Fußball Oberliga Niederrhein

Hombergs Trainer Stefan Janßen erklärt sein Erfolgsrezept

Stefan Janßen, wohnhaft in Gelsenkirchen, steht mit dem VfB Homberg an der Tabellenspitze der Oberliga Niederrhein.

Stefan Janßen, wohnhaft in Gelsenkirchen, steht mit dem VfB Homberg an der Tabellenspitze der Oberliga Niederrhein.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Gelsenkirchen.   Ein Gelsenkirchener ist Trainer des Jahres in Duisburg, Stefan Janßen ist Trainer des VfB Homberg. Sein Team steht an der Spitze der Oberliga NR.

Der in Bismarck wohnende Stefan Janßen ist nach 2016 zum zweiten Mal zum Trainer des Jahres in Duisburg gewählt worden. Eine tolle Auszeichnung für den 48-Jährigen, der mit dem VfB Homberg die Tabelle der Fußball-Oberliga Niederrhein anführt und früher in seiner aktiven Zeit auch für die Amateure des FC Schalke 04 spielte. Die WAZ unterhielt sich mit dem bekennenden Fan des MSV Duisburg.

Herr Janßen, herzlichen Glückwunsch zu Ihrer Auszeichnung. Was bedeutet Ihnen die Wahl?

Stefan Janßen: Sehr viel. Das ist der beste Titel, den ich als Amateurtrainer erreichen kann. Meine Familie kommt aus Duisburg, ich bin dort aufgewachsen und arbeite seit 1986 für die Stadtverwaltung. Alles, was Rang und Namen hat in Duisburg, war bei der Preisverleihung im Theater am Marientor anwesend. Das hat mich stolz und glücklich gemacht.

Was empfinden Sie beim Anblick des Pokals, den Sie erhalten haben?

Da steht zwar Stefan Janßen drauf, aber da ist der VfB Homberg drin. Ohne das Team, und damit meine ich nicht nur die Spieler, sondern das gesamte Funktionsteam, ist ein Trainer nicht viel wert. Ich habe diesen Titel stellvertretend für das gesamte Team entgegengenommen.

Freuen Sie sich schon auf das Duell des VfB Homberg gegen die U23 des FC Schalke 04 im kommenden Jahr?

Ja klar. Wir bestreiten im Januar im Rahmen der Winter-Vorbereitung ein Testspiel gegeneinander.

Das meinte ich nicht. Sondern: Freuen Sie sich auf das Meisterschaftsspiel in der kommenden Regionalliga-West-Saison – Homberg als Aufsteiger vom Niederrhein, Schalke als Meister aus Westfalen.

So weit im Voraus plane ich nicht. Wir werden als Tabellenführer in die Winterpause gehen, sind uns aber auch bewusst, dass wir im neuen Jahr noch viele Spiele zu absolvieren haben. Wir sind seit dem 6. Februar 2018, seit der 1:2-Niederlage in Baumberg, ungeschlagen. Das ist eine wahnsinnige Serie, die ich in dieser Form am Niederrhein noch nicht erlebt habe. Wir sind jetzt die Gejagten, jeder will uns besiegen.

Wie ist der Höhenflug des VfB Homberg zu erklären, was zeichnet diesen Verein aus?

Erfolg ist stets das Produkt harter Arbeit. Der Verein ist gut geführt, die Verantwortlichen stehen für Ehrlichkeit und Geradlinigkeit. Die Mannschaft besteht aus Spielern mit einem guten Charakter. Die Spieler, die seit meiner Verpflichtung vor dreieinhalb Jahren zum VfB Homberg gestoßen sind, sind zu den neuen Gesichtern des Vereins geworden. Wir sind stets auf dem Boden geblieben und machen einen Schritt nach dem anderen.

Was ist das Besondere am Trainer Stefan Janßen, was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Es ist schwer, sich selbst zu beurteilen. Da müssen Sie besser die Spieler fragen …

Was würden die Spieler denn wohl antworten?

Dass ich authentisch bin, dass ich für bestimmte Werte im Fußball stehe. Ich glaube, meine große Stärke ist, dass ich vorlebe, was ich vorgebe. Ich gehe vorweg, führe den Zug an. Die Mannschaft darf auch verlieren. Das akzeptiere ich, wenn sie alles gegeben hat. Meine Spieler wissen, dass ich für sie durchs Feuer gehe, wenn sie alles für den Erfolg tun.

Sie haben bis Juni 2017 nebenbei zwölf Jahre lang den 1998er Jahrgang von Westfalia 04 Gelsenkirchen trainiert. Vermissen Sie die Arbeit im Nachwuchsbereich gar nicht?

Ja und nein. Die 98er sind meine Mannschaft gewesen, nicht nur, weil mein Sohn Justin da mitgespielt hat. Ich habe die Spieler als Kinder übernommen und sie als Männer entlassen. Wir hatten unwahrscheinlich schöne Erlebnisse, aber mit dem Abstand von eineinhalb Jahren frage ich mich manchmal: Wie habe ich es neben Familie und Beruf eigentlich zeitlich geschafft, zwei Mannschaften gleichzeitig zu trainieren? Ich würde es in dieser Form nicht mehr tun.

Was ist von diesen zwölf Jahren hängen geblieben?

Die Jungs, die mit mir den Weg bei Westfalia 04 gegangen sind, können mich jederzeit anrufen und mich um Hilfe bitten. Wenn einer nachts auf der Autobahn liegen bleibt, dann hole ich ihn ab. Da sind Verbindungen entstanden, die ewig halten werden.

Warum haben Sie eigentlich nie eine Herren-Mannschaft in Gelsenkirchen trainiert?

Das hat sich nie so ergeben, obwohl ich ja immer präsent war in Gelsenkirchen. Es kam nie die richtige Anfrage zu richtigen Zeit. Aber so bemerkenswert finde ich das gar nicht. Die meiste Zeit als Spieler habe ich ja auch am Niederrhein und nicht in Westfalen verbracht.

Was muss passieren, um Sie als Trainer in die Stadt zu locken, in der Sie wohnen?

Norbert Elgert müsste mich als Co-Trainer der Schalker U19 brauchen, dann komme ich. Er ist für mich einer der besten Jugendtrainer weltweit. Ich durfte einige Male als Trainer der U19 von RW Oberhausen gegen ihn und seine Schalker Mannschaft antreten. Die Art und Weise, wie er mit seinen Jungs umgeht, hat mir immer sehr imponiert. Aber grundsätzlich muss ich sagen: Ich fühle mich beim VfB Homberg sehr wohl und habe nicht vor, mich zu verändern.

Welche Ambitionen haben Sie als Trainer? Könnte der Profi-Fußball mal ein Thema werden?

Bei allen Träumereien, die man hat, muss man auch Realist bleiben. Ich bin A-Lizenz-Inhaber, mir fehlt die Fußball-Lehrer-Lizenz. Der Profi-Fußball ist wunderschön, aber die Regionalliga dürfte für mich als Trainer das Höchste der Gefühle sein. Vor den Trainern, die im Profi-Fußball tätig sind, habe ich Hochachtung. Sie leisten richtig gute Arbeit. Aber auch hier gilt wie in vielen Bereichen des Lebens: Wer hoch fliegt, kann auch tief fallen. Ich lasse für mich nicht zu, dass ich zu hoch fliege.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben