Fussball

Der Trainer, der zwei Teams gleichzeitig mit Erfolg betreut

Immer voller Einsatz, auch am Spielfeldrand: Trainer Stefan Janßen sagt über sich, dass er keine halben Sache mag.

Immer voller Einsatz, auch am Spielfeldrand: Trainer Stefan Janßen sagt über sich, dass er keine halben Sache mag.

Foto: Michael Gohl

Gelsenkirchen.   Stefan Janßen geht im Fußball keinem Stress aus dem Weg. Der 46-Jährige betreut zwei Mannschaften gleichzeitig. Mit beiden ist er aufgestiegen.

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Stefan Janßen reichen drei Wörter, um sein Fußball-Jahr 2016 zu beschreiben: „Der totale Wahnsinn.“ Was auch immer er in den vergangenen zwölf Monaten anpackte, es war von Erfolg gekrönt. Und das doppelt: einmal in Gelsenkirchen und einmal in Duisburg. Der 46-Jährige ist nicht nur der Trainer der A-Junioren von Westfalia 04, sondern auch der ersten Herren-Mannschaft des VfB Homberg.

Es ist schon ein Kunststück, beide Aufgaben zeitlich unter einen Hut zu bringen. Umso bemerkenswerter ist es deshalb, dass er mit beiden Teams im vergangenen Sommer den Aufstieg feiern durfte. Mit Westfalia 04 stieg er von der Kreisliga A in die Bezirksliga auf und mit den Hombergern von der Landesliga in die Oberliga Niederrhein. Aber damit nicht genug. In Duisburg wurde er zum Trainer des Jahres gekürt.

„Ich bin stolz auf das, was meine Mannschaften erreicht haben“, betont Stefan Janßen. „Gleichzeitig bin ich auch etwas traurig. Schade, dass dieses wahnsinnige Jahr vorbei ist. Es war das erfolgreichste meiner bisherigen Trainer-Karriere.“ Er sagt das, obwohl er auch schon mit der U19 von RW Oberhausen in die Bundesliga aufgestiegen ist.

Die Basis, dass auch 2017 erfolgreich wird, ist gelegt. Zwar wird es wohl keinen weiteren Aufstieg zu feiern geben, aber Westfalia 04 und auch der VfB Homberg halten sich in ihren neuen Spielklassen prächtig. Die A-Junioren von Westfalia 04 überwintern in der Bezirksliga nach anfänglichen Schwierigkeiten an vierter Stelle, die Oberliga-Kicker des VfB Homberg sind Siebter.

Die Doppelbelastung nimmt Stefan Janßen seit einigen Jahren auf sich. „Natürlich ist das Stress“, gibt er zu. „Aber diesen Stress nehme ich auf mich, ich bin hoch motiviert.“

Stressig ist das alles schon alleine deshalb, weil der ehemalige Rechtsverteidiger auch noch einem Beruf nachgeht. Er leitet den Außendienst beim Ordnungsamt der Stadt Duisburg. „Dass ich Gleitzeit habe, ist ein großer Vorteil“, sagt er. „Aber das alles geht nur, weil mich meine Familie zu 100 Prozent unterstützt.“

Mit seiner Tanja hat er eine Ehefrau, die selbst Sport treibt als Mittel- und Langstrecklerin beim SuS Schalke 96. „Vom ersten Tag meine Traumfrau“, wie Stefan Janßen betont. „Sie hat mich als Fußballer kennengelernt und ist es gar nicht anders gewohnt.“

Auch die Arbeit im Nachwuchsbereich bei Westfalia 04 ist eine Herzensangelegenheit für ihn. „Der Fußball hat mir so viel gegeben“, sagt der in Bismarck wohnende Familienvater. „Es ist mir deshalb wichtig, an der Basis etwas zurückzugeben.“ An Westfalia 04 schätzt er vor allem das Familiäre. „Das ist ein Verdienst der Familie Moczarski, die sich seit gefühlt 50 Jahren für die Belange des Klubs einsetzt.“

Stefan Janßen coacht den 1998-Jahrgang von Westfalia 04 bereits in der zwölften Saison. Er weiß noch genau, wie es anfing. „Ich wurde gefragt, ob ich aushelfen könnte, und auf einmal stand ich alleine mit den Jungs da“, erzählt er. „Aber wenn ich etwas anpacke, dann richtig.“

Die Erfolge heftet er sich aber nicht alleine ans Revers. „Ich bin ein absoluter Team-Player. Dass wir mit den A-Junioren überkreislich spielen dürfen, ist eine Wahnsinnserfahrung für einen so kleinen Verein wie Westfalia 04“, sagt der gebürtige Duisburger.„Als Trainer ist man nie alleine verantwortlich für den Erfolg“, fügt er hinzu. „Mit Wolfgang Hoch habe ich einen Co-Trainer, der mit Leidenschaft und Herzblut dabei ist. Und mit Christian Schubert haben wir einen Mannschaftsbetreuer, der sich um alles kümmert.“

Von den Spielern, die er am Anfang unter seinen Fittichen hatte, sind sein Sohn Justin sowie Florian Bappert („Mein ewiger Kapitän“) immer noch mit dabei. „Ich habe die meisten Spieler kennengelernt, als sie noch kleine Kinder waren. Und wenn sie im kommenden Sommer den Nachwuchsbereich aus Altersgründen verlassen müssen, verabschiede ich mich von Männern.“

Am 11. Juni 2017 wird das sein. Dann steht der letzte Spieltag in der A-Junioren-Bezirksliga auf dem Programm. „Wir werden an diesem Tag eine Riesensause machen“, kündigt Stefan Janßen an. „Wir feiern dann unseren Klassenerhalt und meinen Abschied.“ Denn danach wird er sich fußballerisch auf den VfB Homburg konzentrieren.

Aber vorher will Stefan Janßen mithelfen, dass möglichst viele seiner Spieler den Sprung in die erste Mannschaft von Westfalia 04 schaffen. Nicht jeder wird den Sprung schaffen, aber alle nehmen ein Stück von Stefan Janßens Erfahrung mit auf den Lebensweg. Sätze wie: „Man erreicht durch Team-Arbeit eine ganze Menge. Nicht nur im Fußball.“ Stefan Janßen wird Spuren hinterlassen, wenn er sich im Sommer vom Bismarcker Trinenkamp verabschiedet.

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