Frauenfußball-Bundesliga

SGS Essen reist ohne Druck zum FC Bayern München

In München will Abwehrspielerin Marina Hegering (vorne) an ihre starke Leistung vom Länderspiel-Debüt unter der Woche nun auch in der Bundesliga anknüpfen.

In München will Abwehrspielerin Marina Hegering (vorne) an ihre starke Leistung vom Länderspiel-Debüt unter der Woche nun auch in der Bundesliga anknüpfen.

Foto: Michael Gohl

essen.   Bei elf Punkten Rückstand auf Champions-League-Rang können die Essenerinnen befreit aufspielen. Nur Torhüterfrage macht dem Kraus-Team Sorgen.

Die SGS Essen ruft auf der Torwartposition den Notstand aus. Dabei war der Frauenfußball-Bundesligist dort eigentlich gut bestückt: Stina Johannes, Kim Sindermann und Lisa Klostermann sollten sich einen Konkurrenzkampf um den Platz zwischen den Pfosten liefern. Johannes schien die Nase vorn zu haben, ehe Sindermann sie nach ihrem komplizierten Beinbruch ersetzte. Als die sich aber vor wenigen Wochen das Kreuzband riss, rückte Klostermann nach, fällt nun aber mit einer Blessur am Innenmeniskus ebenfalls aus.

Keine der Torfrauen kehrt diese Saison zurück

Lara Stober wurde schon im Oktober als weiterer Ersatz nachverpflichtet, bildet nun aber das vierte Kapitel in der Verletztengeschichte bei der SGS. Und besonders bitter: Keine der Torfrauen wird in dieser Saison zurückerwartet. Schönebeck musste reagieren und reaktivierte den Vertrag von Jil Strüngmann. Die 26-Jährige spielte seit 2010 für die Essenerinnen, wurde aber im vergangenen Sommer verabschiedet, um sich nach ihrem abgeschlossenen Lehramtsstudium auf das Referendariat konzentrieren zu können.

Allerdings darf man keine Wunderdinge erwarten: In neun Jahren bei der SGS kam Strüngmann lediglich in vier Pflichtspielen zum Einsatz: zwei in der Liga, zwei im Pokal. Ansonsten nahm sie hinter Lisa Weiß oder Uschi Holl auf der Bank Platz. Unverhofft wird sie nun aber ihre Einsatzstatistik verbessern: Am Sonntag (15 Uhr) wartet schon die hohe Auswärtshürde beim FC Bayern.

„Wir fahren voller Vorfreude nach München und erwarten ein intensives und abwechslungsreiches Spiel“, erklärt SGS-Trainer Daniel Kraus. Druck dürften sie in Essen kaum verspüren. Zwar liegt Schönebeck in der Tabelle direkt hinter dem FCB auf Rang drei, doch bei einem Abstand von elf Punkten ist die Champions League außer Reichweite. Allerdings reiten die Essenerinnen derzeit auf einer Erfolgswelle und haben auch von der Länderspielpause profitiert: Linda Dallmann, Turid Knaak, Lena Oberdorf und Marina Hegering waren allesamt für die DFB-Auswahl im Einsatz.

Essenerinnen spielten Hauptrollen

Und zwar in den Hauptrollen: Dallmann erzielte beim 2:1-Sieg über Schweden das zwischenzeitliche 2:0 und dürfte nach überstandener Muskelverletzung auch in Essen wieder in die Startelf rücken. Ihre Debüts für die Nationalelf gaben Hegering und die erst 17-Jährige Oberdorf. Vor allem Hegering (28), die lange auf diesen Moment gewartet hat, hat sich gleich etabliert. Gegen Schweden und Japan (2:2) spielte die Innenverteidigerin jeweils durch und wurde gegen die Asiatinnen zur „Spielerin des Spiels“ gewählt.

„Wir sind sehr stolz, dass sich unsere Nationalspielerinnen in den zwei vergangenen Länderspielen so gut präsentiert haben und mit vielen positiven Eindrücken wieder zum Team gestoßen sind“, sagt Kraus. Gegen München aber ist die SGS dennoch klarer Außenseiter, denn auch die Gastgeberinnen spielen eine erfolgreiche Saison: Punktgleich mit dem VfL Wolfsburg ist der Meistertitel möglich und in der Champions League steht der Klub erstmals im Halbfinale. Viel kälter könnte das Wasser für Strüngmann kaum sein.

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