Hallenfußball

Der GTSV Essen strebt ohne Worte nach Erfolg

Körpersprache und Gestik sind der Schlüssel zum Erfolg beim Gehörlosen TSV Essen.

Körpersprache und Gestik sind der Schlüssel zum Erfolg beim Gehörlosen TSV Essen.

Foto: Michael Gohl

Der Gehörlosen TSV Essen mischt als B-Ligist mit besonderem Handicap die Hallenstadtmeisterschaft auf. Zwischenrunde am Wochenende.

Die Gesten müssen sitzen, wenn Benjamin Christ mit seiner Mannschaft kommuniziert. Schnell muss er anzeigen, was er auf dem Feld umgesetzt haben möchte. Gerade beim Hallenfußball ist das wichtig, wo die Handlungsschnelligkeit doch noch viel wichtiger ist als draußen auf dem großen Feld. Denn Benjamin Christ trainiert keine gewöhnliche Essener Fußballmannschaft. Er ist für den Gehörlosen TSV Essen verantwortlich – den deutschen Meister bei den Gehörlosen und B-Kreisligisten im Regelbetrieb. Bei der Hallenstadtmeisterschaft hat der GTSV den Sprung in die Zwischenrunde geschafft.

Der Blickkontakt zwischen den Spielern ist das A und O. Mit Zeichen verständigen sie sich, geben einander Anweisungen. Daran muss sich auch Christoph Beyer noch gewöhnen. Der 35-Jährige gehört seit wenigen Wochen zum Team, ist der Einzige mit gesundem Hörorgan. „Es ist natürlich eine besondere Herausforderung. Hier in der Mannschaft bin ich der Außenseiter. Aber die Jungs haben mich gut aufgenommen, und ich bin dabei, die Gebärdensprache zu lernen“, sagt Beyer. Solange er die nicht beherrscht, helfen einfache Zeichen; wenn er mit den Mitspielern spricht, schaut er sie direkt an: „Dann können sie einiges von meinen Lippen ablesen.“

Drei Bezirksligisten warten am Sonntag

Für Marko Jurilj, der in der Verteidigung direkt vor Beyer agiert, ist der Austausch mit dem Torsteher während des Spiels wichtig. „Ich habe ihn immer mit einem Auge im Blick“, erklärt er. Überhaupt ist das Sehen beim GTSV besonders wichtig.

Am vergangenen Wochenende startete das Team mit einer Niederlage in die Vorrunde, danach gelangen aber noch ein Unentschieden und ein Sieg. „Am Hallo dabei zu sein, das wäre schön“, hatte Simon Falke noch nach der Auftaktniederlage gesagt. Dieses Ziel haben die Jungs erreicht. Am Sonntag treten sie in Gruppe 7 ab 15 Uhr gegen den SC Frintrop 05/21, die DJK Winfried Kray und die SG Kupferdreh-Byfang an. Im Vergleich mit den drei Bezirksligisten ist der GTSV in der Außenseiterrolle, der Einzug in die Runde der letzten 16 wäre eine große Überraschung.

„Wir haben viel Spaß, wenn wir in der Halle spielen. So viele Zuschauer sind da, das erleben wir nicht alle Tage“, beschreibt Benjamin Christ das besondere Gefühl für den B-Ligisten, der an den ersten beiden Turnier-Wochenenden die Zuschauer begeisterte.

Abstimmung vor dem Spiel

Die Vorbereitung auf die drei Spiele wird dabei wie immer ablaufen – nämlich besonders präzise. Schon in der Kabine werden Standardsituationen genau abgesprochen, auch wie die Mauer gestellt wird, steht vorher fest. Alles, damit auf dem Feld so wenig wie möglich kommuniziert werden muss. „Auch im Training besprechen wir vieles schon in der Kabine, auf dem Platz machen wir dann meist einen großen Kreis, und der Trainer zeigt in Gebärdensprache, was gemacht werden soll“, sagt Simon Falke. Torhüter Christoph Beyer muss sich daran noch gewöhnen. Aber mit jedem Training, mit jedem Spiel findet er sich in der Mannschaft besser zurecht. Morgen kommen drei weitere dazu – in der Halle, die für den GTSV eine besondere Bühne darstellt.

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