Frauenfußball

Der Frauenfußball dient den Männern als Vorbild

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Macht gerne mit bei der Kampagne der "11 Freunde": Irini Ioannidou von der SGS Essen.

Macht gerne mit bei der Kampagne der "11 Freunde": Irini Ioannidou von der SGS Essen.

Foto: Michael Gohl / FUNKE Foto Services

Essen  Irini Ioannidou und Jana Feldkamp beteiligen sich an der Aktion "Ihr könnt auf uns zählen" und machen auf ein Tabuthema aufmerksam.

Homosexualität ist im Profifußball immer noch ein großes Tabu-Thema. Die Angst vor Ausgrenzung und Anfeindung ist offenbar so groß, dass ein offener Umgang aktuell fast undenkbar scheint. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass es heute keinen einzigen offen schwulen Fußballer in den deutschen Profiligen gibt.

11-Freunde-Aktion "Ihr könnt auf uns zählen"

Um auf diesen Missstand hinzuweisen und gleichzeitig für mehr Toleranz und Akzeptanz in der Gesellschaft zu werben, rief das Magazin „11 Freunde“ nun die Aktion „Ihr könnt auf uns zählen“ ins Leben. 800 Fußballer sichern dabei ihre Solidarität zu. Neben Stars wie Max Kruse oder Christoph Kramer gehören auch die Kapitäninnen Irini Ioannidou und Jana Feldkamp stellvertretend für den Frauen-Bundesligisten SGS Essen dazu.

„Jana hat uns von der Kampagne erzählt und wir wollen damit zum Ausdruck bringen, dass wir voll und ganz hinter dieser Botschaft stehen“, erklärt Ioannidou, während sich ihre Teamkollegin auf einer Länderspielreise befindet: „Man sollte jeden Menschen so respektieren, wie er ist. Da sollte es keine Rolle spielen, wenn man liebt. Mensch ist Mensch.“

Öffentliche Wahrnehmung sind anders aus

Der Frauenfußball kann dabei den männlichen Kollegen sogar als Vorbild dienen. Denn Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung einer Spielerin ist hier – zumindest in der Kabine - wohl die absolute Ausnahme.

„Mir ist noch kein Fall bekannt. Es interessiert bei uns niemanden, ob du auf Frauen oder Männer stehst“, sagt die Deutsch-Griechin. In der öffentlichen Wahrnehmung allerdings sieht es mitunter schon ein wenig anders aus.

Frauenfußball wurde in eine Schublade gesteckt

Ioannidou kann sich noch gut an ihre Anfangsjahre in der Eliteliga erinnern: „Wenn ich damals fremden Personen erzählt habe, dass ich in der Bundesliga spiele, kamen oft Kommentare wie: Das sind doch alles Mannsweiber. Oder: Die stehen doch eh alle auf Frauen. Der Frauenfußball wurde sofort in eine Schublade gesteckt.“

Zum Glück aber hat sich diese Wahrnehmung in den vergangenen Jahren deutlich zu mehr Offenheit entwickelt. Dass Homosexualität hier zur Normalität gehört, bewies auch eine frühere Essenerin: Ursula Holl heiratete 2010 als damalige Nationalspielerin ihre langjährige Lebensgefährtin im Beisein von TV-Kameras. Ein Jahr später wechselte sie vom FCR Duisburg zur SGS. Bei beiden Stationen gehörte Ioannidou zu ihren Teamkolleginnen.

Männer sind deutlich in Rückstand geraten

Vor dem Hintergrund dieser gelebten Toleranz im Frauenfußball sind die männlichen Kollegen deutlich in Rückstand geraten. Das Bild, das die Gesellschaft von einem Profifußballer habe, so Ioannidou, passe schlicht nicht mehr in unsere Zeit.

„Die Vorbildfunktion und das Weltbild des Fußballs oder des Fußballers wären durch Homosexualität gestört. Gerade im Männerfußball wurden über Jahre Normen und Werte vorgegeben und vorgelebt, die nicht mehr zeitgemäß sind.“

Hitzlsperger bekannte sich erst nach der Karriere offen

Dazu passt, dass sich in Thomas Hitzlsperger 2014 zwar auch ein prominenter Kicker offen zu seiner sexuellen Orientierung bekannte. Aber eben erst nach der aktiven Karriere. Ob Ioannidou einer Kollegin oder einem Kollegen zum öffentlichen Coming-out raten würde, kann sie nicht pauschal sagen. „Das sollte jeder für sich selbst entscheiden und sich nicht gezwungen fühlen, es tun zu müssen“, findet die 29-Jährige. „Aber verstecken sollte sich niemand davor, zu zeigen, wer man ist und wen man liebt.“

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