Serie: Mein größter Tag

Krähling aus Ennepetal sprachlos nach Fitness-Programm

Mario Krähling ist heute noch glücklich darüber, als im Februar 2016 eine 80-jährige Dame in sein Fitnessstudio kommt und sich auf das Training einlässt. Mit großem Erfolg.

Mario Krähling ist heute noch glücklich darüber, als im Februar 2016 eine 80-jährige Dame in sein Fitnessstudio kommt und sich auf das Training einlässt. Mit großem Erfolg.

Foto: Isabelle Rust

Ennepetal.  Mit 80 Jahren zu alt für Fitness? keineswegs, sagt der Ennepetaler Fitness-Trainer Mario Krähling

Im Februar 2016 betritt eine alte Dame das Vita Fit in Ennepetal. Hinter der Theke des Empfangs steht Fitnesstrainer Mario Krähling und schaut sie verwundert an. Mit einem Gehstock in der Hand, gebeugtem Rücken und nur kleinen Schritten nähert sie sich langsam dem jungen Mann. An der Theke angekommen, bat die 80-Jährige ihn um eine Beratung. Sie wolle wieder besser laufen können und ihren Rücken stärken, erklärte sie dem Fitnesstrainer. Der gelernte Sport- und Fitnesskaufmann mit Zusatzqualifikation in Gesundheit und Prävention setzte sich daraufhin mit der Frau zusammen. Sie skizzierte ihre Ziele und er legte den Verlauf des Trainings dar, den er ihr zum Wiederaufbau der Muskeln vorschlug. Die Rentnerin meldete sich kurzum in dem Fitnessstudio an und begann ihr Training, bei dem sie intensiv von Krähling und seinem Team betreut wurde. Das war ein Tag, den er nicht so schnell vergessen würde.

Muskulatur kennt kein Alter

Zwar war das Alter der Dame eine Ausnahme, doch viele Ältere erhoffen sich, ihren Körper im Studio wieder in Schwung bringen zu können. „Viele sagen, dass ein Fitnessstudio nichts für alte Leute ist. Ich sehe das genau anders. Wir werden nun mal alle älter und wollen im Alter ja trotzdem noch aktiv sein“, so Krähling. Er bedauert, dass viele Menschen ihre Bewegung nach dem Motto „Ich bin alt, also kann ich nicht mehr“ aufgeben. „Muskulatur kennt kein Alter. Zwar bildet sie sich ab dem 30. Lebensjahr zurück, doch sie kann immer wieder aufgebaut werden“, erklärt der Fachmann.

Gelenke sind problematisch

Die größte Problematik stellen die Gelenke dar, die durch Sportarten, aber insbesondere durch die falsche Beanspruchung im Alltag, verschleißen. In seinem Studio steht die Förderung der Gesundheit statt das Aufpumpen von Muskeln im Vordergrund. „Bodybuilding ist eine andere Nische, unsere Trainingsbetreuung ist auf Gesundheit ausgelegt“, betont der 28-Jährige. Viele der Mitglieder steigen aufgrund von gesundheitlichen Problemen in das Training ein. Die Folgen von Gelenkbeschwerden, Arthrose oder Bandscheibenvorfällen sind nämlich starke Einschränkungen im Alltag. Auch Personen, die aufgrund einer Verletzung oder gar einer Operation eine sportliche Pause einlegen mussten, sind im Dachgeschoss des Milsper Einkaufszentrums zu finden und gewöhnen sich behutsam wieder an die körperliche Belastung.

Insbesondere die Kandidaten höheren Alters werden von den Erfolgen ihrer Betätigung positiv überrascht. Und so wollte sich auch die 80-jährige Dame vor drei Jahren Abhilfe mit ihren Rückenbeschwerden schaffen. Sie startete mit dem Flexx-Training, was zur Gesamtmuskulatur des Körpers beiträgt. Ziel dabei ist es, die muskuläre Beweglichkeit beispielsweise durch Dehnen wiederherzustellen, indem die einzelnen Muskeln wieder in ihre Länge zurücktrainiert werden. „Meist mangelt es bei älteren Menschen nicht an Kraft, sondern an der Möglichkeit“, begründet der Fachmann den Einstieg mit dem Flexx-Training.

Brustmuskulatur verkürzt

Bei der alten Dame hatte sich im Zuge der gekrümmten Rückenhaltung die Brustmuskulatur massiv verkürzt. Mittels des Flexx-Trainings sollte sie wieder auf eine normale Länge ausgebaut werden bevor mit dem aktiven Aufbau der Muskeln weiterverfahren wird.

Wegen der geringen Bewegung im Alltag heutzutage zeichnet sich ein deutlicher Trend verkürzter Muskeln ab. Folglich entsteht Druck auf den Gelenken, da es auf der anderen Seite immer Muskeln gibt, die gegenarbeiten. Das provoziert Verspannungen, auch bei jungen Menschen. Dabei spielt heute oft das Smartphone eine Rolle. Bei der Benutzung wird der Kopf sehr oft nach unten geneigt. Ärzte sprechen in Extremfällen auch vom sogenannten „Handynacken“. Im Studio fangen daher oft auch junge Leute das Training an, um vor allem ihre Haltung zu optimieren.

Nach einigen Besuchen im Vita Fit konnte die 80-Jährige die ersten Früchte ihrer Arbeit ernten. Eines Tages stolzierte sie schließlich ohne ihre Gehhilfe ins Studio – und Krähling war sprachlos. „Das war gigantisch ab dem Zeitpunkt, als sie den Stock nicht mehr hatte, man sie reinkommen sah und sie sich ganz normal bewegte und man sich fragte: Wo ist denn der Stock?“, schildert Krähling immer noch beeindruckt.

Alltag endlich wieder frei gestalten

Nach langer Zeit konnte die Rentnerin ihren Alltag wieder frei gestalten, Treppen laufen und hatte wieder Spaß an Bewegung gefunden. Bis heute ist sie ein regelmäßig gesehenes Mitglied im Studio und hält sich fit. Krähling erklärt, dass es ihr heute deutlich besser gehe und sie froh sei, die Entscheidung damals getroffen zu haben. Seinem Team gilt große Dankbarkeit, da es nicht nur zu ihrer körperlichen, sondern speziell auch zu der damit verbundenen seelischen Genesung beigetragen hat.

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