Skaterhockey Verabschiedung

Auf Danny Albrecht konnten sich die Rockets immer verlassen

Verabschiedung: Rockets-Chef Thomas Böttcher, Danny Albrecht und dessen ehemaliger Mitspieler Peer Scheiff.

Verabschiedung: Rockets-Chef Thomas Böttcher, Danny Albrecht und dessen ehemaliger Mitspieler Peer Scheiff.

Foto: Michael Gohl

Essen.  Der Essener Skaterhockey-Bundesligist verabschiedete Danny Albrecht. Der ehemalige Eishockey-Profi war elf Jahre lang eine Führungspersönlichkeit.

Es war ein erfolgreicher Spieltag. Die Wohnbau Rockets hatten das Derby gegen Duisburg mit 8:4 gewonnen und die Tabellenspitze in der Skaterhockey-Bundesliga erobert. Der Wellblechpalast an der Raumerstraße, die Hausherren sprechen auch gerne mal von Hockey-Arena, leerte sich, während einige Spieler halb abgerüstet zum Grill schlenderten. Als Alexander Weiss seinen ehemaligen Teamkollegen Danny Albrecht (34) an der Bande stehen sah, umarmte er ihn herzlich: „Meeeensch, ich hätte nie geglaubt, dass ein Ossi als Erster bei uns unters Hallendach kommt.“

Der gebürtige Sachse ist im Ruhrgebiet heimisch geworden

Beim Eishockey ist es guter alter Brauch, die Trikots der Ikonen in den Hallenhimmel zu hängen. Eine Ehre, ein Auszeichnung für die Ewigkeit, die ganz besonders verdiente Vereinsgrößen erfahren. Das ist Danny Albrecht zweifelsohne und deshalb pflegen nun auch die Essener Hockeyskater dieses Ritual. Elf Jahre war Albrecht bei den Rockets, gewann in dieser Zeit acht nationale und internationale Titel. Danny Albrecht war eine Leitfigur und wird es bleiben.

Er stammt aus dem sächsischen Weißwasser. Wenn man ihn fragend anblickt, grinst er nur und antwortet mit einem Wortspiel: „Wer Weißwasser kennt, der weiß, was er kennt.“ Ist aber auch egal, denn im Ruhrgebiet ist Danny Albrecht längst sesshaft geworden. Ein Trikot ist es zwar nicht, das aufgehängt wird, aber Rockets-Boss Thomas Böttcher ließ eine rote Fahne anfertigen, auf der in weißen Lettern die Erfolge dieser Persönlichkeit gedruckt sind.

Albrecht gewann den Europapokal der Landesmeister (2011), holte dreimal den Europacup der Pokalsieger (2015, 2016, 2017), wurde zweimal Deutscher Meister (2015, 2016) und durfte auch zweimal den nationalen Pokal (2012, 2018) in die Luft stemmen. Eine beeindruckende Bilanz. Vor dem Derby gegen Duisburg wurde Danny Albrecht offiziell verabschiedet, obwohl er doch schon 2018 aufgehört hat. Aber irgendwie ist dieser Mann noch immer dabei.

Ehefrau bei den Moskitos kennengelernt

18 Jahre lang war Albrecht Eishockey-Profi, spielte von 2006 bis 2008 auch in Essen für den ESC Moskitos in der 2. Liga. In dieser Zeit lernte er seine Frau Nadine kennen, die mit den Cheerleadern arbeitete. Mittlerweile haben die beiden zwei Kinder, die sich natürlich auch in der Halle in Frohnhausen tummeln. Sie gehören zur Familie. „Die Raketen sind mir ans Herz gewachsen“, sagt Albrecht. Er liebt genau diese familiäre Atmosphäre, hat hier seine zweite Heimat gefunden. Als Eishockeyspieler zog er von einer Station zur nächsten, blieb nirgendwo länger als zwei Jahre.

Sein aktive Karriere hat Danny Albrecht beendet, doch seit vergangenen September ist er Trainer beim Eishockey-Oberligisten Herner EV. Auch dort schätzen sie ihn. „Er hat in einer schwierigen Phase das Traineramt sehr kurzfristig übernommen. Das alleine verdient schon großen Respekt“, sagt HEV-Geschäftsführer Jürgen Schubert. „Er hat sich mit Akribie und großem Einsatz in seine neue Rolle hineingefunden.“

Eishockeytrainer mit Akribie und großem Einsatz

Dieses Vertrauen haben sie auch beim SHC. „Auf ihn konnte ich mich immer verlassen“, sagt Rockets-Boss Thomas Böttcher. „Tommi hat immer Wort gehalten, also habe ich auch das auch gemacht“, entgegnet Albrecht lapidar. Aber ein Beispiel zeigt, was gemeint ist. Als die Rockets 2016 unmittelbar vor dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft standen, wollte Eishockeyspieler Albrecht unbedingt dabei sein. „Er hatte mit Halle Freitagabend ein Spiel in Braunlage im Harz“, erinnert sich Böttcher. „Wir hatten am Samstag das dritte und entscheidende Spiel in Essen. Danny fragte seinen Trainer nach dem Spiel, ob er für uns auflaufen dürfe.“ Er durfte und düste zurück. Knapp 24 Stunden später war er Deutscher Meister.

Danny Albrecht hat sich seit jeher in die Skaterhockey-Familie an der Raumerstraße eingebracht. Ehrenamtlich versteht sich. Er hat Mannschaften trainiert, mit den Bambini gearbeitet, eine Laufschule angeboten. „Er kann gut mit Kindern, kann es gut vermitteln“, findet Böttcher. Nicht nur das. Als Cheftrainer führte er den Herner EV in der Vorsaison ins Play-off-Halbfinale, es war die erfolgreichste Spielzeit dieses Klubs seit vielen Jahren.

An Engagement hat nie gemangelt. Beim Training war er immer der Erste auf dem Feld. „Weil ich einfach Bock hatte“, sagt Albrecht. Viele sahen in ihm einen Vorzeigeathlet, auf dem Feld heißblütig, außerhalb eher besonnen und reflektiert. Eishockey und Skaterhockey, Danny Albrecht liebt beides. Und kennt den Unterschied genau: „Mit Eishockey habe ich mein Geld verdient, doch nur mit den Rockets habe ich Titel geholt.“

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