Reitsport

Eine EU-Vorschrift trübt das grenzenlose Reiten

Pferdetransporte ins Nachbarland können ziemlich teuer werden.

Pferdetransporte ins Nachbarland können ziemlich teuer werden.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand

Am Niederrhein.   Das grenzenlose Reiten in die Niederlande trübt eine Vorschrift über ein EU-Gesundheitszeugnis für Pferde. Der Kreisverband Kleve macht nun mobil.

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Für Wanderer, Radsportler oder Jogger ist das niederrheinische Grenzgebiet ein Eldorado. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie sich gerade auf deutschem oder niederländischem Staatsgebiet aufhalten. Das Überqueren der Grenze wird teilweise gar nicht wahrgenommen.

Für Pferdebesitzer ist dies aber ein Problem. Denn seit 2005 dürfen diese ohne EU-Gesundheitszeugnis nicht mehr die Grenze überreiten. Auch die Mitnahme eines Vierbeiners im Anhänger ins Ausland ist nicht ohne Weiteres erlaubt. Ein amtstierärztliches Gutachten muss immer vorliegen – unabhängig davon, ob es sich um einen Erholungsritt oder eine Erholungsausfahrt kurz hinter der Grenze für zwei bis drei Stunden handelt. Oder eine Turnierteilnahme, oder einen mehrtägigen Urlaubsaufenthalt.

Bürokratischer Aufwand

Dies ist mit einem erheblichen bürokratischen und finanziellen Aufwand verbunden. Nach einem Antrag beim zuständigen Veterinäramt kommt der Amtstierarzt in den Stall, um das Pferd zu untersuchen. Die Kosten liegen je nach Anzahl der Pferde zwischen 50 und 169 Euro für größere Transporte. „Hinzu kommen Verwaltungsgebühren und Wegekosten. Für ein einzelnes Reitpferd sind so minimal 80 Euro fällig“, hat Rainer Liese in seinem Fachartikel „Grenzenlos über-organisiert“ ausgerechnet.

Das Gutachten hat im Übrigen nur eine Gültigkeit von zehn Tagen. Die Teilnahme von deutschen Pferdesportlern an mehreren Turnieren im Nachbarland macht diese Regelung also praktisch unmöglich.

In den Niederlanden wurden in jüngerer Vergangenheit auch gezielt deutsche Reiter kontrolliert. Laut Astrid Josten, Pressewartin des Kreisverbands Kleve der Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD), wissen viele Pferdefreunde gar nichts von der Problematik. „Aber Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“, so Josten. Und die Strafe kann durchaus happig ausfallen. Ab 500 Euro beginnen die Geldstrafen.

Bemerkenswert in diesem Zusammenhang: Innerhalb der Benelux-Staaten gibt es ein Abkommen, wonach Pferdebesitzer, die zu Reitturnieren oder anderen nicht kommerziellen Veranstaltungen reisen, von der EU-Richtlinie ausgenommen sind. Mittlerweile ist auch Frankreich diesem Abkommen beigetreten.

Der VFD macht nun mobil, um erstens auf die Problematik hinzuweisen und um zweitens – hoffentlich bald – eine Änderung zu erreichen. Am Sonntag, 26. Mai, wird um 11 Uhr zum länderübergreifenden Frühstück auf der Grenze zwischen Wemb (Hees, 47652 Weeze) und Well (Wezerweg 13, NL - 5855 EM Well) in der Nähe vom Airport Weeze eingeladen. Jeder bringt sich etwas zum Essen, Trinken und Sitzen mit, die Pferde bleiben aber aus Tierschutzgründen zu Hause.

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