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Darum läuft es für Asamoah und die Schalker U23 viel besser

Gerald Asamoah hat derzeit gut lachen. Die Schalker U23 steht an der Tabellenspitze.

Foto: Sebastian Konopka

Gerald Asamoah hat derzeit gut lachen. Die Schalker U23 steht an der Tabellenspitze.

Gelsenkirchen.   Im Interview erklärt Schalkes U23-Manager Gerald Asamoah an welchen Stellschrauben er nach der schlechten vergangenen Oberliga-Saison gedreht hat

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Spitzenreiter! Die U23 des FC Schalke 04 steht nach fünf Spieltagen da, wo sie auch nach dem letzten Spieltag stehen will. Ganz oben. Nach einer enttäuschenden vergangenen Saison, die die Königsblauen auf Rang sechs der Oberliga beendet haben, soll der Aufstieg zurück in die Regionalliga im zweiten Anlauf gelingen. Dafür hat U23-Manager Gerald Asamoah (39) sein Team kräftig umgebaut. Im Interview spricht der ehemalige S04-Publikumsliebling über die Unterschiede zur vergangenen Saison, Trainer Torsten Fröhling und die Zusammenarbeit mit Peter Knäbel.

Herr Asamoah, haben Sie aus der vergangenen Saison die richtigen Schlüsse gezogen?

Asamoah: Ich habe mir zumindest viele Gedanken gemacht, was wir verändern müssen. Der Druck, unbedingt direkt aufsteigen zu müssen, war vielleicht zu groß – obwohl die Jungs fußballerisch richtig gut waren. Für mich war wichtig, dass wir in dieser Saison mit einer Mannschaft an den Start gehen, die die Liga kennt. Vor allem mit Führungsspielern, die schon Erfahrung in der Oberliga haben, die wissen, worauf es ankommt und die den jungen Spielern helfen. Spieler, die nicht nur den großen Traum haben, in der Arena zu spielen, sondern ihre Aufgabe bei uns genau kennen. Philip Fontein, der aus Rheine kam, oder unser Kapitän Christian Eggert sind genau solche Spieler.

Wie wichtig ist Trainer Torsten Fröhling für die Mannschaft?

Torsten hat sowohl im Jugendbereich als auch im Profibereich gearbeitet, er versteht die Jungs. Wir haben drei Facetten von Spielern, denen der Trainer gerecht werden muss. Wir haben Spieler, die damit abgeschlossen haben, Profifußballer zu werden. Wir haben Spieler, die davon träumen, Profi zu werden. Und wir haben Spieler, die überlegen, ob sie es wagen sollen, weiterhin hauptberuflich Fußball zu spielen. Nach meinem ersten Gespräch mit Torsten wusste ich, dass er der richtige Trainer für diese Mannschaft sein kann.

Welche Rolle spielt Peter Knäbel, Schalkes Technischer Direktor Entwicklung, für Sie und für die U23?

Peter Knäbel ist mein Chef. Ich bin sehr froh, dass er da ist. Er ist mein direkter Ansprechpartner und mit ihm kann ich mich jederzeit austauschen. Er interessiert sich sehr für die U23. Ich spüre die Wertschätzung, er ist bei fast jedem Spiel dabei. Ich habe das Gefühl, jemanden zu haben, der mich beobachtet, mich aber nicht bevormundet. Er will mir helfen. Außerdem kann ich von seiner Erfahrung nur profitieren. Ich möchte jeden Tag dazulernen.

Aber die Entscheidungen treffen Sie?

Ja, die Entscheidungen für die U23 treffe ich. Aber natürlich ist auch Peter Knäbel in meine Entscheidungen involviert. Genauso wie unsere Scouts und das gesamte Trainerteam.

Haben Sie Ihre Mannschaft schon mit Blick auf die Rückkehr in die Regionalliga zusammengestellt?

In der Oberliga wird ein ganz anderer Fußball gespielt als in der Regionalliga, deshalb war es unser Ziel, eine Mannschaft zusammenzustellen, die den Aufstieg schaffen kann. Trotzdem bin ich sicher, dass so gut wie jeder Spieler auch in der Regionalliga bestehen würde. Auch wir als Mannschaft.

Wie zufrieden sind Sie mit den Spielern, die in der vergangenen Saison noch in der U19 gespielt haben?

Sehr zufrieden. Für mich ist wichtig zu sehen, wie die Jungs ihre Situation annehmen. Sie kommen aus der U19-Bundesliga und wollen unbedingt Profi werden. Dann landen sie aber in der U23. Es ist klar, dass sie erstmal enttäuscht sind, das sollen sie auch sein. Aber dann ist es wichtig, zu verstehen, dass der Traum vom Profifußball nicht vorbei ist. Sie müssen begreifen, dass sie sich nicht hängen lassen dürfen, sondern nach dem Motto ‘Jetzt erst recht’ aufstehen und angreifen. Das beste Beispiel für mich ist Jannis Kübler.

Wieso?

Ich bin ehrlich. Ich war anfangs unsicher, ob er seine Rolle in der U23 mit voller Überzeugung annehmen würde. Aber er hat mich eines Besseren belehrt. Wie er seit der ersten Trainingseinheit auftritt, ist grandios. Er ist ein echter Profi, weil er seinem Traum, Profi zu werden, eben alles andere unterordnet. Er zerreißt sich auch für die U23. Am Sonntag gegen Haltern hat er nicht gespielt. Sie hätten mal seine Reaktion am Montag im Training sehen müssen...

Verteidiger George Timotheou hat am Dienstag bei den Profis trainiert.

Das ist ein wichtiges Signal. Die Jungs merken, dass wir nicht die U23 sind, die niemanden interessiert. Nein, wir sind die U23, die dafür belohnt wird, wenn sie Leistung bringt. Als George im Sommer aus Australien zu uns kam, hat niemand damit gerechnet, dass er ein paar Wochen später bei den Profis mittrainieren darf. Und George ist ja nicht der einzige Spieler, der schon bei den Profis mittrainiert hat. Darauf sind wir stolz. Das ist auch Wertschätzung für unsere Arbeit. Wenn wir es schaffen würden, einen Spieler hochzubringen, der sich bei den Profis etabliert, wäre das noch wichtiger als der Aufstieg. Die Ausbildung für den Profikader ist unsere Hauptaufgabe.

Hand aufs Herz. Sehen Sie einen Spieler in Ihrer U23, der das Zeug hat, schon bald ein fester Bestandteil des Schalker Profikaders zu sein?

Es gibt viele Jungs, die großartige Fähigkeiten haben. Profi zu werden, heißt ja nicht, dass es ausschließlich auf Schalke klappen muss. Ich bin sehr gespannt auf die Entwicklung von Philip Fontein. Wir haben den Jungen von Eintracht Rheine geholt. Mal sehen, wie er sich entwickelt, wenn er über längere Zeit unter Profibedingungen arbeitet. Nassim Boujellab hat etwas, das nicht viele haben. Wenn er das realisiert und gewillt ist, sich jeden Tag zu verbessern, freue ich mich auf seine Zukunft. Ich könnte viele weitere Namen nennen. Wir haben viele Jungs, die große Talente sind. Mehr allerdings auch noch nicht.

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