WAZ-Interview

Das Finale wäre für Frank Pawelke nett, ist aber kein Muss

Neuer Mann beim BSV Buer-Bülse für die Spitzenposition: der Niederländer Peter Hellenbrand. 

Neuer Mann beim BSV Buer-Bülse für die Spitzenposition: der Niederländer Peter Hellenbrand. 

Foto: Sergei Bobylevvia / imago

Bülse.  Der vierte Nord-Meistertitel in Folge ist für den Luftgewehr-Bundesligisten BSV Buer-Bülse in der am Samstag startenden Saison kein Thema.

Hinter dem Luftgewehr-Bundesligisten BSV Buer-Bülse liegt eine ereignisreiche Sommerpause. Spitzenschütze Istvan Peni sowie Robin Zissel und Bastian Blos verließen den Verein, dafür sind mit Peter Hellenbrand, Patricia Seipel, Tobias Schmal und Patrik Jany gleich vier neue Gesichter hinzugekommen. Der Nord-Meistertitel sei deshalb wohl nicht zu wiederholen, sagt Trainer Frank Pawelke im WAZ-Interview. Doch der 34-Jährige warnt die Konkurrenz davor, seine Truppe vor dem Saisonstart am Wochenende in der Sporthalle am Schürenkamp (Samstag 18 Uhr, Sonntag 13 Uhr) zu unterschätzen.

Herr Pawelke, wie haben Sie die bundesligafreie Zeit verbracht?

Frank Pawelke: Ich habe viel mit meiner Familie unternommen. Aber durch die vielen weiteren Turniere lässt einen das Schießen natürlich nicht los. Zumal die Sommerpause in Sachen Saisonvorbereitung ziemlich turbulent war.

Inwiefern?

Wir hatten Abgänge, die uns sehr wehgetan haben, und mussten daher einen Umbruch vollziehen. Wir sind zu unseren Wurzeln zurückgekehrt und haben nur noch Leute, die voll hinter dem Verein stehen. Wenn das Geld oder der Trainer des Nationalkaders rufen, geht man halt weg. Andere Vereine können dadurch bei Transfers natürlich mehr Druck ausüben. Bei uns läuft das anders: Wir kommen mehr über Leidenschaft. Die Leute, die jetzt noch da sind, hatten auch andere Angebote von Klubs, die uns wegen unserer Abgänge schon abgeschrieben hatten. Aber sie sind trotzdem geblieben.

Glauben Sie denn, dass das Leistungsvermögen durch die Abgänge beispielsweise von Istvan Peni geringer geworden ist?

Natürlich haben wir mit Istvan jemanden verloren, der weit oben in der Weltrangliste steht und ein Weltstar in der Szene geworden ist. Klar, unser Neuzugang Peter Hellenbrand aus Holland hat dieses Ansehen nicht. Aber er hat schon mit dem Team den deutschen Meistertitel geholt, ist bei Olympia Fünfter gewo­rden und bringt dadurch viel Erfahrung mit. Außerdem haben wir mit Patrick Jany einen Welt­cup-Dritte­n geholt, der gerade ähnlich wie Istvan vor einigen Jahren auf einem aufsteigenden Ast ist. Wir haben eine bundesligaerfahrene Truppe und werden die Abgänge mit mannschaftlicher Geschlossenheit auffangen.

In den vergangenen drei Jahren wurde Ihr Team jeweils Norddeutscher Meister. Wie sehen Sie die Chancen in dieser Saison?

Ich glaube nicht, dass wir wieder Nordmeister werden. Dafür waren die Abgänge zu schmerzhaft. Aber wir können unter den besten Fünf landen. Für uns ist es eine Umbruchsaison, die Finalrunde wäre ganz nett, ist aber kein Muss. Allerdings müssen wir uns vor niemandem verstecken. Wir wollen es vor allem den Klubs zeigen, die uns schon abgeschrieben hatten. Darauf haben alle richtig Bock.

Blicken wir noch einmal kurz zurück auf das Viertelfinal-Aus bei der Finalrunde der vergangenen Saison. Was lief damals falsch?

Das hört sich jetzt zwar blöd an, aber letztlich war der Gegner zu gut. Er hat über seinen Verhältnissen und wir haben minimal unter unseren geschossen. Wir haben leider nicht einhundert Prozent abrufen können. Das war merkwürdig, weil wir in der Saison am Ende der Partien immer richtig Gas gegeben haben und mental stark waren. Warum das bei der Finalrunde nicht so gut geklappt hat, weiß ich auch nicht. Aber das ist jetzt abgehakt.

Dann werfen wir doch schon mal einen Blick voraus auf den ersten Spieltag am Wochenende. SG Mengshausen und KKS Nordstemmen heißen die Gegner. Was rechnen Sie sich für diese Auftaktduelle aus?

Das sind richtungweisende Partien, denn es sind jeweils nicht die stärksten Teams. Es wäre ärgerlich, wenn wir da Punkte abgäben. Aber am ersten Wochenende weiß man nie, wie gut man reinkommt. Trotzdem will ich da jeweils gewinnen.

Was macht den Klub in der Bundesliga so besonders?

Bei uns bekommt man die Sicherheit, dass man einfach schießen kann. Das ist Kopfsache. Schießen können sie alle, aber es muss vom Gefühl her passen. Wir kümmern uns um jeden Einzelnen, die Schützen fühlen sich wohl. Wir haben nicht die Fülle an Nationalkader-Schützen und zahlen auch kein Geld, sondern kommen über das Team. Ein Beispiel: Bei Wettbewerben sitzen die Schützen der einzelnen Vereine oft weit verstreut in der Halle. Uns sieht man immer nur auf einem Haufen. Daher müssen die Neuen auch gut zu uns passen. Diese Philosophie hat in den vergangenen drei Jahren sehr gut geklappt.

Welche Rolle spielen bei dieser einzigartigen Atmosphäre die Fans?

Wenn in der Halle „Steht auf, wenn ihr Bülser seid“ erklingt, bekomme ich Gänsehaut. Für uns gehört die enge Bindung zu den Fans dazu. Wir waren beispielsweise auch auf dem Schützenfest und haben gemeinsam mit ihnen getrunken. Nach dem Finale haben wir in einer Schützenbaude mit über 100 Leuten gefeiert. Da sieht man, wie eng der Draht zwischen Schützen und Fans ist. Auch bei den Finalrunden sind unsere Fans immer die lautesten, diese Unterstützung ist einfach geil. Wir haben definitiv die besten Fans.

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