Alina Reh sorgte für den Höhepunkt am Hallo

Ausgezeichnet unterwegs: Till Grommisch (gelb) absolvierte seinen ersten 10000-Meter-Lauf auf der Bahn.

Ausgezeichnet unterwegs: Till Grommisch (gelb) absolvierte seinen ersten 10000-Meter-Lauf auf der Bahn.

Foto: Wolfgang Kühnert

Essen.  Die 22jährige Langstreckenläuferin verdeutlichte bei den Deutschen Meisterschaften in Essen ihre Ausnahmestellung. Grommisch mit Debüt zufrieden.

Als der „dicke Wagen“ am Hallo auf den Parkplatz rollte, war sofort klar, dass da nicht ein x-beliebiger Freizeitsportler auftauchen würde. Die Seiten mit Werbung bepflastert und natürlich mit dem Konterfei der Fahrerin: Alina Reh aus Ulm, die Fahrerin, zählt zu Deutschlands Elite der Langstreckler und hat deshalb Gönner, die sie finanziell unterstützen. Auf der Tartanbahn verdeutlichte die 22-Jährige dann später eindrucksvoll ihre Ausnahmestellung.

Natürlich galt die junge Frau bei den Deutschen Meisterschaften am Hallo über die 10.000 Meter als klare Favoritin. Aber allein um den Titel ging es bei ihr nicht. Sie hatte das Ziel höher gesteckt. Es galt, die Norm für die Leichtathletik-Weltmeisterschaften Ende September in Doha (Katar) zu unterbieten. Also schaltete Reh von Beginn an in den Angriffsmodus. Kurz vor Schluss hatte sie dann alle 20 Konkurrentinnen mindestens einmal überholt. Die Meisterin lachte trotz der Strapazen, strahlte erleichtert und badete auf der Zielgeraden im Applaus, der sie bis ins Ziel eskortierte. 31:19,87 Minuten zeigte die Uhr, WM-Norm locker geschafft und nur knapp am deutschen Rekord vorbei. Damit hatte Alina Reh selbst nicht gerechnet.

Höhepunkt war der Hauptlauf der Männer

Es war einer der Höhepunkte an diesem Abend in Stoppenberg. Einen zweiten hatte es zuvor mit dem Hauptlauf der Männer gegeben. Anders als am ziemlich stürmischen Nachmittag war es fast windstill. Aber auf der Bahn stürmten sie los, so dass der Rennbeginn geprägt war von spannenden Positionskämpfen. Die ersten Runden lief Richard Ringer (LC Rehlingen ) noch mit dem Feld mit, dann aber drückte der Favorit auf die Tube und distanzierte die Konkurrenz locker. In 28:28,89 Minuten holte er sich den DM-Titel, die WM-Quali hatte er ohnehin schon vorher geschafft.

Doch wie gut dieses Rennen besetzt war, sollte sich noch zeigen. Als die Uhr auf 30 Minuten umsprang, waren bereits 19 Läufer im Ziel. „Allein vier davon sind unter 29 Minuten geblieben, das ist schon ein dickes Ding“, sagt Cheforganisator Knut Jendruck. Ein solch hohes Niveau hatte es wohl bei einem nationalen Entscheid so noch nicht gegeben. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2018 hatten es nur elf Männer geschafft, unter der 30-Minutengrenze zu bleiben. Da wird wohl Ende des Jahres in der Deutschen Bestenliste sehr oft der Wettkampf in Essen auftauchen.

Die vier Lokalmatadore freuten sich ebenfalls über gute Platzierungen. In Katrin Wand von TLV Germania Überruhr stellte Essen sogar eine Deutsche Meisterin in der Altersklasse W35. Philippe Abraham (LAC THG Kettwig) und Björn Tertünte (Ayyo-Team) lieferten sich einen spannenden Zweikampf. In der Endabrechnung sprang jeweils ein vierter Platz in den jeweiligen Altersklassen heraus, wobei Abraham (34:38,71 Min.) im direkten Vergleich gut zwei Sekunden schneller war. In seinem ersten 10.000-Meter-Lauf auf der Bahn erzielte Till Grommisch (TLV Germania Überruhr ) mit 31:34,75 Minuten eine ausgezeichnete Zeit, die nur zwei Sekunden über seiner Bestzeit auf der Straße liegt. In dem starken Teilnehmerfeld belegte Grommisch als Drittjüngster den elften Platz.

Die Ausrichter sorgten für perfekten Ablauf

„Ich hatte das Gefühl, dass alle sehr zufrieden waren“, zog Knut Jendruck ein erstes Fazit. Der Vorsitzende des Fördervereins Essener Leichtathletik zeichnete gemeinsam mit dem Werdener TB und dessen Vorsitzenden Bernhard Lehmann für die Ausrichtung dieser verantwortlich. Der Zuspruch war nicht nur auf den Meldelisten erstaunlich gut. „Auch für unser Team kamen im Laufe des Tages immer mehr Helfer dazu, dafür kann man sich nur bedanken“, so Jendruck. Zum Abend hin waren es immerhin rund 500 Zuschauer, die sich von den Stadionsprechern auch mal zu einer La Ola animieren ließen.

Und zwischenzeitlich musste der Gastgeber sogar einige Male raus in den Supermarkt, um das Catering-Angebot aufzufüllen. „Am Ende waren wir aber bis auf Kaffee und einige Flaschen Cola abgefrühstückt“, sagt Knut Jendruck. Nicht schlecht, denn auf diese Weise sprang für die Essener Leichtathletik als Belohnung für das Engagement auch ein kleiner Obolus raus.

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