Schwimmen

Corona: Bad bleibt zu: Ausnahmeantrag der SG Essen abgelehnt

Auch für Lisa Höpink gestaltet sich die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele schwierig.

Auch für Lisa Höpink gestaltet sich die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele schwierig.

Foto: Thomas Stuckert

Essen.  In Rüttenscheid können die Schwimmer der SG Essen nicht trainieren. Verschiedene Optionen werden geprüft – Olympia-Vorbereitung wird zur Farce.

Die Diskussion um die Olympischen Spiele in Tokio verbreitet sich in diesen Tagen so schnell wie das Coronavirus. Soll oder kann das Vier-Jahres-Event in diesem Sommer überhaupt stattfinden?

Der Aktivensprecher, Säbel-Fechter Max Hartung, hat am Samstag im Aktuellen Sportstudio des ZDF die Debatte mit seinem persönlichen Verzicht befeuert. Die Münchener Top-Schwimmerin Alexandra Wenk hatte zuvor deutlich Stellung bezogen: „Ich würde es herzlichst begrüßen, wenn die Olympischen Spiele verschoben werden. Sie wären in dieser Situation absurd und völlig irrelevant.“

SG Essen spricht von unfairen Trainingsbedingungen

Unabhängig vom gesundheitlichen Risiko, das Ende Juli noch immer bestehen könnte, wird die Vorbereitung für manche Athleten zur Farce. Die Asse der Startgemeinschaft Essen (SGE) wissen sehr wohl, was gemeint ist, wenn von unfairen Bedingungen oder fehlender Chancengleichheit die Rede ist.

Vor einer Woche hatte die SGE als Ausrichter die Swim Fun Days am letzten Wettkampftag abgebrochen. Seither sind die Türen des Leistungszentrums in Rüttenscheid dicht. Am Bundesstützpunkt ist kein Training mehr erlaubt. Cheftrainerin Nicole Endruschat hat ihre Asse nach Hause geschickt, wo jeder für sich die neuen Trainingspläne abarbeitet. Kraft, Ausdauer, Flexibilität – mehr geht nicht. Trockenübungen, das Wassertraining sei aber durch nichts zu ersetzen, weiß die Trainerin.

Antrag auf Ausnahmegenehmigung wurde abgelehnt

„Wir hatten direkt nach der Schließung des Bades einen Antrag für eine Ausnahmegenehmigung gestellt“, sagt Endruschat. Nur sechs bis acht Aktive hätten demnach gemeinsam dort trainiert. Abgelehnt. An Stützpunkten wie Hamburg oder Berlin wiederum gibt es solche Sonderreglungen. „Das nervt natürlich zusätzlich“.

NRW beanspruche für sich, Sportland Nummer eins zu sein. Ein Viertel aller Bundeskader-Athleten sollten aus NRW kommen, so das offizielle Selbstverständnis. „Das passt gerade alles nicht zusammen“, findet Endruschat. Und klar ist auch: „Je länger die Pause, desto länger dauert es, bis man wieder seine Topleistung bringen kann.“

Verteilung der NRW-Athleten auf andere Stützpunkte möglich

Der Deutsche Schwimmverband hatte versprochen, es werde „...gemeinsam mit den regionalen Partnern die Sicherung des Schwimm-Trainings an den Bundesstützpunkten für die Olympia- und Perspektivkader durch Sonderanträge bei den Behörden angegangen“. Eine Verteilung der NRW-Athleten auf einen anderen Stützpunkt könnte eine Option sein.

„Wir sind in Gesprächen, ob unsere vier Leute eventuell nach Berlin gehen“, sagt Endruschat. Aber erst Corona-Test, dann noch eine Woche Quarantäne als obligatorische Vorsichtsmaßnahmen. „Da fragt man sich, ob ein Wechsel überhaupt sinnvoll wäre.“

Deutsche Meisterschaften in Berlin finden nicht statt

Die Deutschen Meisterschaften sind bereits abgesagt. Dort wollten die Essener Damian Wierling, Poul Zellmann, Max Pilger und Lisa Höpink ihren olympischen Traum realisieren und die Norm erfüllen. Mit der DM sollte dann auch das Zeitfenster für die Olympia-Qualifikation geschlossen werden. Ob die Titelkämpfe zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden, ist nun offen. Man werde versuchen, einen Alternativtermin zu finden, so der DSV.

Damian Wierling schien zunächst alles richtig gemacht zu haben. Er besuchte in San Diego seinen Kumpel, den Kurzbahn-Europameister Marius Kusch, der die Olympia-Norm über 100m-Schmetterling bereits erfüllt hat. Wierling trainierte dort für zwei Wochen im dortigen Eliteteam. Doch das Virus grassiert auch in Kalifornien, wo es mittlerweile ebenfalls Ausgangsbeschränkungen gibt. Ende vergangener Woche stand dann auch Wierling vor verschlossener Hallentür.

Wierling zweifelt Stattfinden der Olympischen Spielen an

Es stelle sich natürlich auf lange Sicht die Frage, sagte das SGE-Ass dieser Zeitung, „wofür das jetzt alles gut ist. Ich bin sehr gespannt, wie sich das alles entwickelt. Ich kann mir auch ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass die Olympischen Spiele dieses Jahr stattfinden werden.“

Gleichwohl haben sie bei der SGE noch nicht resigniert. „Die Stimmung ist überraschend positiv, die Zusammenarbeit auch sehr konstruktiv“, lobt Nicole Endruschat. „Alle geben Gas, keiner steckt den Kopf in den Sand. Wie lange das anhält, weiß ich aber nicht.“ Und natürlich fragen auch sie sich immer öfter, ob es nicht besser wäre, die Spiele zu verschieben.

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