WAZ-Städteabend

Städteabend: Rot-Weisse schlendern über die Schalker Meile

Schichtwechsel im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund: Rund 100 Gäste kamen zum WAZ-Städteabend und waren begeistert.

Schichtwechsel im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund: Rund 100 Gäste kamen zum WAZ-Städteabend und waren begeistert.

Foto: Michael Gohl

Dortmund.   100 geladene Gäste kamen ins Fußballmuseum. Frank Kurth, Kult-Keeper von RWE, plauderte mit Witz und Ironie über sich und seine aktive Zeit.

Nein, angesichts des bevorstehenden Weihnachtsfestes haben sich die Fans von Rot-Weiss Essen und dem FC Schalke 04 nicht etwa versöhnt. Aber dass ein Rot-Weisser so entspannt über die Schalker Meile schlendert wie beim WAZ-Städteabend im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund, das ist schon ungewöhnlich. Nun ja, das Hinweisschild unter der Decke ist ja bei den etwas diffusen Lichtverhältnissen leicht zu übersehen. Aber die Rot-Weissen hatten an diesem Abend sowieso ganz andere Dinge im Auge. Immerhin ist auch ihr Verein ein ganz wichtiges Kapitel in der Geschichte des deutschen Fußballs.

Abpfiff. In Bottrop wird zum Jahresende die letzte Zeche im Land dicht gemacht. Und damit endet auch ein Stück Sportgeschichte, denn im Revier waren Fußball und Bergbau ganz eng miteinander verknüpft. Nicht zuletzt wegen dieser historischen Zäsur präsentiert das Fußballmuseum bis Januar eine Sonderausstellung: „Schichtwechsel – FußballLebenRuhrgebiet“.

Hinter jedem Exponat verbirgt sich eine Geschichte

Zum Städteabend der WAZ Essen waren rund 100 Gäste geladen, die sich um die Teilnahme an dieser außergewöhnlichen Veranstaltung beworben hatten. An der Bar Campo Bahia, an der Bundestrainer Jogi Löw 2014 bei der Weltmeisterschaft in Brasilien den einen oder anderen Espresso geschlürft haben dürfte, wurden die Besucher mit einem Drink eingestimmt. In Gruppen wurden sie anschließend unter fachkundiger Begleitung durch die Räume geführt. Es gab viel zu bestaunen, natürlich. Und bei der Wucht an Informationen und moderner Technik kann man schon mal den Überblick verlieren oder im Detail versinken.

Hinter jedem der 1600 Exponate verbirgt sich eine kleine Geschichte, und der Experte vornweg war stets bemüht, einen rot-weissen Aspekt herauszuarbeiten. Das Trikot von Mesut Özil, der in der Jugend bei RWE spielte und dessen Vorfahren im Bergbau arbeiteten. Oder das Trikot von Diego Maradona – Frank Mill, einst Stürmer an der Hafenstraße, hatte es dem argentinischen Fußballgott beim deutschen Triumph im WM-Finale 1990 abgeluchst. Der weltmeisterliche Fußballschuh von Helmut Rahn steht in der Vitrine, mit Bronze überzogen, daneben ein Kreuz aus Steinkohle von Rahns Nachttisch. Ein Wandteppich von der Südamerika-Reise, das Original-Plakat, das das DFB-Pokalfinale von RWE gegen Alemannia Aachen ankündigte. Und natürlich die Kurze Fuffzehn, eine Bergmannsstatue, die die kurze Pause unter Tage symbolisiert und einst vor dem Georg-Melches-Stadion stand.

Im Feld hat Frank Kurth gegen Tony Baffoe gespielt

Nach dem Rundgang stellte sich Frank Kurth, der Kult-Keeper von RWE, Moderator Uwe Loch und den Fragen aus dem Auditorium. Es entwickelte sich ein launiger, spannender Dialog mit vielen Anekdoten, denn schließlich hat Frank Kurth einiges zu erzählen. Mit rund 350 Spielen zählt er neben „Ente“ Lippens und Heinz Wewers zu den Rekordspielern des Vereins. Museumsdirektor Manuel Neukirchner höchstselbst hatte sich ebenfalls zur Talkrunde gesellt, schließlich ist er gebürtiger Essener, hatte RWE früher auch als Journalist betreut und war dort sogar Pressesprecher. Und er ist wohl auch Fan auf Lebenszeit.

Frank Kurth plauderte mit Witz und feiner Ironie über sich und seine aktive Zeit. Was für Dönekes. Der 56-Jährige war bekannt dafür, dass er die Fans im Stadion direkt aufsuchte und auf den Zaun kletterte. „Ich habe aber ab und zu auch mitgespielt“, feixte er. Und das wahrlich nicht schlecht. Drei Elfmeter hat er in seiner Karriere verwandelt und selbst mal Mitte der Achtzigerjahre gegen die Stuttgarter Kickers für eine halbe Strunde im Feld mitgezockt. Gegner Tony Baffoe, so Frank Kurth, habe ihn damals ganz entgeistert gefragt: „Ey Schnapper, was machst du denn hier?“ Ein Filou, dieser Kurth, ein Schelm, der weiß, wie man Pointen setzt.

In kleiner Runde weitergeplaudert

Und er bevorzugt das offene Wort. Aber das sei auch sein Problem, meint Frank Kurth. Zu der aktuellen Entwicklung im Verein äußerte er sich eher vorsichtig, schließlich sitzt er als Sportlicher Berater im RWE-Aufsichtsrat: „Man muss jetzt jeden Stein umdrehen, damit die Zukunft besser wird“, findet er. Es könne doch nicht sein, dass Vereine wie der Nachbar RWO, die sicher nicht mehr Geld zu Verfügung hätten, ständig in der Tabelle vor Rot-Weiss stünden.

Den Fans auf der „Tribüne“ sprach er aus dem Herzen. Und selbst in der Nachspielzeit, als der offizielle Teil längst beendet war, plauderte Frank Kurth in kleiner Runde weiter von früher und amüsierte die verbliebenen Gäste, die noch länger hätten lauschen können. Am liebsten bis zum nächsten Schichtwechsel.

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