RWE-Kolumne

Null Bock auf farblose RWE-Spieltage ohne Emotionen

Foto: Michael Gohl

essen.   Uralt-Ultra-Präsident Happo nach der frustrierenden 0:1-Heimniederlage gegen Alemannia Aachen und über die aufkeimende Unzufriedenheit.

Ohne Dich ist alles doof! Ohne Sieg ist alles, ach, ich lass es lieber. Dabei sollte die heutige, 150ste Kolumne eine besondere werden. Doch für eine geschmeidige Jubiläumsansprache steht mir überhaupt nicht der Sinn. Zu sehr nagt die erneute Heimpleite an meiner geschundenen Fan-Seele.

Außerdem muss ich eingestehen: Ja, ich habe mich geirrt. Die Mannschaft hat es nicht geschafft, sich ganz oben anzudocken, an der Tabellenspitze festzubeißen. Schon Mittwochabend, nach der Niederlage gegen Mönchgladbachs U23, bekam ich einen dicken Hals, unabhängig davon, ob zumindest ein Unentschieden hätte rausspringen müssen. Jedenfalls hatte ich die Nase gestrichen voll. Deutliche Hinweise für das Vorliegen einer RWE-Virus Infektion.

Das Schulterklopfen der DFB-Delegierten

Mir ging einfach alles auf den Keks: das gegenseitige Schulterklopfen der DFB-Delegierten, weil sie ja die EM 2024 nach Deutschland geholt haben, um dann kurze Zeit später ganz staatsmännisch wichtig in Luxuslimousinen zur Luxusherberge chauffiert zu werden. Der Appell an die Gesellschaft, Pflege von Anstand und Sitte zu erhalten, ausgesprochen von einem verurteilten Steuerbetrüger und einem nachgewiesenen Luxusuhrenschmuggler; dieses unsägliche Kauderwelsch vieler Politiker, obwohl der Kauder doch gar nicht mehr in Amt und Würden ist. Am meisten ging mir aber dieser Typ auf die Nerven, dem ich morgens beim Zähneputzen im Spiegel zusehen musste.

Nicht eine nennenswerte Torchance in Halbzeit eins

Manchmal könnte ich mich selbst ohrfeigen. In dieser Verfassung fuhr ich Sonntag mit dem Rad zum Stadion Essen, auch um den Kopf frei zu kriegen. Sonniges Wetter, über 10 000 erwartungsvolle Zuschauer, meine Gemütslage verbesserte sich merklich, wie bei vielen Rot-Weissen, als der Name Nico Lucas bei Bekanntgabe der Startelf fehlte. Auch die Forderung, Kevin Grund ins zentrale Mittelfeld zu beordern, wurde erfüllt. Doch wie sehr man sich irren kann, auf die Spielqualität der Roten hatte das rein gar keinen Einfluss.

Im Gegenteil, nicht eine nennenswerte Torchance sprang im ersten Durchgang der Partie heraus. Erschreckend harmloses Gekicke. Und nun, wer ist denn jetzt der Schuldige? Einer der leichtesten Übungen, da wird sich schon was oder wer finden. Überzeugend agierte RWE eigentlich nur zu Beginn der zweiten Halbzeit. Gute 20 Minuten setzten sie die biederen Aachener stark unter Druck, erkämpften sich drei klare Einschussmöglichkeiten, ohne sie zu nutzen. Die gegnerischen Trainer scheinen die DNA des RWE-Spiels geknackt zu haben, behauptete unlängst Uralt-Ultra „Hybrid-Hürthi“.

Die Unzufriedenheit im Umfeld nimmt Fahrt auf

Ein Gegentreffer reicht, um dem Neitzel-Team schwere Beine zu machen. Es ist sicherlich richtig, das Positive herauszustellen, darauf aufzubauen, doch die Ergebnisse der letzten Wochen zwingen die Verantwortlichen womöglich dazu, den Schwerpunkt auf das Abstellen der offensichtlichen Schwächen zu legen. Die aufkeimende Unzufriedenheit im Essener Umfeld wird lauter, nimmt Fahrt auf. Überrascht zwar nicht wirklich, wohl aber deren Heftigkeit. Auch ich bin maßlos enttäuscht, alleine, weil ich absolut Null Bock auf diese trostlosen, farblosen Spieltage ohne oder fast ohne jegliche Emotionen mehr habe.

Pröger als Retter der Enterbten?

Mit dieser Sorge stehe ich nicht alleine, obwohl es so kommen könnte, wenn der Erfolg nicht zurückkehrt. Es ist Rückkehrer Kai Pröger gegenüber unfair, ihn zum Retter der Enterbten hoch zu sterilisieren (frei nach Bruno Labbadia) und zugleich bedenklich, wenn ein einzelner Spieler so entscheidend für den Mannschaftserfolg sein soll.

Sonntag ist Pokal angesagt. Gegen den Oberligisten SSVg Velbert im Stadion Sonneblume gilt es eine Rund weiter zu kommen. Ausgerechnet jetzt, in der Blütezeit der Sonnenblume. Mal sehen, wie sie da aussehen, die Rot-Weissen, meine ich. Bis die Tage, vielleicht.

der Happo

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben