RWE-Kolumne

Die RWE-Fans hatten keine Zeit für das „Trainer-Bingo“

Die Fans in der Westkurve an der Hafenstraße 97a.

Die Fans in der Westkurve an der Hafenstraße 97a.

Foto: Michael Ketzer/FFS

Essen.  Der schnellste Trainerwechsel in der Trainer-Geschichte von Rot-Weiss Essen hat für Aufsehen gesorgt. Die näheren Umstände bleiben etwas dubios.

Es ist 23:30 Uhr auf dem Rastplatz Cappeln-Hagelage Ost auf der A1, halbe Strecke zwischen Essen und Hamburg gelegen. Sanfte Nebelschwaden ziehen über die angrenzenden Felder, die Trucker ziehen sich ihr Schlafshirt an. Die letzte Zigarette ist geraucht, der letzte Smalltalk gehalten. Es gilt die Ruhezeiten einzuhalten, bevor es wieder auf die Bahn gehen darf. Keine außergewöhnlichen Vorkommnisse also.

Somit bekommt auch keiner mit, als ein Wagen mit Essener Kennzeichen leise auf den Rastplatz rollt und die Lichthupe zweimal betätigt. Aus dem Dunkeln heraus blinkt als Antwort zweimal die Lichthupe, und wie von Geisterhand gesteuert rollt aus dem Unterholz ein Fahrzeug der gehobeneren Klasse mit Kennzeichen HH dem Wagen mit Essener Kennzeichen entgegen. Ein Fenster öffnet sich langsam und ein leises „Marcus?“ ist zu hören. Gegenüber geht eine Autotür. Ein Mann steigt aus, schüttelt sich vom langen Sitzen vergeblich die vierte Liga aus den Beinen und antwortet ebenso leise „Christian?“….

Der schnellste Trainerwechsel in der wechselhaften Geschichte

Natürlich hat er sich nicht so zugetragen, dieser wohl schnellste Trainerwechsel in der wechselhaften (Trainer-)Geschichte von Rot-Weiss Essen. Lag der Fokus für den Monat Juni weiter klar auf spannende Neuverpflichtungen für die Mannschaft, so erfolgte der Wechsel von Karsten Neitzel zu Christian Titz dermaßen geräuschlos und im Verborgenen, so dass das anfangs erwähnte fiktive Szenario durchaus so hätte stattfinden können. Sicher, Karsten Neitzel stand ob der Punkteausbeute der vergangenen Saison in der Kritik, besonders nach jenem traumhaften Start. Und doch musste und wollte die neue Saison ja geplant werden, arbeitete man im Verein doch gerne mit Karsten Neitzel, schätzt ihn als Fachmann und Mensch.

Zudem gab es ja diese unerwartete Option, für Spieler etwas tiefer in die Tasche greifen zu können, was das gewisse Mehr an Qualität auf dem Feld bedeuten könnte. Aber: Unterschwellig (medial) bis ganz offen (Tribüne) bekam der Trainer Neitzel den „Rucksack“ der vergangenen Saison einfach nicht pünktlich zur neuen abgeschnallt, wirkte angezählt. Für ihn als Trainer kein „Reset“, wie es bei der Mannschaft praktiziert wurde. Er hätte die Belastung mitgenommen. Angezählt schon zu Saisonbeginn: Keine wirklich gute Ausgangsposition für den angekündigten Neustart.

Diesmal kam der Hochdruckreiniger zum Einsatz

Und somit wurde nicht einfach nur durchgefegt, sondern es kam direkt der Hochdruckreiniger zum Einsatz um klar Hafenstraße zu machen. Und mit Hochdruck wurde dann auch an der Nachfolge gearbeitet. Uns Fans wurde nicht einmal angemessen Zeit für das so beliebte „Trainer Bingo“ gelassen. Klar, schnell wurden in der Kürze der Zeit einige Namen in den Foren gehandelt, aber keine Spur schien diesmal heiß genug. Dabei gibt es doch eigentlich immer jemanden mit ganz besonders heißer Quelle.

Der Name Christian Titz überraschte dann aber doch, war er doch in seiner letzten Station noch etwas höherklassiger unterwegs. Wenn auch nicht sehr lange, was aber kein Kriterium sein muss: Am HSV verzweifelt schließlich jeder. Möglicherweise hatte nun ein uns nicht ganz unbekannter Waldemar Wrobel hier die Kontaktaufnahme ermöglicht, haben Christian Titz und er gemeinsam den Fußballlehrer gebaut. Lieber Karsten Neitzel: Alles Gute und Danke! Lieber Christian Titz: Herzlich willkommen. Wir sind gespannt, ob wir das alle zusammen hinbekommen. Es ist an der Zeit!

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