RWE-Kolumne

RWE ist das Synonym für den Überlebenskampf geworden

Die RWE-Fans an der Hafenstraße können ihren Verein weiterhin nur virtuell unterstützen.

Die RWE-Fans an der Hafenstraße können ihren Verein weiterhin nur virtuell unterstützen.

Foto: Foto: Michael Ketzer / FFS

Essen.  RWE-Kolumnist Uwe Strootmann gerät der Spielplan allmählich aus dem Kopf und freut sich weiterhin über den virtuellen Zuspruch der vielen Fans.

Hand aufs Herz: Wüssten Sie spontan, gegen wen Rot-Weiss Essen eigentlich vergangenes Wochenende hätte antreten müssen? Ich bin ganz ehrlich, ich habe es nicht mehr gewusst und musste nachschauen. Konnten die Spieltermine des RWE bis Mitte März gleich nach Hochzeitstag und Geburtstagen heruntergebetet werden, schwindet dieses kalendarische Wissen langsam aber sicher, je länger die (lebenswichtige) Pause andauert.

Vergangenen Samstag wäre Spiel bei Fortuna Köln gewesen

Zu meiner Entschuldigung: Der schleichende Wissensverlust zieht sich wesentlich länger hin, als nach dem Latinum. Da habe ich direkt am selben Tag alles vergessen. Aber Latein mochte ich auch so gerne wie, sagen wir mal, Schalke 04. Vergangenen Samstag also wären wir Gast des SC Fortuna Köln gewesen und hätten endlich einmal wieder das Kölner Südstadion mit unserer Anwesenheit beehrt. Hat uns ja doch wohl gefehlt, einmal im Fußballjahr diese weitläufige Arena ohne so ziemlich jeden Charme zu besuchen.

Außerdem verdanken wir der Fortuna und ihrem Stadion einen ganz wundervollen Satz anlässlich einer Begegnung aus dem Jahre 2014: Frank Willmann (Buchautor, Kolumnist, Herausgeber) schrieb in „Der Tagesspiegel“ vom 2. Februar 2014 wie folgt: „RWE ist einer von diesen leicht moderig duftenden Ruhrgebietsdinos, die immer mit einem Bein im Grab stehen und trotzdem bzw. gerade deshalb, die Herzen des kleinen Mannes hoch schlagen lassen“. Hat man jemals etwas Schöneres über unseren Verein geschrieben? Ich glaube kaum. Rot-Weiss Essen in einem Satz erklärt. Da hat sich Recherche doch mal wieder gelohnt.

Tabellarischer Mittelmaß wäre vielleicht besser als der absolute Stillstand

Die Freude über diesen frisch entdeckten Satz verschwindet allerdings recht schnell wieder unter dem coronösen Schleier der aufgezwungenen Fußballpause. Wie viele der Spezies „m/w/d“ hätten den RWE wohl in die Südstadt begleitet? Über 2000 fröhliche Fans, da die letzten drei Spiele nach Bonn allesamt überzeugend gewonnen wurden, oder doch eher 200 missmutige Allesfahrer, weil „muss ja“. Nach drei möglichen Niederlagen am Stück. Wir werden es natürlich niemals erfahren.

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr aber gab es eine 0:2-Niederlage am Aachener Tivoli gegen die dortige Alemannia. Von einer ähnlichen Euphorie, wie wir es bisweilen in dieser Saison erleben durften, konnte zu jenem Zeitpunkt noch überhaupt keine Rede sein, waren Aufstiegs- und Pokalhoffnungen bereits abgehakt. Und doch ist mit dem Blick zurück auch der Gedanke gestattet, ob man dieses tabellarische Mittelmaß nicht vielleicht dem aktuellen und absoluten Stillstand vorziehen würde. Nun stellt sich auch diese Frage nicht wirklich, sind wir doch aktuell nicht wirklich bei „wünsch Dir was“!

An der Theke sind wir eh die Besten!

Wir sind in einer Zeit angekommen, die unser aller Leben momentan sehr verunsichert und zudem nachhaltig beeinflussen wird. Eine Zeit, die Stillstand erfordert, um Zeit zu gewinnen. Allerdings birgt der Zeitgewinn auch keine Einnahmen. Vielerorts mit Verlustängsten einhergehend. Damit wir unseren RWE nicht noch in Gänze verlieren, ist weiter virtuelles Ticketing, Trinken und Futtern angesagt. An der Theke sind wir eh die Besten!

Um diese Spitzenposition auch zu verteidigen, geht weiter Stauder an Stauder über den virtuellen Tresen. Über 8.100 davon wurden schon verkauft. Auch die Bratwürste aus dem Hause Ulrich finden reichlich Abnehmer. Lecker! Es ist noch reichlich Zeit, fünfstellig zu werden. Medial ist Rot-Weiss Essen aktuell übrigens so präsent, dass wird kein sportlicher Aufstieg jemals toppen können. RWE ist Synonym für den Überlebenskampf unterklassiger Vereine geworden.

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