Frauenfußball-Bundesliga

SGS Essen von Torlawine im Kraichgau verschüttet

Der Anfang vom Ende: Mit dem frühen 1:0 für Hoffenheim brach eine Torlawine über die SGS herein.

Der Anfang vom Ende: Mit dem frühen 1:0 für Hoffenheim brach eine Torlawine über die SGS herein.

Foto: Oliver Zimmermann/imago

Hoffenheim.  Das 0:7 in Hoffenheim erinnert an die höchste Bundesliga-Niederlage vor neun Jahren. Langzeitverletzte werden zu einem immer größeren Problem.

Neun Jahre ist es her, da hat die SGS Essen in der Frauenfußball-Bundesliga einmal mit 0:8 gegen den 1. FFC Frankfurt verloren. Doch mit dem 0:7 vom Freitag bei der TSG Hoffenheim ist diese Pleite nicht vergleichbar. Frankfurt war damals noch das Maß aller Dinge in der Eliteliga und die SGS ein Abstiegskandidat. Im Kraichgau aber erlebten die Essenerinnen nun ein Debakel. Gegen eine Mannschaft, mit der man sich eigentlich auf Augenhöhe wähnte.

„Ich habe mir das Spiel direkt im Bus noch einmal angeschaut. Wir haben uns wirklich dilettantisch angestellt“, findet SGS-Trainer Markus Högner klare Worte. So war spätestens mit dem 0:4 in der 23. Minute die Partie entschieden. „Hoffenheim hat uns klar beherrscht und fast mit jedem Schuss einen Treffer erzielt. Die haben einen Sahnetag erwischt.“ Dennoch fällt es schwer, die Klatsche abzuhaken und schnell wieder zur Tagesordnung überzugehen. Ein Teil der Erklärung für den aktuellen Leistungseinbruch ist sicher die personelle Situation bei der SGS.

Nur drei gesunde Feldspielerinnen auf der Bank

Erneut konnte Högner gegen die TSG nur drei gesunde Feldspielerinnen auf die Bank setzen. Dazu stand Josephine Plehn zwischen den Pfosten, obwohl sie in der Hierarchie der Torfrauen lediglich an fünfter Stelle steht. Stina Johannes, Lisa Klostermann und Kim Sindermann stehen auf der Liste der Langzeitverletzten. Jil Strüngmann reiht sich dort mit einem Daumenbruch nun auch ein. „Wahnsinn“, findet Högner. Die Verletzungsprobleme sind in Essen aber nicht neu. Auch Vorgänger Daniel Kraus hatte in der Vorsaison damit zu kämpfen. Aber auf wundersame Weise konnte die SGS die Ausfälle immer wieder kompensieren. Es lief einfach, fast wie von selbst.

Das kann Högner nun nicht behaupten: „Wir haben schon ein Riesenproblem mit den Langzeitverletzten.“ Auch Nationalspielerin Marina Hegering gehört aktuell dazu. Seit der EM plagen sie muskuläre Probleme, die einen Einsatz bisher unmöglich machten. Dazu fiel in Hoffenheim auch noch Lena Oberdorf aus, weil sie sich auf einer Klassenfahrt befand. „Beide haben für uns eine außergewöhnliche Qualität“, bestätigt Högner. Kapitänin Irini Ioannidou ist mit einem Kreuzbandriss fast ein Jahr lang raus, Ina Lehmann (Sprunggelenk) fast anderthalb. Und so spielen mittlerweile doch einige Spielerinnen aushilfsweise nicht auf ihren besten Positionen.

Allerdings scheinen aktuell auch Lücken in der Personalplanung sichtbar zu werden: Eine weitere Flügelspielerin neben Turid Knaak stünde der SGS gut zu Gesicht. Und auch der Abgang von Danica Wu wurde womöglich unterschätzt. Eine laufstarke Abräumerin vor der Abwehr fehlt der SGS. Ramona Petzelberger und Manjou Wilde sind andere Spielertypen, während Jana Feldkamp in der Innenverteidigung aushelfen muss. Gleichzeitig scheinen derzeit aber auch nicht alle Spielerinnen in Form zu sein. Wilde erwischte zumindest in Hoffenheim einen rabenschwarzen Tag und auch Angreiferin Lea Schüller wirkte vom Spiel abgeschnitten und trat nur einmal in Aktion, als sie nach der Pause den Ehrentreffer auf dem Fuß hatte, aber schwach abschloss. „Wir müssen jetzt erstmal kleinere Brötchen backen, anfangen neu zu justieren und an der Basis zu arbeiten“, sagt Högner.

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