RWE-Interview

Lucas: Die Weichen für eine gute RWE-Zukunft sind gestellt

Zum letzten Mal in Düsseldorf mit auf der Trainerbank: Jürgen Lucas wird zum Saisonende die Rot-Weissen nach langen Jahren möglicherweise verlassen, eine Entscheidung soll bis Ende Mai fallen.

Zum letzten Mal in Düsseldorf mit auf der Trainerbank: Jürgen Lucas wird zum Saisonende die Rot-Weissen nach langen Jahren möglicherweise verlassen, eine Entscheidung soll bis Ende Mai fallen.

Foto: Micha Korb

Essen.  Der scheidende RWE-Sportdirektor Jürgen Lucas äußert sich zu der in den letzten Jahren geleisteten Arbeit und zum Vater-Sohn-„Problem“ im Kader.

Herr Lucas, vergangenen Samstag führte Sie zum letzten Mal der Weg ins Stadion auf die Trainerbank, vermutlich ein ziemlich emotionaler Moment für Sie, oder?

Jürgen Lucas: Das kann ich so bestätigen: Umso näher das letzte Heimspiel in der jetzigen Funktion gekommen ist, umso mulmiger wurde es mir in der Magengegend. Ich bin trotz der nicht erreichten Ziele immer sehr sehr gerne zu den Heimspielen gekommen, weil es für mich etwas Besonderes ist, Rot-Weiss Essen an der Hafenstraße zu verfolgen und dort in der Verantwortung zu stehen.

Dann gab es in der ersten Halbzeit noch diesen besonderen Moment, als sich die Fans, die Ihnen in der Vergangenheit nicht nur Applaus spendeten, dieses “Danke, Jürgen”-Plakat widmeten. Das ging doch bestimmt unter die Haut...

Lucas: Ja, es war für mich ein ganz besonderer Moment; ein Zeichen, dass man ein Gespür dafür hat, wie ich zu dem Verein stehe und mit ihm verbunden bin, und was ich in den letzten 13 Jahren für den Verein geleistet habe. Dafür möchte ich allen noch einmal herzlich danken.

War das auch bei aller Kritik in der letzten Zeit als Anerkennung für die geleistete Arbeit zu verstehen?

Lucas: Ich bin mir da relativ sicher, weil ich ja auch außerhalb dieser Aktion viele Feedbacks bekommen habe, auch wenn ich hiermit nicht zum Ausdruck bringen möchte, dass alle mit dem Erreichten der letzten drei Jahre vollkommen zufrieden sind.

Sie haben vor drei Jahren in einer sehr schwierigen Situation im Verein das wichtige Amt übernommen. Und - was viele heute offensichtlich verdrängt haben - machen Sie diesen Job neben ihrer Hauptbeschäftigung in Ihrer freien Zeit. Wie fällt für diesen Zeitraum Ihre persönliche Bilanz aus?

Lucas: Was die Ergebnisse und die Platzierungen betrifft, und darum geht es in erster Linie, bin ich absolut nicht zufrieden, und da ist die Kritik auch völlig berechtigt. Leider gehen durch diese Dinge viele andere Sachen unter. Ich habe den Posten in einer sehr schwierigen Phase übernommen, und ich bin davon überzeugt, dass wir die Weichen für die Zukunft des Vereins sehr gut gestellt und auch sehr viele Dinge außerhalb des Platzes in die richtige Bahn gelenkt haben. Und deswegen glaube ich auch, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt diese Position mit jemandem besetzen müssen, der sich rund um die Uhr um Rot-Weiss kümmern kann.

Können Sie dafür ein paar Beispiele nennen, ohne in die Tiefe zu gehen?

Lucas: Zum Beispiel haben wir die Vertragsstrukturen aus meiner Sicht weiter professionalisiert und noch leistungsbezogener gestaltet. Darüber hinaus ist es dem Verein gelungen, sehr sehr gute Strukturen für die Zukunft unseres Nachwuchsleistungszentrums zu schaffen, durch die Zertifizierung mit einem Stern, was für einen Viertligisten sicherlich außergewöhnlich ist. Auch die Verzahnung zwischen Jugend und Senioren haben wir voran getrieben.

Verein hat eine hervorragende Basis geschaffen

Noch einmal kurz zurück zu dieser Saison, beim unsäglichen Verletzungspech und den sonstigen Widrigkeiten wurde die Arbeit auch durch die Reaktionen mancher Fans auf das besondere Vater-Sohn-Verhältnis in der Mannschaft beeinträchtigt. Den Sportdirektor haben doch diese Vorwürfe sicherlich geärgert, und den Vater müssen sie besonders geschmerzt haben. Wie gingen Sie mit diesen Ungerechtigkeiten um?

Lucas: Ich habe sie versucht zu verdrängen, was mir nicht immer gelungen ist. Es ist einfach schade, dass es Leute gibt, die über Lügen oder andere negative Phantasien Dinge versuchen zu initiieren, die ich persönlich einfach nur ekelhaft finde. Und das bezieht sich nicht nur auf das Thema Nico.

Nun geht der Vater, während der Sohn mit dem Gedanken spielt, den Vertrag als waschechter Rot-Weisser zu verlängern. Da ginge Nico sicherlich den steinigeren Weg, er könnte es sich auch leichter machen, oder?

Lucas: Wenn es so kommen sollte, ist alles richtig beschrieben, ich finde seine Einstellung dann für so einen jungen Burschen beeindruckend, dass er damit sicherlich nicht den einfachen Weg geht und sich weiterhin den Zielen von Rot-Weiss anschließen möchte. Ich als Vater habe ihm davon abgeraten.

Trotz des baldigen Abschieds haben Sie ja noch beste Einsichten, wie sich der Verein für die Zukunft, auch finanziell, ausrichten wird. Wo sehen Sie Rot-Weiss in zwei oder drei Jahren?

Lucas: Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass wir als Verein, hier insbesondere Marcus Uhlig und der Aufsichtsrat, eine hervorragende Basis geschaffen haben, um in der Zukunft mit den handelnden Personen Karsten Neitzel und Jörn Nowak erfolgreich zu sein.

Wie sieht die sportliche Zukunft von Jürgen Lucas aus? Wird man dort in absehbarer Zeit Klarheit haben?

Lucas: Mein Ziel ist es, bis Ende Mai meine eigene Zukunft geklärt zu haben, am liebsten bei Rot-Weiss Essen, aber ich habe schon mehrfach betont, es muss auch für beide Seiten Sinn machen und passen.

Und sollten sich die Wege dann doch trennen: Wie wird der RWE-Fan Jürgen Lucas die Spiele verfolgen? Getarnt in der Westkurve oder aus der Ferne bei sporttotal.tv?

Lucas: Ich bin schon eher der Stadionmensch; egal, wo ich arbeiten werde, wird mich der Weg immer wieder zur Hafenstraße führen.

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