Fußball

Peter Neururer coacht vertragslose Spieler in Duisburg

Trainer Peter Neururer gibt die ersten Anweisungen. Er coacht zum dritten Mal die vertragslosen Fußballer.

Trainer Peter Neururer gibt die ersten Anweisungen. Er coacht zum dritten Mal die vertragslosen Fußballer.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Wie schon 2017 und 2018 leitet der Trainer das VDV-Trainingscamp der vertragslosen Fußballer. Situation ist aktuell schwieriger denn je.

Peter Neururer hat ein Händchen für den gelungenen Auftritt. „Tolle Maske, oder?“, rief er, als er eine Sporthalle in der Sportschule Wedau betrat, wo die Fußballspielergewerkschaft VDV ihre Pressekonferenz abhielt, um alle Abstandsregeln einhalten zu können. Ein großes comichaftes Lachen war auf der Maske zu sehen. Als Neururer an seinem Platz angekommen war und die Maske abnahm, zeigte sich: Auch darunter hatte er ein breites Lachen aufgesetzt. Vielleicht nicht das schlechtestes Zeichen für die 35 Profis, die sich bislang in diesem Jahr für das Trainingscamp der vertragslosen Spieler an der Wedau angemeldet haben.

Neururer, der von November 2008 bis Oktober 2009 auch schon einmal den MSV Duisburg gecoacht hatte, wird aber deutlich ernster, wenn es um die Arbeit geht, die vor ihm liegt. „Wir müssen den Spielern reinen Wein einschenken und ihnen erklären, dass es in der Zeit der Corona-Pandemie noch schwerer wird, einen Vertrag zu bekommen.“ Bislang hatte die Gewerkschaft eine Vermittlungsrate von rund 80 Prozent aus dem Camp heraus. Es bleiben eben aber auch 20 Prozent auf der Strecke – das zeigt, wie wichtig Dinge wie Laufbahnberatung, Rechtsberatung und Sportpsychologie sind, die die VDV auch anbietet – darunter auch Wege heraus aus dem Profisport und hinein in eine berufliche Alternative.

Gewerkschaft hat derzeit viel zu tun

Wie VDV-Vizepräsident Carsten Ramelow sowie die Geschäftsführer Ulf Baranowsky und Lars Kindgen bestätigten, hatten sie in den vergangenen Monaten deutlich mehr zu tun als ohnehin. „Da ging es um die Frage von Gehaltsverzichten oder auch um Hygienekonzepte“, berichtet Baranowsky. Die Unsicherheit wächst – weswegen er auch die Bemühungen zur Gründung einer Eishockey-Spielergewerkschaft genauestens verfolgt und den Kollegen Erfolg wünscht. „Tarifverträge sind in anderen Fußballnationen bereits lange üblich. Leider haben wir hier in Deutschland noch kein Mitgestaltungsrecht“, sagt Baranowsky, der sich offenbar genau das wünscht.

Zunächst geht es aber darum, die Spieler fitzumachen. „Die Bedingungen hier im Camp sind professionell“, sagt Neururer. „Wir versetzen die Spieler in einen Zustand, dass sie sofort in das Training eines Vereins einsteigen können.“ Dass er nur der „Notstopfen“ sei, wie er selbst es formuliert, stört ihn da wenig. An sich war Jürgen Kramny als VDV-Cheftrainer vorgesehen. Weil er aber einen Job als U-19-Coach bei Eintracht Frankfurt bekommen hat, sprang Neururer ein. „Das ist eine Sache der Ehre“, erklärt der Fußballlehrer. „Ich hatte so viel Glück in meinem Leben, dass ich gerne etwas zurückgebe.“ Das scheinen die Spieler gerne annehmen zu wollen. „Schon 2017 und 2018 sind die Spieler sehr schnell auf mich zugekommen und haben auch über ihre Probleme mit mir gesprochen. Oft konnte ich helfen.“ Dass er zudem über genügend Kontakte verfügt, um Spieler vermitteln zu können, hilft zudem. „Nur einmal hatte ein U-19-Spieler die falsche Einstellung, wollte wie ein Erstligaprofi bezahlt werden, ohne etwas vorzuweisen. Seither spielt er nicht mehr.“ Wer es schafft? „In der Regel die Spieler, die sich auch im Camp als Mannschaftsspieler erweisen“, sagt Neururer.

Die teilnehmenden Spieler

In der ersten Woche nehmen diese Spieler am Trainingscamp teil:

Torhüter: Sebastian Patzler, David Daroczi.

Feldspieler: Emanuel Boateng, Nurettin Kayaoglu, Nikido Mikael Avellino, Sertan Yigenoglu, Maurizio Scioscia, Sönke Schneider, Selim Gündüz, Marian Dodou Sarr, Dominik N’Gatie, Peter Jost, Taira Tomita, Nozumo Nonoka, Ernesto Carratala Jimenez, Ufumwen Osawe, Nick Münch, Robert Müller, Isidor Akpeko.

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