Fußball-Oberliga

Die Erinnerungen nimmt ihm keiner

Immer noch ein Vorbild an Einsatz:  Markus Heppke (rechts).

Immer noch ein Vorbild an Einsatz: Markus Heppke (rechts).

Foto: Thorsten Tillmann

  Markus Heppke hat in seinem Fußballerdasein schon ganz andere Zeiten erlebt. Der Essener Junge fühlt sich in Schonnebeck gut aufgehoben.

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Zwischen 2011 und 2014 konnte es im Presseraum des Georg-Melches-Stadions vor den RWE-Spielen mitunter recht ungemütlich werden. Immer wieder bollerte, klackte und knallte es nebenan. Irgendwann stellte sicher heraus, dass die Lärmquelle in der angrenzenden kleinen Turnhalle im Bauch der Tribüne lag. Dort machte sich Markus Heppke vor den Spielen individuell warm. Jetzt ist der Mittelfeldspieler zurück in Essen. Allerdings nicht bei RWE, sondern bei der SV Schonnebeck.

Heppke muss lachen, als er die Anekdote aus der Turnhalle hört. „Ich versuche immer, vor dem eigentlichen Warmmachen mit der Mannschaft Spannung aufzubauen“, erklärt der 30-Jährige. „Die Turnhalle im Stadion war da perfekt. Da standen ein paar alte Sportgeräte, wahrscheinlich noch aus Rahns Zeiten. Da konnte ich die Muskeln vorwärmen und ein paar Pässe spielen. Das war dann nebenan wohl etwas lauter.“

Jetzt bei der SV Schonnebeck ist alles ein paar Nummern kleiner als bei RWE, eine eigene Turnhalle gibt es erst recht nicht. Aber Schonnebecks Nummer sechs ist begeistert von seinem neuen Verein, bei dem er für zwei Jahre als Spieler und Co-Trainer unterschrieben hat. Die Mannschaft findet er gerade in technischer Hinsicht stark. Drumherum fühlt er sich schon jetzt sehr wohl: „Hier ist alles familiär. Schon ein, zwei Stunden vor dem Training sind Leute hier, jeder grüßt sich, man gibt sich die Hand und unterhält sich. Es ist so, wie es sich gehört.“ Vor allem aber gefällt Heppke, wie bodenständig sein neuer Klub ist: „Hier wird kein unnötiger Druck aufgebaut. Der Verein wächst mit sehr viel Bedacht.“

Der „Essener Jung“ kann es beurteilen. Auch als er bei Schalke, Oberhausen, Wuppertal und nach RWE bei Hönnepel-Niedermörmter spielte, beobachtete er, was sich in der Amateurfußballszene seiner Heimatstadt tat – und verfolgte den Aufstieg der SVS von der Kreisliga A in die Oberliga. Über die Jahre näherten sich Heppke und die SV Schonnebeck von der Ligazugehörigkeit an. Heppke durchlief die Jugend-Nationalmannschaften, spielte mit dem FC Schalke in der Allianz-Arena, später mit Oberhausen in der zweiten Liga und als Kapitän für RWE (Heppke: „Ein geiler Verein, auch gut geführt. Hier leben die Fans für den Klub.“)

Das klingt nach schleichendem Abstieg. Aber Heppke stellt klar: „Ich bereue keinen Schritt. In was für Stadien ich gespielt habe – diese Erinnerung kann mir keiner nehmen. Natürlich war ich nah dran. Aber hätte ich sonst so viele Zweitligaspiele gemacht, oder so eine sensationelle Zeit bei Rot-Weiss erlebt?“ Tatsächlich ist Heppke ein Sinnbild, wie klein das Fenster für den absoluten Durchbruch als Fußballer ist. Als er sich mit Anfang 20 an der Schulter verletzte und sechs Monate ausfiel, stand in Schalke schon der nächste Jahrgang mit Mesut Özil und Benedikt Höwedes bereit.

Als Physio im Krupp-Krankenhaus

Heute ist sind die beiden Weltmeister. Heppke arbeitet als Physiotherapeut im Krupp-Krankenhaus, spielt bei der SV Schonnebeck – und ist damit sehr glücklich: „Wir mussten gar nicht lange quatschen, bis es mit dem Wechsel gepasst hat. Es ist schön, wieder in Essen, in meiner Umgebung zu spielen. Es passt auch mit meinem Examen. Ich freue mich schon auf die nächsten beiden Jahre.“ Nur einen Platz für sein Aufwärmprogramm muss er noch finden.

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