RWE

RWE-Saison endet mit einem Rührstück

düsseldorf.   Beim friedlichen 1:1 bei der U23 von Fortuna Düsseldorf trifft Nicolas Hirschberger beim Debüt zum Endstand, anschließend flossen Tränen.

Eigentlich war alles klar: 1:1 zum Abschluss der Regionalligasaison bei der U23 von Fortuna Düsseldorf, das Spieljahr 18/19 hätte damit bei Rot-Weiss geschwind im untersten Regal unter „nicht sehenswert” abgelegt werden können. Doch die Saison hielt in allerletzter Minute noch ein kleines sentimentales Rührstück für die Rot-Weissen bereit.

Nach 81 Minuten kam Nicolas Hirschberger zu seinem lang ersehnten Regionalliga-Debüt, konnte den kümmerlichen sechs Minuten im Verbandspokal gegen Vohwinkel ein paar weitere letzte in der Liga hinzufügen. Sechs Minuten später geriet seine noch junge Fußballwelt aus den Fugen: Auf herrlichem Zuspiel des ebenfalls kurz zuvor eingewechselten Max Wegner lief er allein auf Torhüter Jannick Theißen zu und schob lässig zum 1:1 ein, als hätte er ewig auf diesen Moment gewartet.

Belohnung für die emsigen Trainingsleistungen

Eine Randnotiz für den Traditionsklub, ein bewegendes Ereignis für den 20-Jährigen. Mit den Tränen kämpfend und mit versagender Stimme gab er anschließend am Spielfeldrand ein bewegendes Interview: „Obwohl es am Ende nur das 1:1 bedeutete, kann ich meine Gefühle kaum in Worte fassen. Ich bin dankbar, dass mir der Trainer diesen Kurzeinsatz geschenkt hat.”

Der Trainer wollte anschließend von Geschenk nichts wissen: „Es gibt den einen oder anderen, der eine schwierige Saison hatte, was die Einsätze betrifft, da gehört Nicolas dazu. Das war jetzt nicht unbedingt ein Abschiedsgeschenk. Nicolas hat in dem Jahr wirklich gearbeitet, ich hätte ihm nicht böse sein können, wenn er nach einem halben Jahr die Flinte ins Korn geworfen hätte. Jetzt freut es mich für ihn. Aber ich bin mit Nicolas immer offen umgegangen, er wusste relativ früh, woran er war.”

Der Nachwuchsmann weiß noch nicht, wie es für ihn weitergeht, er will den schönen Abschluss als Bewerbungsvideo nutzen: „Ich bin dankbar für die Erfahrung, dafür, dass ich mich zeigen durfte. Der Kurzeinsatz und das Tor werden mir hoffentlich helfen, einen neuen Verein zu finden.“

Ein anderer, der ebenfalls noch einmal mitwirken durfte, überraschte mit seinem Hinweis, dass er ebenfalls auf Vereinssuche ist. Eigentlich hatten alle gedacht, der Vertrag mit Max Wegner habe sich durch seinen letzten Einsatz automatisch um ein Jahr verlängert. Doch offensichtlich gab es noch weitere Kriterien, die hätten erfüllt sein müssen, über die sich die Verantwortlichen aber ausschweigen. Der Ex-Meppener nahm es mit der Erfahrung seiner 30 Lenze höchst professionell: „Nein, es wird in Essen für mich nicht weitergehen. Es waren gewisse Sachen abgesprochen, die sind nicht eingetreten, deswegen hat sich der Vertrag nicht verlängert.” Wegner selbst betonte, sich im RWE-Team wohl gefühlt zu haben, ginge es nach ihm, hätte es an der Hafenstraße durchaus weitergehen können.

Max Wegner muss die Hafenstraße wieder verlassen

Überhaupt bleibt zu konstatieren, dass Wegner in seinem halbstündigen Einsatz wieder einmal mehr Gefährlichkeit auszustrahlen wusste als Marcel Platzek während der gesamten Spielzeit. Wenn dies dennoch nicht für eine Vertragsverlängerung gereicht hat, weckt es natürlich die Erwartungen bei den Fans, dass die sportliche Leitung noch ein paar echte Kracher in der Pipeline hat.

Am Sonntag traf sich die Mannschaft zur großen Verabschiedungsrunde, auch von Sportdirektor Jürgen Lucas, und es sollen reichlich Tränen geflossen sein. Die verbleibenden Spieler haben nun vier Wochen Zeit, sich zu erholen, für die sportliche Führung geht die Arbeit weiter. „Jetzt gilt es, die Birne frei zu kriegen, für Spieler, Trainer und Verantwortliche, für uns geht es noch nicht in Urlaub.” Nach der Saison ist bekanntlich vor der Saison, und da hat man ja Großes vor -- diesmal mal so ganz ohne Slogan.

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