„Die Champions League ist das Abitur“

Gelsenkirchen.   Die rund 300 Besucher der Feierstunde im Forum der Gesamtschule Berger Feld müssen lachen, als auf der Leinwand über der großen Bühne ein Video von Max Meyer abgespielt wird. Der Schalker Mittelfeldspieler ist einer von über 30 Ehemaligen, die die Schule besucht haben und für die sich der Traum vom Profifußball erfüllt hat.

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Die rund 300 Besucher der Feierstunde im Forum der Gesamtschule Berger Feld müssen lachen, als auf der Leinwand über der großen Bühne ein Video von Max Meyer abgespielt wird. Der Schalker Mittelfeldspieler ist einer von über 30 Ehemaligen, die die Schule besucht haben und für die sich der Traum vom Profifußball erfüllt hat.

„Ich bin immer gerne zur Schule gegangen“, sagt Max Meyer in seinem Videogruß. Sein Blick und seine Stimmlage lassen allerdings eher darauf schließen, dass es doch eher die Sommerferien oder das Vormittagstraining waren, die er bevorzugt hat. Dennoch: Max Meyer hat die Gesamtschule Berger Feld im Sommer 2013 mit der Fachoberschulreife abgeschlossen und ist somit Teil einer Erfolgsgeschichte.

Zusammenarbeit seit 1992

Seit über zehn Jahren schon ist die Gesamtschule Berger Feld eine Eliteschule des Deutschen Fußball-Bundes — das muss gefeiert werden. Doppelpass spielen die Schule und der FC Schalke 04 aber schon deutlich länger. Der ehemalige Schulleiter Georg Altenkamp klopfte bereits 1992 beim FC Schalke 04 an. Sowohl die Schule als auch Schalke seien etwas in Schieflage geraten, da kam eine Kooperation gerade recht.

Spielmacher neben Georg Altenkamp war Bodo Menze, der Anfang der 90-er Jugendleiter bei den Königsblauen wurde. Als beide zu Beginn der Feierstunde am Dienstagvormittag auf die Bühne gebeten wurde, lief nicht zufällig der alte Franz-Beckenbauer-Hit „Gute Freunde kann niemand trennen“.

Menze und Altenkamp erarbeiteten ein Konzept, durch das die Gesamtschule Berger Feld peu a peu zu der Schule wurde, die sie seit zehn Jahren ist: eine Eliteschule des Fußballs. Das Konzept sah und sieht immer noch vor, talentierte Sportler in erster Linie zu „guten Menschen“ auszubilden. Sie dahingehend zu fördern, dass sie auch ohne Profifußball im Leben bestehen können. Denn eines ist klar: Der große Traum, gleich nebenan in der Arena aufzulaufen, erfüllt sich nur für die wenigsten Schüler. „Wir möchten ihnen eine Ausbildung geben, die über die Schulfächer hinausgeht“, betont Altenkamp.

Ein wesentlicher Meilenstein war die Einführung des Vormittagstrainings. Dreimal pro Woche geht es für die Teilnehmer des Fußballprojekts in der fünften und sechsten Unterrichtsstunde auf den Fußballplatz. Geleitet werden die Einheiten von den Schalker Jugendtrainern. Unterteilt sind die Gruppen nach den Sekundarstufen I und II. Verpasste Unterrichtsstunden werden nachgeholt. In der Regel nachmittags in kleinen Gruppen. Wenn andere Schüler bereits frei haben, pauken die Fußballer noch.

Viele Lehrer sind in das Fußballprojekt, an dem in diesem Schuljahr insgesamt 41 Schüler teilnehmen, eingebunden. Es dauerte allerdings eine Weile, bis auch das Kollegium hinter dem Konzept stand, das in Deutschland in dieser Form einzigartig ist.

Bodo Menzes Augen leuchten, als er erwähnt, dass bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien sechs Spieler dabei waren, die die Gesamtschule Berger Feld besucht haben. Joel Matip spielte für Kamerun, Sead Kolasinac für Bosnien-Herzegowina. Manuel Neuer, Mesut Özil, Julian Draxler und Benedikt Höwedes wurden mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister.

Im Krankenbett in den Klassenraum

Verein und Schule kennen kaum Grenzen, wenn es darum geht, Sport und Schule in Einklang zu bringen. So schrieb Julian Draxler eine Französischklausur zu Hause beim Schulleiter nach, weil er zuvor mit der Junioren-Nationalmannschaft unterwegs war. „Es hat ihm nicht geschadet“, sagt Jochen Herrmann, den Moderator Thomas Michel als „Sportlichen Leiter“ der Gesamtschule bezeichnet. Heute spielt der ehemalige Schalker beim Spitzenklub Paris St. Germain in Frankreich. Als Ralf Fährmann eine schwere Verletzung am Hüftbeuger hatte und keinen Meter laufen durfte, wurde er im Krankenbett in den Klassenraum geschoben. „Ich habe euch viel zu verdanken. Die Schule ist perfekt, um Training und Schulausbildung unter einen Hut zu bringen“, sagte der Schalker Mannschaftskapitän per Videobotschaft.

„Die Schule ist für uns das Wichtigste“, betonte Mathias Schober, Leiter der Knappenschmiede und gewährte Einblicke in die Zusammenarbeit mit der Gesamtschule. Es sei üblich, dass die Trainer die Zeugnisse der Spieler ansehen. Sollten Tendenzen nach unten erkennbar sein, werden Gespräche geführt. Schober stellt klar: „Die Champions League ist das Abitur.“

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