Niederrheinpokal

Für RWE ist es noch ein weiter Weg bis nach Berlin

Letzte Ausfahrt Düsseldorf? Um RWE-Coach Argirios Giannikis ist es in den letzten Tagen ziemlich einsam geworden.

Foto: Thorsten Tillmann

Letzte Ausfahrt Düsseldorf? Um RWE-Coach Argirios Giannikis ist es in den letzten Tagen ziemlich einsam geworden. Foto: Thorsten Tillmann

Der Einzug ins Halbfinale hing für RWE lange Zeit am seidenen Faden. Bei einigen Spielern war fehlende Körperspannung offensichtlich.

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Doch, der mühsame Pokalsieg in Düsseldorf hatte an diesem bitterkalten Fußballnachmittag auch seinen amüsanten Moment: „Ohne Agi fahrn wir nach Berlin“, frohlockten die RWE-Fans kurz nach der 1:0-Führung in Richtung scheidendem Trainer, dessen Haltbarkeitsdatum bei RWE bald abgelaufen sein dürfte. Es war der nettere von zwei Sprechchören, für den zweiten musste man sich mal wieder fremdschämen.

In der Folgezeit rumpelte und quietschte der RWE-Express aber erst einmal Richtung Niederrheinpokal-Halbfinale. Und hätte Marcel Lenz in der 120. Minute der Verlängerung nicht blitzschnell bei einem Schuss des Düsseldorfers Christopher Krämer aus kurzer Distanz beide Fäuste hochgerissen, bliebe dem RWE-Tross für den Rest der Saison nur noch Überlandfahrten nach Wegberg-Beeck oder Rhynern als „Highlights.“

Viele falsche Entscheidungen getroffen

„Wir sind eigentlich gut ins Spiel gekommen, haben dann aber viele falsche Entscheidungen getroffen und den Gegner stark gemacht. In der zweiten Halbzeit hätten wir mit dem Elfmeter alles klar machen können, so wurde es am Ende doch noch ein Nervenspiel“, resümierte Trainer Giannikis, der zuvor RWE-Spiele auch schon einmal emotionaler verfolgt hat.

Jedenfalls war sein Team zum letzten Pflichtspiel-Auftritt im vergangenen Jahr, beim 2:0-Auswärtssieg bei der U23 des 1. FC Köln, nicht wieder zu erkennen, was nur bedingt am unterklassigen Gegner und am katastrophalen Zustand des Rasens am Flinger Broich gelegen haben mag. Das Alibi wurde Benjamin Baier jedenfalls bei vielen ruhenden Bällen (Freistößen) entzogen, die schlecht bis gar nicht vors TuRu-Tor kamen, nach seiner allerdings vorzüglichen Vorlage zum 1:0 kam nicht mehr viel bis gar nichts vom Kapitän. Bis auf den verlorenen Ball im Elfmeterschießen, den sie Montagmorgen auf einer Düsseldorfer Landebahn gesichtet haben wollen.

Trotz aller Beteuerungen an der Hafenstraße, wie professionell alle Beteiligten mit der augenblicklichen Hängepartie in der sportlichen Leitung umzugehen gedenken, war bei einigen Akteuren ein deutlicher Abfall der Körperspannung nicht zu übersehen. Die Mannschaft scheint im Moment für einen frischen Impuls von außen nur zu empfänglich, und der Zeitpunkt bis zum nächsten Pflichtspiel am 16. Februar (gegen Bonner SC) scheint ideal für einen Kommandowechsel. Ansonsten könnten die jetzt noch zaghaften Missfallenskundgebungen im Stadion Essen sicherlich ein ganz anders Ausmaß annehmen.

Mit einer Hand am letzten Elfmeter

Aber es gab auch einen echten Gewinner an diesem trüben Pokalnachmittag: An der Stätte, an der mit Dennis Lamczyk schon mal ein rot-weisser Elfmeterheld geboren wurde, schickte sich Marcel Lenz, äußerlich seinem Vorgänger zumindest von der Haarfarbe ähnlich, an, ihn zu beerben. „Nach den ersten zwei gehaltenen Elfmetern dachte ich eigentlich, das müsste reichen, dann musste ich sogar noch einen dritten halten – aber dafür bin ich ja da“, grinste der Vertreter von Robin Heller, der sich nun sogar zarte Hoffnungen auf einen Einsatz in der Rückrunde machen darf. Nicht zu beschreiben war auch für ihn die Szene beim letzten Strafstoß, als er schon im Liegen mit einer Faust parierte: „Einfach ein geiles Gefühl“, strahlte er und schickte die Fans wenigstens mit einem guten Gefühl nach Hause.

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