Sportschießen

Mehr als ein bisschen peng-peng

Leila Hoffmann bekommt Tipps von Trainer Frank Pawelke.

Leila Hoffmann bekommt Tipps von Trainer Frank Pawelke.

Foto: Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bülse.  Wenn es nicht läuft, greift der Trainer ein. Auch in der Luftgewehr-Bundesliga spielt der Kopf eine entscheidende Rolle.

Der Wettkampf ist erst wenige Minuten alt, da verlässt Leila Hofmann ihren Schießstand. Bisher läuft es für die die Sportschützin des Luftgewehr-Bundesligisten BSV Buer-Bülse noch gar nicht rund. Der Start ist mit zwei Acht-Ringe-Treffern in den ersten sieben Versuchen bereits verpatzt. Standard in der Bundesliga sind nämlich zehn Ringe. Hofmann sucht daher das Gespräch mit ihrem Trainer Frank Pawelke.

Der nimmt sie in den Arm und geht mit ihr in einen abgelegenen Teil der Sporthalle am Schürenkamp. Erst redet er ihr gut zu, dann legt er sich plötzlich mit ihr auf den Hallenboden. Ein paar Sätze später stehen beide wieder, Hofmann kehrt zurück an den Schießstand, nimmt Maß und trifft. Eine zehn. „Geht doch“, sagt ihr Coach Pawelke lächelnd. Was solch manchmal etwas seltsam anmutende Methoden doch freisetzen können?

Pawelke erklärt dies mit einem einfachen Wort: Kopfsache. „Jeder Bundesliga-Schütze kann und muss theoretisch immer eine Zehn schießen. Dass er das aber auch im gesamten Wettkampf schafft, ist Kopfsache“, erklärt er. Je 40 Schüsse in 50 Minuten haben die fünf Sportler pro Wettkampf zu bewältigen. Die Idealpunktzahl von 400 wird jedoch selbst von den Besten der Welt, die in der deutschen Bundesliga aufeinandertreffen, nur sehr selten erreicht. Übrigens auch nicht bei den beiden 4:1-Siegen des BSV Buer-Bülse über die SG Mengshausen und den KKS Nordstemmen am vergangenen Wochenende, wodurch die Bülser nach dem den ersten Bundesliga-Spieltag direkt die Tabellenspitze rückten. Und das, obwohl es eigentlich den „perfekten Schuss“ gibt, wie Pawelke erklärt. „Aber um den auch wiederholen zu können, braucht es einen festen Technikablauf, den du tausendmal machen musst. Du musst dich jedes Mal zur Perfektion quälen. Im Fußball kannst du zum Beispiel aus Gut Glück aus der Ferne aufs Tor schießen. Aber wenn du solche Versuche beim Schießen machst, riskierst du, dass es keine zehn Ringe werden und du das Duell verlierst.“

Was sich schon nicht einfach anhört, sieht auch nicht einfach aus. Alle Sportschützen tragen steife Hosen und Jacken, die sich übrigens auch ohne Körper aufrecht hinstellen lassen würden. Das lange Stehen am Schießstand wird daher nicht gerade zur Wohlfühlposition. Hinzu kommt ein gerade bei Bülser Heimwettkämpfen oft immenser Lärm von den Zuschauerrängen. Und dann wäre da ja noch der Gegner, der durch Psychospielchen und möglichst schnelles Schießen versucht, Druck auf seinen direkten Kontrahenten auszuüben. Pawelke verbietet es sich daher, mit Schützen in grünen Anzügen verglichen zu werden, die sich aus Spaß zum einige Male treffen und beim Schützenfest allesamt den Vogel abschießen wollen. „Wir sind keine Schützen, sondern Sportschützen. Für uns ist das ein Leistungssport“, betont er.

Süßes oder Saures

Entsprechend beinhaltet auch die Vorbereitung auf Wettkämpfe mehr als nur ein bisschen „peng, peng“. Die Kabine, in der Pawelke seine Schützlinge 1,5 Stunden vor Beginn versammelt, ist meist mit Obst, Süßigkeiten oder anderen Snacks gefüllt. „Bevor ich einige Sätze dazu sagen, worauf jeder zu achten hat, bereiten sich alle individuell auf den Wettkampf vor. Die eine isst dabei eine Banane, der andere braucht Süßigkeiten, um seinen Zuckerspiegel hochzuhalten. Wieder andere hören Musik“, berichtet er.

Doch nicht nur in Sachen Verpflegung gibt es die Möglichkeiten Süßes oder Saures. Auch in der Analyse kann Pawelke zwischen beiden Arten wählen. „Sportschützen sind sehr unterschiedlich. Du musst mit jedem anders umgehen. Während die eine vielleicht einfach etwas Zuspruch und Selbstbewusstsein braucht, kann dem anderen auch mal eher ein Tritt in den Allerwertesten helfen“, erläutert Pawelke das hohe Maß an individueller Förderung, das den Trainerjob für ihn so interessant mache. Im Falle von Leila Hofmann war es eher Ersteres. „Leila musste mal kurz raus aus der Situation und an ihre Stärken erinnert werden“, sagt Pawelke. „Verrückte Ideen“, überlege er sich in solchen Fällen gerne. Die Baucheinlage war eine davon.

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