kommt jeder Spieler in Verkleidung zum Training. Da denken die Spieler plötzlich darüber nach, was sie sich anziehen. Und schon hat man eine ganz neue Energie, mit der man spielt.

Schalkes Torwart Ralf Fährmann hat in dieser Saison bereits einiges durchgemacht und wurde beim dritten Saisonspiel in Leipzig mit einer Adduktorenverletzung ausgewechselt. Jetzt scheint er seinen Posten an den aus Frankfurt verpflichteten Frederik Rönnow verloren zu haben. Wie kann Ralf Fährmann aus seinem Tief herauskommen?

Wenn ich ihn oberflächlich fragen würde, was er sich wünscht, dann wäre seine Antwort wahrscheinlich: Natürlich will ich so schnell wie möglich fit werden. Wenn man aber etwas tiefer reinhören würde, käme wahrscheinlich heraus, dass sein Körper einfach müde ist von dem Ganzen. Das kann man aber drehen. Was brauchst du, damit das Feuer wieder richtig brennt? Das sind vielleicht ein, zwei Dinge, die energetisch in seinem Feld sind. Es kann auch so sein, dass Ralf Fährmann und Frederik Rönnow künftig ein geniales Torwart-Team bilden. Und zwar so eines, das in der ganzen Bundesliga höchste Anerkennung findet. Man muss weg vom Entweder-oder und hin zum Das-ist-möglich.

Schafft Schalke den Klassenerhalt?

Die ersten Experten haben die Schalker schon abgeschrieben, was ich jetzt so gelesen habe. Aber davon dürfen sie sich nicht blenden lassen. Ich bin sicher, dass sie in der Fußball-Bundesliga bleiben.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben