Jugendfußball

RWE steht vor historischem Dreifach-Abstieg

Die U15 mit Trainer Udo Platzer könnte den Abstieg aus der höchsten Spielklasse noch vermeiden und die Saison retten.

Die U15 mit Trainer Udo Platzer könnte den Abstieg aus der höchsten Spielklasse noch vermeiden und die Saison retten.

Foto: Michael Gohl / FFS

Sportlich ist es für RWE die schwächste Saison seit Bestehen der Jugendfußball-Bundesliga. Im Scouting soll die Trefferquote erhöht werden.

Wie sich das Bild in zwei Monaten geändert hat: Mitte März wurde bei Rot-Weiss noch gefeiert, nachdem der Deutsche Fußball-Bund das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) mit einem Stern zertifiziert hatte. Jetzt droht ein historischer Dreifach-Abstieg. Die U19 und U17 hat es in der Bundesliga bereits erwischt, für die U15 hat sich durch das 1:4 gegen den MSV Duisburg das Abstiegsrisiko drastisch erhöht. Sportlich ist es für RWE die schwächste Saison seit Bestehen der Jugendfußball-Bundesliga im Jahr 2003.

Wie es dazu kommen konnte, wird an der Seumannstraße aktuell intensiv hinterfragt. „Hier wird gerade jeder Stein umgedreht“, berichtet ein Jugendtrainer. Dabei sind bereits erste Veränderungen beschlossen worden, wie der NLZ-Leiter Enrico Schleinitz erklärt: „Wir werden den Scouting-Bereich ausbauen, um die Trainer in der Spielbeobachtung zu entlasten.“ Ein Nebeneffekt: RWE macht sich dadurch unabhängiger von seinen Trainern, auf deren Netzwerk man zum Großteil angewiesen war. „Wir müssen im Scouting unsere Trefferquote erhöhen“, fordert Schleinitz. „Das muss man deutlich sagen: Die war in dieser Saison nicht hoch genug.“

Zusammenarbeit mit der Senioren-Abteilung verbessern

Als beispielsweise Trainer Toni Kotziampassis vor der Saison überraschend die U17 verließ und mehrere Spieler ihre Zusagen zurückzogen, hatte RWE nicht genügend Alternativen mit Bundesliga-Niveau parat. Neben dem Scouting soll auch die Zusammenarbeit mit der Senioren-Abteilung an der Hafenstraße ausgebaut werden – nicht zuletzt durch den neuen hauptamtlichen Sportdirektor Jörn Nowak. „Dadurch werden wir den Austausch noch intensiver gestalten können“, sagt Schleinitz.

Die U19 soll dadurch gleichzeitig die Funktion einer zweiten Mannschaft übernehmen. „Wir wollen Spieler holen, denen wir den Sprung in die Regionalliga auch zutrauen“, erklärt Schleinitz. Dadurch soll auch die Durchlässigkeit zwischen U19 und Regionalliga-Kader erhöht werden. Während in der vergangenen Saison nur Nicolas Hirschberger dieser Sprung gelang (eine Einwechslung), könnte in dieser Saison überhaupt kein U19-Spieler übernommen werden, nachdem sich Torwart Jonas Kersken für einen Wechsel zur U23 von Borussia Mönchengladbach entschied.

Trotzdem plädiert Schleinitz dafür, die Saison nicht alleine nach der Platzierung von U19, U17 und U15 sowie derjenigen Jugendspieler zu beurteilen, die den Sprung in die erste Mannschaft packen. „Die Standards eines NLZ sind für mindestens Zweitligisten ausgelegt“, so Schleinitz. Wenn RWE in den unteren Jugendbereichen einen guten Job mache, würde man deshalb automatisch gute Spieler verlieren, weil sie bei Erst-, Zweit- oder Drittligisten bessere Perspektiven sehen. Das bedeute, dass bei RWE die gute Jugendarbeit mitunter gar nicht in den Leistungsteams ankommt. „Von dem 2002er-Jahrgang, der jetzt in der U17 gespielt hätte, sind zum Beispiel in den vergangenen beiden Jahren zehn Spieler zu anderen NLZs ­­­­gewechselt“, sagt Schleinitz.

In drei Jahren 50 Spieler an andere NLZs verloren

Insgesamt habe Rot-Weiss in den vergangenen drei Jahren sogar 50 Spieler an andere NLZs verloren. „Damit sind wir deutschlandweit auf jeden Fall mit führend“, sagt Schleinitz. Hoffnung gibt es in diesem Fall aber auch. Den 2003er-Jahrgang bekam RWE bislang relativ „unfallfrei“ durch die Spielzeiten. In dieser Saison wurde das Team als U16 ungeschlagen Meister in der Leistungsklasse und soll demnächst als U17 in der Niederrheinliga den Wiederaufstieg in die Bundesliga angehen.

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