Tischtennis

Skogsberg bringt die Tischtennis-Besessenheit nach Essen

Noch immer ein Meister am kleinen Plastikball: Göran Skogsberg.

Noch immer ein Meister am kleinen Plastikball: Göran Skogsberg.

Foto: Michael Gohl/FFS

Essen.  Göran Skogsberg ist unter den 2000 Aktiven im Tischtenniskreis ein Exot, weil einziger Skandinavier. Auch seine Erfolge sind einzigartig.

Unter den rund 2000 Aktiven im Tischtennis-Kreis Essen gibt es etliche Spielerinnen und Spieler ausländischer Herkunft, aber nur 55, die keinen oder einen zusätzlichen deutschen Pass besitzen. Von A wie Argentinien bis V wie Vietnam sind darunter 30 Nationen vertreten. Von denen kann der Schwede Göran Skogsberg in gleich mehrfacher Hinsicht eine Art Alleinstellungsanspruch für sich reklamieren. Bevor er in der kommenden Saison mit dem gerade vollzogenen Wechsel zur MTG Horst Anker beim vierten Essener Verein Anker geworfen hat, war er mit 68 Jahren bei der SG Heisingen einer der ältesten Spieler der NRW-Liga. In der Ausländer-Liste steht sonst kein Skandinavier und er ist auch der einzige Essener Aktive, der sowohl Titel als Europameister und deutscher Meister in seiner sportlichen Vita vorweisen kann.

Senioren-Europameister im Jahr 2011

Senioren-Europameister wurde er 2011 im Doppel der AK 60 im tschechischen Liberec und stand bei allen folgenden Titelkämpfen der Altersklassen immer auf dem Treppchen. Sein größter Erfolg bei Weltmeisterschaften war 2016 in Alicante Rang zwei im Doppel der AK 65 und der Einzug in die Runde der letzten acht unter 400 Teilnehmern im Einzel. Die rege Teilnahme an Senioren-Meisterschaften – in seiner schwedischen Heimat ist Göran Skogsberg mit 40 Titeln inzwischen Rekordhalter – war schließlich auch der Grund, warum es ihn ins Ruhrgebiet verschlug.

Bei einer EM und etlichen anderen Turnieren lernte er Monika Hußmann kennen, und nachdem die Liaison immer enger wurde, entschloss sich 2014 der pensionierte Rektor einer Grundschule nach Essen überzusiedeln. Natürlich wollte er auch hier seinem sportlichen Hobby nachgehen. Auf der Suche nach einem Verein war Adler Union Frintrop schon deswegen die erste Adresse, weil dort auch Monika Hußmann spielte.

Für den Verbandsligisten war das natürlich eine willkommene Verstärkung. Der „alte Schwede“ avancierte dank seiner Erfolge und des attraktiven Abwehrspiels schnell zum Publikumsliebling. Das weckte wiederum das Interesse der SG Heisingen, für den er zwei Spielzeiten in der NRW-Liga spielte. Danach folgte er seiner inzwischen bei DJK Franz-Sales-Haus spielenden Lebensgefährtin und war wesentlich am Aufstieg des FSH-Teams in die Landesliga beteiligt. Nicht zuletzt die größere sportliche Herausforderung in einer höheren Klasse war ausschlaggebend dafür, dass Göran Skogsberg danach wieder nach Heisingen zurückkehrte.

Das Drei-Kronen-Team räumte in den Neunziger Jahren groß ab

Es ist nicht übertrieben, Göran Skogsberg als eine Art „Tischtennis-Besessenen“ zu bezeichnen, der seinen Sport auch im fortgeschrittenen Alter durchaus ernst nimmt. Auf seinen bisherigen Stationen in Essen wunderten sich alle Vereine, dass der Schwede in vielen Dingen eine andere Auffassung hat, was das Training und die Vorbereitung auf ein Spiel angeht. „In Schweden gibt es nicht einmal zehntausend Spieler, die in Vereinen aktiv sind, aber für die ist es selbstverständlich, sich intensiv damit zu befassen und darauf einzustellen“, hat er schnell festgestellt: „Das wird in Deutschland offensichtlich völlig anders gesehen. Von Ausnahmen abgesehen gilt das auch in höheren Klassen.“

Geprägt wurde diese Einstellung wohl, weil er in seiner Heimat mit der „goldenen Generation“ aufwuchs, die mit Jan-Ove Waldner, Jörgen Persson und weiteren herausragenden Spielern eine Ära begründeten und noch vor den Chinesen das Maß aller Dinge im Tischtennis war. Allein von 1989 bis 1993 gewann das „Drei-Kronen-Team“ bei Weltmeisterschaften drei Mannschafts- und zwei Einzel-Titel. Noch weit länger, mit 14 Titeln von 1964 bis 2002, dauerte die schwedische Dominanz in Europa. Die damalige Euphorie erlebte Göran Skogsberg hautnah.

Mit Istums SK Gegner der Legende Jan-Ove Waldner

Fast detailgetreu sind auch seine Erinnerungen an die Zeit, als er 1983 den Vorsitz des kleinen Vereins Istrums SK übernahm und diesen bis 1996 als „Macher“ und Spieler von der untersten Klasse bis in die schwedische Eliteliga führte. Dort traf der „Emporkömmling“ im Punktespiel auch auf den Kalmar BTK mit Tischtennis-Legende Jan-Ove Waldner, gegen den Göran Skogsberg, inzwischen 46 Jahre alt, aber nicht selbst antreten durfte - oder musste! Für ihn und das kleine Istrum war der Auftritt des Weltmeisters dennoch ein besonderes Highlight.

In mehr als einem halben Jahrhundert hat er bei nationalen und internationalen Turnieren viele Tischtennis-Größen kennengelernt und mit ihnen die Schläger gekreuzt. Eine besondere Beziehung hat sich zum Dänen Nils Ramberg entwickelt, der ein oftmaliger Konkurrent bei Senioren-Meisterschaften war. Nachdem Skogsberg mit seinem finnischen Partner dem hohen Favoriten-Duo Pedersen/Ramberg 2011 den EM-Titel wegschnappte, verbaute ihm Ramberg dreimal in Endspielen den Weg zu weiteren Titelgewinnen. Die Niederlage im Einzel-Finale 2016 vor der eigenen Haustür in Helsingborg hat Göran Skogsberg besonders geschmerzt, für den Vater dreier ebenfalls sportlich talentierter Töchter, von denen eine immerhin Handball-Nationalspielerin wurde, war der Sport in seiner Vielfalt lebenslang ein besonderer Anreiz.

Auch als Fußballtrainer hat sich Skogsberg ausprobiert

Unter anderem als Fußballtrainer tätig, probierte er viele andere Sportarten aus, darunter als Schwede natürlich alles was mit Schnee und Eis zu tun hat. An vorderster Stelle blieb jedoch nach wie vor die Liebe zum kleinen Ball. Dass dieser seit kurzem nicht mehr aus Zelluloid hergestellt wird, gefällt ihm aber gar nicht, weil die Spieleigenschaften des neuen Plastikballs Gift für ihn und alle Abwehrspieler sind. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Monika Hußmann hat Göran Skogsberg die Teilnahme an den 13. Senioren-Europameisterschaften vom 1.-6. Juli in Budapest fest gebucht. Im Blick hat er aber auch schon die nächsten Weltmeisterschaften 2020, bei denen er erstmals in der AK 70 mit guten Chancen auf Titeljagd gehen kann.

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