Eishockey-Oberliga

Ein Stück Vereinsgeschichte: Das Debüt von Freddy Trosdorff

Endstation Frederike Trosdorff! Beim Testspiel in Dinslaken ließ die 20-Jährige nur ein Gegentor der gastgebenden Kobras zu.

Endstation Frederike Trosdorff! Beim Testspiel in Dinslaken ließ die 20-Jährige nur ein Gegentor der gastgebenden Kobras zu.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Die erste Frau, die jemals für die erste Mannschaft der Füchse gespielt hat,freut sich über die Chance in Duisburg zu spielen und zu trainieren.

Frederike Trosdorff weiß genau, was sich gehört. Also fuhr sie noch einmal zu den Fans, ließ sich gebührend feiern. Denn am Dienstagabend schrieb sie ein kleines Stück Duisburger Eishockey-Geschichte. Die 20-Jährige stand beim Testspiel des Eishockey-Oberligisten EV Duisburg in Dinslaken im Tor, bot eine hervorragende Leistung – und ist damit die erste Frau in 48 Jahren, die jemals für die erste Mannschaft gespielt hat. „Ich hatte mit mehr Nervosität gerechnet“, sagte sie direkt nach dem Spiel. „Aber ich musste lange arbeiten, so dass dafür keine Zeit blieb.“ Zeit blieb für starke Paraden, einen entschärften Dinslakener Alleingang, zahlreiche abgewehrte Schüsse und einen 4:1-Testspielsieg bei den Kobras, die die Duisburger Keeperin nur einmal in Überzahl bezwingen konnten.

„Ich habe mich von Anfang an in der Mannschaft wohlgefühlt“, berichtet die Torhüterin. „Das Team hat mich super aufgenommen.“ Dass sie als Frau mit Männern spielt, ist nichts Ungewöhnliches für sie oder andere Eishockey-Spielerinnen. Bisher waren es halt Jungs. Einen reinen Mädchenspielbetrieb gibt es mangels Masse nicht. Vor zwei Jahren war der EVD der erste deutsche Verein überhaupt, der ein reines Mädchenteam, damals in der U 11, aufgestellt hat. „Ich habe daher natürlich im Nachwuchs immer mit Jungs gespielt. Das ist keine ungewohnte Situation für mich.“ Und wie es in Mannschaften eben so ist, gibt es natürlich in der Kabine immer mal wieder lustige Sprüche. „Das ist kein Problem“, sagt Trosdorff. „Dann kriegen sie eben einen lustigen Spruch zurück.“ Vertrauen haben ihr die Spieler und Trainer geschenkt. „Wir würden Freddy ja nicht einsetzen, wenn wir ihr nicht vertrauen würden“, sagte EVD-Coach Uli Egen vor dem Testspiel. „Mit Uli und Didi verstehe ich mich sehr gut. Das läuft toll“, sagt Trosdorff.

Über Neuss und Düsseldorf nach Duisburg

„Freddy“, wie sie meist genannt wird, stammt aus Düsseldorf, wohnt im Süden der Stadt. „Ich habe aber in Neuss mit dem Eishockey angefangen, ging später zur DEG und kam 2014 zum EVD.“ Damals spielte sie sowohl im U-16- als auch im U-19-Team, aber auch in der damaligen Frauen-Mannschaft. Früh bekam sie ein Zweitspielrecht für die Frauen-Bundesliga: zunächst für Hannover und in den vergangenen drei Jahren für die Kurpfalz Ladies aus Mannheim. Nun erhielt sie eine Förderlizenz für die 1b-Mannschaft der Moskitos Essen in der Männer-Landesliga. „Mir hat die Zeit in Mannheim sehr gefallen, ich werde das immer in meinem Herzen tragen“, sagt sie über ihre Jahre in der Frauen-Bundesliga. „Aber Spielpraxis in einer Männer-Liga zu sammeln, ist etwas anderes. Da kommen die Schüsse schneller und härter.“

Dass sie weiß, wovon sie redet, zeigt beispielsweise das vergangene Wochenende. Das verbrachte Trosdorff, die 2017 mit der weiblichen U-18-Nationalmannschaft den Aufstieg in die WM-Top-Division feierte, im Bundesleitungszentrum Füssen. „Dort fand ein Perspektivkader-Lehrgang der Frauen-Nationalmannschaft statt, zu dem ich eingeladen war“, berichtet die EVD-Torhüterin. Sie bewährte sich. Dass sie als dritte Torhüterin zum Füchse-Kader gehört, wurde registriert. „Alle haben mir viel Erfolg gewünscht.“ Die Chance in Duisburg wollte sie einfach nutzen. „Ich bin dafür sehr dankbar“, sagt die junge Frau, die derzeit in einem Dormagener Krankenhaus zur OP-Krankenschwester ausgebildet wird. Das heißt für sie: Erst arbeiten, „und dann gehe ich meinem Hobby und meiner Leidenschaft nach.“ Der Kontakt kam über Nachwuchscheftrainer Dirk Schmitz zustande. „Ich wollte Freddy unbedingt im Verein halten“, sagt er. So kam ein Gespräch mit den Oberliga-Trainerin Uli Egen und Didi Hegen zustande.

Lob von Trainer Didi Hegen

Ihren ersten großen Auftritt hatte sie bei der Saisoneröffnungsfeier. „Da war ich schon sehr aufgeregt“, gesteht sie. „Ich musste bei einem Interview vor den Jungs sprechen und den Fans gegenübertreten. Ich wusste ja nicht, wie sie auf mich reagieren würden.“ Die Fans reagierten ausgesprochen positiv. „Das war schon sehr lustig“, sagte sie. Und die Leistung am Dienstag war stark. „Sie ist sehr flink mit den Beinen. Das war wirklich gut“, lobt EVD-Trainer Didi Hegen ihren Auftritt.

Vor der Kabine bekam sie viele Glückwünsche. Ist ja auch angemessen, wenn man Vereinsgeschichte geschrieben hat.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben