Klasse-Judo nach zähem Start

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100-Kilo-Sieger Valentin Knobloch beantwortet die Frage, ob er 2008 für den JC Koriouchi kämpfen werde, mit zwei Worten: "Kein Kommentar." Christophe Lambert triumphiert wieder in der 81-Kilo-Klasse

JUDO MASTERS-OPEN-TURNIER Es hat sicherlich schon aufregendere Masters-Open-Turniere beim Judo-Club Koriouchi Gelsenkirchen gegeben. Ganz, ganz lange dauerte es bei der 17. Auflage in der Schürenkamp-Halle, bis die Kämpfer die Langeweile beendeten und das präsentierten, was diesen Sport so faszinierend macht: tolle, schnelle Aktionen, die Beifall auslösen. Zuvor war schon geflachst worden, dass es Klasse an diesem Tag nur am Büfett in der VIP-Lounge gebe.

Ein Beweis dafür, dass die Judo-Klasse fehlte, war die 81-Kilo-Konkurrenz. Christophe Lambert, der für die Sport-Union Annen in der 1. Bundesliga kämpft, musste viel weniger aufbringen als bei seinem Sieg 2005. Von einem Spaziergang wollte der Halbmittelgewichtler aber auch nicht sprechen. "Locker ist es nie, das ist mir schon oft bitter klargeworden", sagte der 22-jährige Medizin-Student. Allerdings sei bei seinen fünf Kämpfen nicht einer dabei gewesen, bei dem es nicht gelaufen sei.

Fünfmal setzte sich der Bronze-Gewinner der U-23-EM vorzeitig durch. Sozusagen im Sinne des Erfinders. Dabei fiel dem Beobachter auf, dass Christophe Lambert nur einmal einen Gegner hatte, der sich halbwegs auf Judo-Augenhöhe befand. Im Halbfinale, in dem er sogar zurückgelegen hatte, brauchte er 3:15 Minuten, um den sechsmaligen Schweizer Meister Micha Egger mit einem Talfallzug (Tani-o-toshi) zu besiegen.

Kurzen Prozess machte Christophe Lambert im Finale gegen Patrick Schweitzer. Nur 30 Sekunden brauchte er, um sich per Abtauch-Technik durchzusetzen. Zu langsam, um sich neben der 1000-Euro-Prämie für Platz eins auch die 500 Euro für den TÜV-Nord-Sonderpreis zu sichern, für den schnellsten Sieg in den Kämpfen, in denen es ums Preisgeld ging. Dennoch: Eine Verwendung für die 1000 Euro hat er schon. Im Januar will er seine Freundin für zwei Wochen in den USA besuchen.

Weil er im Finale des Halbleichtgewichts (66 kg) nur neun Sekunden benötigte, um Militär-Weltmeister Adrian Kulisch mit einem Schenkelwurf aufs Kreuz zu legen, war der EM-Dritte von 2005, Aliaksandr Shlyk aus Weißrussland, der Top-Verdiener des Abends: 1500 Euro. Der Endkampf war übrigens die Neuauflage des Pool-Kampfes. Den hatte Adrian Kulisch, der sich Hoffnungen macht, Deutschland in der 66-Kilo-Klasse bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking zu vertreten, mit einer kleinen Wertung ("Koka") gewonnen.

Dass Valentin Knobloch, der beim TSV Bayer 04 Leverkusen ein Mann für gleich drei Gewichtsklassen ist, mit seinen 90, 91 Kilo das 100-Kilo-Turnier gewann, war keine Überraschung. Nur sechs Starter waren im Halbschwergewicht am Start, und Koriouchi-Präsident Reinhard Woelk ärgerte sich auch über fünf kurzfristige Absagen, die dazu führten, dass nur 28 Kämpfer in Gelsenkirchen waren.

Auch Valentin Knobloch hätte es sich gewünscht, "wenn es ein bisschen schneller gegangen wäre". Das änderte aber nichts daran, dass er seine vier Kämpfe alle vorzeitig für sich entschied. Bei seinem Final-Sieg legte er wie schon in seinem ersten Pool-Kampf Murat Palm vom Regionalligisten JC RBS Leipzig aufs Kreuz. Nachdem er für einen Kopfwurf (Tomoe-nage) eine große Wertung ("Waza-ari") erhalten hatte, ging er sofort in den Haltegriff über und setzte sich durch. Murat Palm war von seinem anstrengenden Halbfinal-Erfolg noch platt. "Das wusste ich", sagte Valentin Knobloch, "und das habe ich ausgenutzt."

Viel interessanter ist aber die Frage, wo der DM-Zweite der 90-Kilo-Klasse in der neuen Saison kämpfen wird. Für den JC Koriouchi Gelsenkirchen, dessen Interesse ja kein Geheimnis ist? Der 27-Jährige lächelte und sagte: "Kein Kommentar." Koriouchi-Chef Reinhard Woelk lächelte auch und sagte: "Gut so, Valentin."

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