Schwimmen

Wierling und Kusch von der SG Essen starten in die WM

Damian Wierling von der SG Essen startet am Sonntag mit der Freistil-Staffel.

Damian Wierling von der SG Essen startet am Sonntag mit der Freistil-Staffel.

Foto: Stuckert

Essen.  Die Startgemeinschaft Essen schickt bei den Titelkämpfen in Südkorea vier Asse ins Rennen. Damian Wierling bleibt nur Einsatz mit den Staffeln.

Die Weltmeisterschaften im südkoreanischen Gwangju haben prima begonnen, oberprima sogar, denn die Freiwasserschwimmer haben erstklassig abgeschnitten und fünf Medaille geholt. Angesichts der jüngeren Vergangenheit ist die Ausbeute für den Deutschen Schwimmverband fast sensationell. Schließlich haben die hiesigen Cracks die letzten Jahre damit verbracht, wieder den Anschluss an die Weltspitze zu finden. Bei den Olympischen Spielen 2012 in London gab’s keine Medaille, 2016 in Rio auch nicht. Bei der WM 2017 in Budapest sprang lediglich ein Silberling heraus.

Auch am Bundesstützpunkt in Rüttenscheid suchen sie den richtigen Weg, um endlich wieder international Erfolge einzufahren. Auf nationaler Ebene hat das Team um Cheftrainerin Nicole Endruschat in der WM-Vorbereitung gut gearbeitet. Damian Wierling, Max Pilger, Poul Zellmann und Marius Kusch sind in Südkorea dabei - vier Athleten, die für die SG Essen startberechtigt sind. Im nationalen Vergleich ist die SGE top.

Beckenwettbewerbe beginnen am Sonntag

An diesem Sonntag geht’s los mit den Beckenwettbewerben. Am Donnnerstag ist der DSV-Tross in der 1,4 Millionen Stadt südlich von Seoul eingetroffen. Zuvor machten die Deutschen Station in Kumamoto, um sich auf die Gegebenheiten in Südostasien einzustellen. Sieben Stunden Zeitverschiebung, Jetlag, um die 30 Grad Celsius mit hoher Luftfeuchtigkeit, so dass man beim Abtrocknen ins Schwitzen kommt. „Die Leute dort sind unfassbar gastfreundlich gewesen“, sagt Nicole Endruschat. Sogar einen Empfang beim Oberbürgermeister der Stadt hat es gegeben. Für den Samstag gab’s in Gwangju Taifunwarnung. „Ich bin mal gespannt“, sagt Poul Zellmann. So etwas erlebt man schließlich auch nicht alle Tage.

Damian Wierling und Marius Kusch sind die ersten Essener am Start

Damian Wierling (23) und Marius Kusch (26) sind die ersten Essener, die auf den Startblock steigen. Sie wollen versuchen, die 100-m-Freistil-Staffel ins Finale zu führen, was schwer genug wird. Platz zwölf ist das Minimalziel, denn der bringt den DSV-Staffeln gleichzeitig die Starterlaubnis für die Olympischen Spiele im nächsten Jahr in Tokio.

Im vergangenen Jahr bei der EM in Glasgow hatte genau dieses SGE-Duo einen phänomenalen Auftritt mit der Lagen-Staffel. Kusch, der seit 2016 an der Queens University of Charlotte an der Ostküste der USA trainiert und studiert, schaffte als dritter Schwimmer im Quartett den Anschluss, Damian Wierling sicherte mit einem Finale furioso die Bronzemedaille.

So schnell wie im Sommer 2018 war Wierling noch nie unterwegs. Überhaupt war er bis zum Winter die unangefochtene Nummer eins im Lager der Freistilschwimmer. Fünf Meistertitel holte er bei der DM im Vorjahr und war damit erfolgreichster Teilnehmer.

Im Winter eine Fußverletzung beim Kicken zugezogen

Doch all das zählt nicht, wenn Leistung gefordert ist. Im Winter tauchte Damian Wierling plötzlich mit Gehhilfen und Fixierschuh auf. Er hatte sich beim Kicken einen Bänderriss zugezogen. Fatal für einen Sportler, bei dem Hundertstelsekunden entscheiden können. Lange machte der Fuß Probleme, der Trainingsrückstand gefährdete die WM-Qualifikation.

Mitte April in Stockholm die Erleichterung: Der Deutsche Meister qualifizierte sich mit Saisonbestleistung für die Freistil-Staffel. Allerdings „nur“ als Nummer zwei hinter seinem Teamkollegen Marius Kusch, der bei den Meetings in den Staaten regelmäßig Top-Leistungen abgeliefert hatte und dort über 100-m-Schmetterling Anfang März zu den Ersten im DSV gehörte, der die Einzelnorm mit Bestleistung geknackt und sich dabei dem deutschen Rekord angenähert hatte.

Damian Wierling wiederum hat sich inzwischen bis auf wenige Zehntel an seine Bestleitung herangearbeitet. Einen Einzelstart wird er in Gwangju aber nicht bekommen.

Der Verband macht keine Zugeständnisse

„Wir haben darauf gehofft“, gibt Nicole Endruschat zu. Der Verband bleibt hart, obwohl er in ähnlichen Fällen schon eher Zugeständnisse gemacht hat. Zum Beispiel bei Poul Zellmann, der neben seinem Einsatz in der 200-m-Freistil-Staffel als aktuell Schnellster über diese Distanz auch im Einzelrennen starten darf.

Wierlings zweiter Einsatz könnte in einer Woche über die 4x100-m-Freistil mixed (nicht olympisch) sein, obwohl noch die beiden schwächeren Schwimmer des Männer-Quartetts vorgesehen sind. Die Besetzung der 4x100-m-Lagen zum Abschluss der Wettkämpfe am übernächsten Sonntag wird ohnehin wie gewohnt nach aktueller Form festgelegt. Also könnte es für Wierling bei einem einzigen Einsatz bleiben.

Enttäuschung bei Wierling ist nicht zu überhören

„Der Verband sagt, dass ich mich auf die Staffeln konzentrieren soll“, sagt Wierling. Seine Enttäuschung ist nicht zu überhören. Seit Jahren bringt er zuverlässig Leistung, da hätte er sich wohl mehr Vertrauen und ein bisschen Entgegenkommen gewünscht. Ein Start über 100-m-Freistil wäre möglich gewesen, zumal er die WM-Norm des Weltverbandes FINA erfüllt hat.

Schnell sprießen Spekulationen, denn Wierling hatte zuvor als persönlichen Assistenztrainer Henning Lambertz ins Gespräch gebracht, was beim DSV offenbar nicht so gut ankam, denn der ehemalige Bundestrainer liegt gerade im Clinch mit Leistungssportdirektor Kurschilgen, dass dieser verantwortlich sei für seinen Rücktritt.

Wierling wird am Sonntag Startschwimmer sein, um zu sehen, wie schnell er wirklich ist. Und um es allen zu zeigen, dass er eine Chance verdient gehabt hätte.

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