56. Innogy Marathon

Am Sonntag läuft wieder der Klassiker am Baldeneysee

Start des 55. Essener Marathons im vergangenen Jahr.

Start des 55. Essener Marathons im vergangenen Jahr.

Foto: Michael Gohl

Essen.   Tusem Essen organisiert den ältesten Marathon Deutschlands noch immer ehrenamtlich. Es ist ein familiäres Event auf idyllischer Laufstrecke.

Die Zeiten haben sich geändert, nur der Streckenrekord von Werner Grommisch, der ist wie in Stein gemeißelt: 2 Stunden, 14 Minuten und 36 Sekunden. So flott war der Essener vor 31 Jahren, doch bis heute ist niemand den Marathon „Rund um den Baldeneysee“ schneller gelaufen. 2003 war‘s mal knapp. Carsten Schütz, ein Burgaltendorfer, der für TV Wattenscheid 01 startete, lief damals dort deutsche Jahresbestzeit von 2:14:56. Doch zumeist verfehlten die Sieger die Bestmarke von Grommisch deutlich.

Streckenrekord von Werner Grommisch hält seit 31 Jahren

„Es hat sich ja alles verändert, außer die Streckenlänge von 42,195 Kilometern, die ist natürlich gleich geblieben“, sagt Grommisch gelassen. Zu seiner aktiven Zeit habe der Marathonlauf noch einen anderen Stellenwert besessen. „Da musste man sich für die Deutschen Meisterschaften qualifizieren, heute musst du froh sein, wenn überhaupt Spitzenläufer kommen.“

Der Zeitgeist bestimmt den Trend. Mal war Marathonlaufen total in und entwickelte sich zu einer Massenveranstaltung, dann wiederum waren kürzere Strecken gefragt. Auch der Tusem hat sich längst darauf eingestellt und die Seerunde (17,4 Kilometer) einführt, die sehr beliebt ist, weil es für die Ausdauersportler nicht die ganz große Keule bedeutet. In diesem Jahr sind bereits 1200 Meldungen für diese „Kurzstrecke“ eingegangen, das sind rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Und hohe Teilnehmerzahlen lassen eine Veranstaltung immer gut aussehen.

Ausrichter Tusem ist stolz auf seinen Traditionslauf

Wenn am kommenden Sonntag um 10 Uhr der 56. Innogy Marathon auf der Freiherr-vom-Stein-Straße gestartet wird, werden sich etwa 2500 Aktive auf den Weg machen. Einem Vergleich mit einem trubligen City-Lauf hält das vom Tusem organisierte Event nicht stand. Das wollen sie in Essen aber auch gar nicht. Sie werben mit familiärer Atmosphäre, mit der natürlichen Schönheit ihrer Strecke. Der Tusem ist stolz auf seinen Klassiker, den ältesten Marathon in Deutschland, der sich in all den Jahren nicht eine Auszeit genommen hat. Und der der allgemeinen Kommerzialisierung zum Trotz bis heute ausschließlich ehrenamtlich organisiert wird.

„Es ist konzeptionell eine ganz andere Veranstaltungen als ein City-Marathon“, sagt Martin Kels, der die Pressearbeit am See übernommen hat und selbst Marathoni ist. Er sei zuletzt in Berlin gelaufen. Tolle Strecke, aber irgendwie durch die Masse auch anonym, findet er. Der Tusem wiederum betont, dass jeder Teilnehmer Aufmerksamkeit erfährt. „Und wenn bei uns einer nicht starten kann, weil er krank geworden ist, dann bekommt er einen Gutschein über sein Startgeld ausgestellt“, betont Gerd Zächaus, 78 Jahre alt und seit der drei Jahrzehnten Organisationschef.

Die Öffentlichkeit zeigt aber oft andere Reflexe bei der Aufmerksamkeit. Die Weltklasseleistungen der afrikanischen Läufer wecken das Interesse. Am Baldeneysee könnten ja auch Top-Zeiten gelaufen werden, das flache Streckenprofil böte ein ideales Pflaster. Doch der Tusem-Marathon ist ein Rennen für ambitionierte Freizeitsportler. Es fehlt das Geld, die Stars der Szene anzuheuern. In Berlin oder Frankfurt sorgen Euros für die Qualität auf der Strecke, in Essen kann man es nicht und will es auch nicht. Auch eine Frage des Profils.

Bei der Organisation ist es ähnlich. Der Viwawest-Marathon im Mai, der in der Nachbarschaft durch vier Städte führt , ist mit vierstelligen Anmeldungszahlen ein riesengroßes Happening. Und wird professionell von einer Agentur vermarktet. Die heimische Industrie engagiert sich, sorgt für ein üppiges Budget. Die Medien springen ebenfalls auf den Zug. Beim Tusem bleibt man bodenständig und ist schon froh, überhaupt beachtet und anerkannt zu werden. „Wir sind im Essener Sport eine echte Institution“, findet Cheforganisator Gerd Zachäus, „der Marathon hat seine Wurzeln hier bei uns am Baldeneysee.“

Klar, ohne Sponsoren geht es auch dort nicht. Die RWE-Tochter Innogy, seit 2016 Namenspatron und Hauptsponsor, hat ihr Engagement bereits für das nächste Jahr zugesagt. „Eine schöne und harmonische Partnerschaft“, findet Pressesprecher Marc Hause. „Ein Drei-Jahresvertrag wäre mir am liebsten“, grinst Zachäus. „Dann könnte ich in Ruhe in Rente gehen.“ Verdient hätte er es auf alle Fälle.

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