Fußball

Rot-Weiss Essen braucht gegen Bielefeld vor allem Mut

Der Essener Kevin Grund (l.) war schon vor vier Jahren beim Pokalfight gegen Bielefeld dabei.

Der Essener Kevin Grund (l.) war schon vor vier Jahren beim Pokalfight gegen Bielefeld dabei.

Foto: Thorsten Tillmann

Essen.  Essener Regionalligist ist gegen den Erstliga-Aufsteiger aus Ostwestfalen Außenseiter. RWE-Trainer erhofft sich dennoch richtigen Pokalkampf.

Es ist Jahr für Jahr das gleiche Spiel im Pokal-Wettbewerb. Die Kleinen wollen ganz groß herauskommen und die Favoriten ausschalten oder zumindest ordentlich triezen, was ja laut eigenwilliger Pokal-Gesetzmäßigkeit durchaus möglich ist. Siehe 1. FC Saarbrücken. Der Regionalliga-Meister aus dem Südwesten rauschte in der Saison 2019/20 mit Hurra bis ins Halbfinale und kegelte dabei auch die Erstligisten 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf aus dem Wettbewerb.

Erstaunlich und ein wahres Husarenstück, denn noch nie zuvor war das einem Viertligisten gelungen. Solche Beispiele machen natürlich Mut und lassen die ehrgeizigen Kleinen hoffen. Am besten man nagelt diese einmalige Erfolgsgeschichte vor dem Anpfiff als zusätzliche Motivation an die Kabinenwand der Underdogs.

Ein eingespieltes und kompaktes Team

In der ersten Hauptrunde, da sieht die Bilanz allerdings schon anders aus, da geht häufiger was für die Außenseiter. Auch für Rot-Weiss Essen an diesem Montag (18.30 Uhr) gegen den Erstliga-Aufsteiger Arminia Bielefeld? Auf dem Papier sieht es zunächst nicht so danach aus: Die Gäste sind souverän ins Oberhaus eingezogen und haben sich in den letzten Wochen gut vorbereitet gezeigte für die neue Herausforderung. „Es trifft ein Regionalligist auf einen Bundesligisten. Die Rollen sind klar verteilt. Arminia ist total eingespielt, kommt mit der breiten Brust eines Aufsteigers. Das macht sie brutal stark“, sagt RWE-Trainer Christian Neidhart.

Wobei sich beide Kontrahenten in ungewohnte Rollen schlüpfen werden. Die Rot-Weissen, von denen man fast in jeder Regionalliga-Partie die absolute Dominanz erwarten kann, werden sich wohl des Öfteren in der Defensive befinden. Und die Arminia wird ihrerseits in der Bundesliga als Außenseiter firmieren. Immerhin weiß sie aber aus der vergangenen Saison, wie man einen Abwehrriegel knacken kann. „Das ist eine sehr interessante Konstellation für beide Mannschaften“, findet Neidhart.

Es muss ein echter Pokalkampf werden

Ein mögliches Erfolgsrezept für die Essener liegt auf der Hand. „Das Spiel muss zu einem echten Pokalkampf werden“, sagt Neidhart. „Es wird definitiv wichtig sein, defensiv stabil zu stehen. Je länger wird die Null halten, desto besser. Dann könnte sich im besten Fall ein Pokalkrimi entwickeln.“ Man wolle natürlich auch gegen Bielefeld versuchen, den Ball möglichst lange in den eigenen Reihen zu halten. „Auch wenn die Ballbesitz-Phasen wohl kürzer sein werden als sonst.“ Mutig sein, ist ein Muss.

Chancenlos sieht der RWE-Coach seine Mannschaft natürlich nicht, ist ja auch logisch, zumal sein Team potenziell - wie damals Saarbrücken - Drittliga-Qualität besitzt, auch wenn das bei der misslungenen Saisonpremiere gegen den SC Wiedenbrück (1:1) zum Ende hin noch über weite Strecken kaschiert werden konnte.

Nur 100 Zuschauer im Stadion

Dass an diesem Montag nur knapp 100 Zuschauer im Stadion an der Hafenstraße sein werden, ist sicher ein Handicap für den Außenseiter. Die Hütte wäre bei diesem Highlight rappelvoll gewesen, die Luft hätte gebrannt. Die Power von den Rängen darf man nicht unterschätzen. Aber auf die muss RWE ebenso verzichten wie auf eine Einnahme von etwa 250.000 Euro. „Der Push von draußen wird uns extrem fehlen, gerade wenn die Beine schwer werden“, ahnt Neidhart.

Eine feine Geste des Gastes. Ohne zu zögern haben die Bielefelder auf unbürokratischem Wege auf ihren Anteil an den Ticketeinnahmen verzichtetet „und so ein deutliches Zeichen der Solidarität mit dem unterklassigen Verein gesetzt haben“, freut sich der RWE-Vorsitzende Marcus Uhlig. „Zudem haben Verbände und DFB-Sponsoren auf Teil-Kontingente ihrer eigentlichen Ticket-Ansprüche verzichtet.“

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