Basketball

Mental gereift nach Schwelm

Daniel Mayr, hier links im Trikot des FC Bayern München gegen Berlins Alex King, ist nach drei Jahren Verletzungspause heiß auf sein Comeback in Schwelm.

Daniel Mayr, hier links im Trikot des FC Bayern München gegen Berlins Alex King, ist nach drei Jahren Verletzungspause heiß auf sein Comeback in Schwelm.

Foto: imago sportfotodienst / imago/Camera 4

Schwelm.  Daniel Mayr gilt lange als eines der hoffnungsvollsten Versprechen im deutschen Basketball. Nun wagt er den Neuanfang bei den EN Baskets.

Die Vorbereitungen auf die Playoffs laufen, das Training ist in der wichtigsten Phase der Saison besonders intensiv. Da wird sich auch in den Übungseinheiten zwischen den Spielen kein Zentimeter geschenkt, jeder Ballbesitz ist hart umkämpft. Für Daniel Mayr ist das normal, der Basketballer in Diensten des FC Bayern München hängt sich immer voll rein, sobald das orangene Spielgerät in der Nähe ist. Mayr gilt als eines der hoffnungsvollsten deutschen Talente, ihm wird der Sprung in die beste Liga der Welt, die nordamerikanische NBA, zugetraut. Doch in diesem Training verändert sich alles für ihn. Die Kniescheibe springt raus, die Einheit, die Playoffs und - wie sich später rausstellen soll - die folgenden Spielzeiten finden ohne ihn statt.

Nach drei Jahren Leidenszeit wagt er nun den Neuanfang -- in der ProB, bei den EN Baskets Schwelm. Der Bonner klingt glücklich, wenn er über das Zustandekommen des Engagements bei den Schwelmern spricht. „Ich bin sehr dankbar, dass Omar und Falk mir diese Chance geben”, sagt Mayr. Mit 24 Jahren ist er immer noch jung, doch drei Jahre ohne Basketball im Wettkampfmodus sind eine lange Zeit. Eben diese drei Jahre verpasste der 2,17 Meter große Center aufgrund der komplizierten Verletzung in der Trainingseinheit während seiner Zeit in München. Das Beispiel Mayr zeigt, wie schnelllebig das Geschäft ist. Gerade noch hochveranlagtes Talent auf dem Sprung in die NBA, nun der dauerverletzte Spieler, dem einige eine Rückkehr nicht mehr zutrauen.

Für ihn selbst war Aufgeben nie eine Option. „Basketball ist mein Leben, seitdem ich laufen kann”, sagt Daniel Mayr. Sein Vater Rolf war Nationalspieler und so war es ihm quasi mit in die Wiege gelegt worden. Talent, Wille und die Leidenschaft für den Sport trafen bei ihm aber auch auf sehr fruchtbaren Boden.

Auf dem Zettel der NBA-Scouts

Schnell entwickelt er sich zu einem der Talente im gesamten Bundesgebiet, spielt für diverse Juniorenauswahlen und landet auf dem Radar der amerikanischen Profiteams. Während seiner Zeit in Jena sitzen immer wieder Scouts am Spielfeldrand, um ihn zu beobachten. Die Houston Rockets und die Philadelphia 76ers haben Mayr auf dem Zettel. Doch nach seiner Verletzung erlischt das Interesse, niemand weiß so genau wann, ob und wie Mayr noch einmal zurückkehren wird.

Mayr arbeitet an seinem Comeback, er selbst ist in der ersten Phase der Verletzung noch sehr verbissen und möchte so schnell es geht wieder zurück auf das Parkett. Er möchte einfach nur das machen, was er am liebsten tut: Basketball spielen. Doch das Knie steht im weiter im Weg, immer wieder begleiten Rückschläge seinen Weg.

Nach seiner Zeit in München zieht er weiter nach Frankfurt, auch wenn er zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht wieder gesund ist, erhofft sich der Bundesligist einiges von ihm. Zu einem Einsatz in der Bankenmetropole kommt es in den zwei Jahren, die er unter Vertrag steht, nie, eine weitere Knie-Operation ist nötig.

Danach wird es ruhig um Daniel Mayr. Er selbst hat sich den Stress genommen. „Ich habe irgendwann gelernt, dass ich nichts forcieren muss”, sagt er. Umso überraschter ist er, als die Anfrage aus Schwelm kommt. Mayr blockt erst einmal ab. Falk Möller und Geschäftsführer Omar Rahim bleiben hartnäckig und treffen sich mit seinem Vater und seinem Agenten. Der Ehrgeiz von Mayr ist gepackt, er will es versuchen und sich beweisen. Dass er das schafft und sich nicht weiter mit seinem Knie rumschlagen muss, davon ist man in Schwelm überzeugt.

Wann er genau wieder auf Korbjagd geht, ist aktuell noch nicht zu erahnen. „Laut seinen Ärzten sieht es gut aus, wir geben ihm aber alle Zeit der er braucht”, sagt Falk Möller. Ist Mayr fit und kann er sein Potenzial nur ansatzweise abrufen, wird er eine immense Verstärkung für das neuformierte Team werden. Mit Niklas Geske verließ der beste Spieler der abgelaufenen ProB-Saison die EN Baskets in Richtung Hagen, auch Kapitän Reuter ging von Bord. Nun gilt es für die Schwelmer, ein neues Team aufzubauen.

Bestandteil eines neuen Teams

Dabei wirkt es fast so, als wollten die Verantwortlichen die Last im Angriff wieder anders verteilen. Stand und fiel im vergangenen Jahr fast alles im Angriff mit der Leistung von Spielmacher Geske, so kommen mit Khartchenkov und Mayr nun vor allem zwei Spieler nach Schwelm, die unter den Körben dominieren können. Einige Transfers stehen noch aus, noch ist das Team nach den überraschenden Abgängen von Reuter und Geske nicht fertig. „Wir sind spät dran”, weiß auch Falk Möller.

Doch bis zum Vorbereitungsstart wird das Aufgebot stehen. Und irgendwann stößt dann auch Mayr zum Team dazu -- wenn er sich bereit fühlt. Mit seinem soliden Wurf von draußen, seinem starken Rebounding und vor allem mit seiner immens hohen Einsatzbereitschaft kann er eine riesige Bereicherung für das Spiel der EN Baskets werden.

Bis dahin wird er sich weiter in seiner Heimatstadt Bonn vorbereiten, dort trainiert er in den Trainingsstätten vom Bundesligisten Telekom Baskets und macht Tag für Tag Fortschritte. Setzt sich diese Entwicklung fort, wird er bald zum Team stoßen. Denn es gibt nichts, was sich Daniel Mayr sehnlicher wünscht.

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