Corona-Verordnung

Essen: RWE-Spieler wollen Beruf ausüben - Tusem muss sparen

Vorbildlich: RWE-Vorstand Marcus Uhlig hält sich an die Corona-Auflagen.

Vorbildlich: RWE-Vorstand Marcus Uhlig hält sich an die Corona-Auflagen.

Foto: Thorsten Tillmann

Essen.  Essener Profiklubs blicken in eine ungewisse Zukunft. Rot-Weiss Essen droht Spielpause, Tusem-Handballer beklagen fehlende Zuschauereinnahmen.

Der Sport hierzulande macht ab nächsten Montag für einen Monat wieder eine Vollbremsung, die Essener Profiklubs sehen die Entwicklung mit Sorge und blicken wieder einmal in eine ungewisse Zukunft.

Rot-Weiss Essen wartet auf Einstufung der Regionalliga

An der Hafenstraße steigt von Stunde zu Stunde die Nervosität, gespannt wartet man beim Fußball-Regionalligisten Rot-Weiss Essen darauf, ob die Partie am kommenden Samstag beim FC Schalke 04 (15.30) die vorläufig letzte sein wird. „Das ist ein rein politisches Thema, die Drähte zwischen NRW-Staatskanzlei und Fußballverband glühen heiß“, so RWE-Vorsitzender Marcus Uhlig am Donnerstagmittag, der die Chancen mit „Fifty-Fifty“ bezeichnet und mit einer Entscheidung eher am Freitag rechnet.

Eins steht für den RWE-Verantwortlichen fest: Wenn es zu einer Spielpause auch in der Regionalliga kommen sollte, dann sicher auch für November und Dezember, „alles andere würde ja keinen Sinn machen“, so Uhlig. Und dann hätte zum Beispiel der DFB das nächste Problem: Am 22./23. Dezember soll die zweite DFB-Pokalhauptrunde stattfinden, was passiert dann mit den Klubs, die sich im Lockdown befinden, die Rot-Weissen sind ja noch mit im Lostopf?

Verein ist wie ein mittelständisches Unternehmen

Dass RWE wie ein Profiklub, ja wie ein mittelständisches Unternehmen zu behandeln sei, das steht für Uhlig außer Frage: „Wir sind Arbeitgeber für 150 Leute, zahlen 400.000 Euro für die Berufsgenossenschaft.“ Gegen härtere Schutzregeln sei ja nichts einzuwenden: „Wenn wir wieder ohne Zuschauer spielen müssen, okay, aber lasst uns doch unseren Beruf ausüben“, richtet er seinen Appell an die Politik.

Dass die städtischen Anlagen für jedweden Sportbetrieb geschlossen sind, stellt das kleinere Problem da. Mit der Stadt Essen wäre eine Ausnahmegenehmigung schon geklärt: Für die gesamte Anlage Hafenstraße, für die Seumannstraße sowie das Sportgelände am Hallo (dort spielen die Jugendmannschaften ihre Bundesligaspiele).

Tusem Essen hat beim Etat konservativ kalkuliert

Wenn der Handball-Bundesligist Tusem Essen am Samstag den HC Erlangen am Hallo zum zweiten Heimspiel der Saison empfängt (18.30 Uhr), werden die Tribünen wie schon zur Premiere gegen Balingen-Weilstetten verwaist sein. Zuschauer sind wieder nicht erlaubt. Und Tusem-Geschäftsführer Niels Ellwanger befürchtet sogar, dass sich daran bis Ende März nichts ändern wird.

Dann hätte der Aufsteiger laut Plan elf Heimspiele absolviert und gut 200.000 Euro verloren. Bei einem Etat von etwa zwei Millionen eine erhebliche Summe. „Dabei haben wir schon sehr konservativ kalkuliert“, betont Ellwanger. „Aber die Lage hat sich zuletzt dramatisch verschlechtert.“

Als noch Optimismus herrschte auf der Margarethenhöhe, hatten sie für die Halle am Hallo ein Hygienekonzept für bis zu 1000 Zuschauern erstellt. Und mit viel mehr rechnet Ellwanger auch nicht, wenn die Corona-Fesseln im nächsten Jahr wieder gelockert würden. Klar, dass da die Rechnung nicht aufgehen wird, dass man bei der Etatplanung nachbessern muss. „Zum Glück sind uns aber die Sponsoren super entgegengekommen.“

Selbst Spielergehälter stehen wohl zur Diskussion

Der Tusem wird Staatshilfe beantragen, trotz allem muss der Klub sparen, wo es möglich ist: die Jugend- und Amateur-Abteilung ist bereits im Lockdown, auch in der Geschäftsstelle brennt die Sparflamme. Und ja, über die Spielergehälter müsse man prinzipiell ebenfalls reden, sagt Ellwanger, obwohl er das mit allen Mitteln verhindern wollte.

Der Tusem hat sich die Rückkehr in die 1. Liga natürlich ganz anders vorgestellt. „Wir freuen uns trotzdem noch immer“, sagt Ellwanger. „Es ist aber richtig schade, dass keine Zuschauer dabei sein können.“

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