Serie: Der kleine Unterschied

Vertauschte Rollen? Kein Problem!

Veith tanzt lieber Ballett als wie viele andere Jungs Fußball zu spielen

Veith tanzt lieber Ballett als wie viele andere Jungs Fußball zu spielen

Foto: Wibbke Sichelschmidt

Gevelsberg.  „Ich fände es schön, wenn sich die Leute mal von dem Rollendenken lösen“, sagt sie. Wichtig ist der Mutter, dass ihre Kinder Sport treiben.

Veith wirkt in seinen Bewegungen sehr sicher, das harte Training scheint sich für den 6-Jährigen auszuzahlen. Bei der großen Vorführung zur Weihnachtsfeier sticht er im Kreise der anderen Darsteller hervor – nicht nur weil er der einzige Junge ist. Veith tanzt, seine Schwester Sanna spielt Fußball – eine nicht alltägliche Konstellation. Wo sonst von vornerein durch die Eltern vorbestimmt ist, welchen Sport die Kinder treiben, lässt Wibbke Sichelschmidt ihren Kindern die freie Wahl.

Einmal, da erinnert sich die zweifache Mutter Wibbke Sichelschmidt genau, wurde ihr Sohn von einem Vater einer Tanzschülerin ausgelacht als er sich kostümiert für eine Vorführung warm machte. „Den habe ich erst einmal stramm stehen lassen, das geht gar nicht“, sagt die Gevelsbergerin. Dass ihr Sohn tanzt, ist für sie kein Problem. Und auch, dass ihre Tochter gegen den Ball tritt, ist für Sichelschmidt nichts außergewöhnliches.

Weg vom Rollendenken

„Ich fände es schön, wenn sich die Leute mal von dem Rollendenken lösen“, sagt sie. Wichtig ist der Mutter einzig und allein, dass ihre Kinder Sport treiben – und nicht welchen. Und das sie sportlich sind, zeigen die vielen Aktivitäten die sie machen. Veith spielt parallel zum Tanzunterricht noch Handball, Sanna machte bevor sie in diesem Sommer mit dem Fußball anfing auch noch Kung-Fu. Beides nicht die typischen Sportarten, die Frauen oder Mädchen eigentlich machen. „Vielleicht ist sie da auch ein wenig vorgeschädigt“, sagt Mutter Wibbke. Denn sie boxte in ihrer eigenen Jugend.

Ihr Sohn Veith ist einfach begeistert vom Tanzen, mag auch die Farbe Pink lieber als die Farbe Blau. Seitdem er drei ist, ist er in der Ballettschule als einer von zwei Jungs aktiv. Durch eine Freundin aus dem Kindergarten kam er zu dem für Jungs auf den ersten Blick ungewöhnlichen Hobby. Doch wer schon einmal in einem Theater oder der Oper war, weiß dass es durchaus viele Männer gibt, die aus der Leidenschaft Tanz ihren Beruf gemacht haben.

Die Freundin ist inzwischen nicht mehr in der Ballettschule, Veith ist geblieben, „Er macht es einfach, weil er es gerne macht“, sagt seine Mutter Wibbke darüber, dass ihr Sohn etwas gefunden hat, das ihm Spaß bereitet. „Ich sage beiden immer, dass sie nicht auf das hören sollen, was andere sagen. Ich schränke meine Kinder wegen dem Weltbild mancher Menschen nicht ein“, sagt sie.

Das Geschlecht spielt keine Rolle

Sie hat kein Verständnis dafür, dass Jungs Sportarten für Männer und Mädchen Sportarten für Frauen machen sollen. Genau diesen Denkansatz findet sie „ziemlich fürchterlich“ – schließlich ist nicht das Geschlecht wichtig, sondern das was gemacht wird. Genau so bringt Sichelschmidt auch ihren Kindern die Sicht auf das was Menschen tun bei. Das Geschlecht sollte einfach keine Rolle spielen.

Tochter Sanna spielt in Silschede jetzt erst einmal mit einigen anderen Mädchen in einer gemischten Mannschaft mit Jungs zusammen. So wie Alexandra Popp es damals im Waldstadion auch gemacht hat. „Poppi ist auch ihr Vorbild“, sagt Sannas Mutter. Und die ist immerhin seit einem Jahrzehnt Nationalspielerin, inzwischen sogar Kapitänin der DFB-Auswahl. Auch Popp war es in ihrer Jugend ziemlich egal, dass sie mit Jungs spielt. „Geschadet hat es ihr sicher nicht“, sagt Wibbke Sichelschmidt. Womit sie erwiesenermaßen Recht hat.

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