Rhein-Ruhr-Marathon

Ein schottisches Geheimrezept

Immer ein

Foto: Jörg Schimmel

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Nikki Johnstone gewinnt die 35. Ausgabe des Duisburger Marathons – mit 211 Kilometern in den Beinen

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Diese Chance ließ sich Jörg Bunert nicht nehmen. „Das ist einfach unglaublich. Ich frage ihn jetzt, wie er das macht“, sagte Duisburgs Lauflegende und machte sich auf den Weg zu Nikki Johnstone. Dabei beeindruckte Bunert nicht nur die Zeit von 2:28:42 Stunden, die Johnstone brauchte, um 42,195 Kilometer durch Duisburg zu laufen und somit den 35. Rhein-Ruhr-Marathon zu gewinnen. Der Schotte hat diese Distanz am Sonntag zum fünften mal binnen fünf Wochen absolviert. Und als er in der Schauinsland-Reisen-Arena das Zielband durchriss, strahlte Johnstone, als hätte er gerade seine leichteste Übung hinter sich gebracht. „Ein Lächeln und Spaß an der Sache“, gab der Sieger in Richtung Jörg Bunert zurück, „dafür lohnt es sich Gas zu geben.“

Der 33-Jährige aus den Highlands, der inzwischen für den ART Düsseldorf startet und auch in der Landeshauptstadt wohnt – aus der er wie immer mit dem Rad zum Lauf gefahren ist – kennt sich in Duisburg bereits gut aus. „Angerlauf, Sommernachtslauf, Winterlaufserie, ich komme immer gern nach Duisburg. Aber der Marathon war neu für mich. Und ich frage mich, warum ich nicht schon vorher hier mitgemacht habe“, war auch der Sieger von seiner Premiere beeindruckt.

Der besondere Reiz

Die verschiedenen Veranstaltungen, an denen Johnstone in den letzten Wochen teilnahm, zu vergleichen, sei schwierig, sagt er: „Jeder Marathon ist anders und hat seinen besonderen Reiz. In Manheim ist es ein Nachtlauf, Düsseldorf ein Heimspiel und Duisburg hat einen ganz besonderen Zieleinlauf. Du hörst schon draußen die Stimme des Moderators und bekommst ein Gefühl dafür, wie die Stimmung ist. Und wenn du dann ins Stadion einläufst, ist es einfach unglaublich.“

Auch die Unterstützung am Streckenrand mobilisierte zusätzliche Kräfte beim Highlander, die zum ersten Mal nach acht Jahren wieder eine Siegerzeit unter 2:30 Stunden beim Duisburger Marathon möglich machten. „Alle haben meinen Namen und ,Du schaffst es’ gerufen und mich angefeuert. Sie meinten auch, es sähe locker aus, aber locker ist das nicht“, lacht Johnstone, der selbst nicht für möglich gehalten hätte, erneut solch eine Zeit hinzulegen. „Bis zum Anfang des Jahres habe ich noch gedacht, dass ich die 2:30 Stunden nie knacken werde. Jetzt habe ich es viermal hintereinander geschafft. Jetzt liebe ich den Marathon“, strahlte der Sieger und schob grinsend in Richtung Jörg Bunert nach: „Aber manchmal habe ich auch selbst Angst vor mir.“

Duisburg-Feeling beflügelt Vössing

Die Atmosphäre in Duisburg hoben sämtliche Sieger unter den 5513 Teilnehmern in den verschiedenen Disziplinen hervor. Und dieses Lob auf Duisburg ist für Rainer Bischoff „Teil der Veranstaltung“, wie der Vorsitzende des ausrichtenden Stadtsportbundes herausstrich. „In Düsseldorf werden drei Spitzenathleten aus Kenia gekauft, und es ist klar, dass sie gewinnen werden. Wir machen das bewusst nicht. So ist es spannender und es kann auch jemand gewinnen, der zum ersten Mal läuft. Denn das Duisburg-Feeling treibt die Läufer nach vorne.“

Annika Vössing konnte da nur nickend zustimmen. Die Triathletin vom LAV Oberhausen wollte eigentlich einen Triathlon absolvieren. „Das hat nicht geklappt, da habe ich mir am letzten Dienstag gedacht: ach, lauf’ doch mal einen Marathon – nur so zum Spaß.“

Doch aus dem Spaß wurde schneller Ernst, als sie es erwartet hätte. „An der Startlinie wurde dann aus locker sofort Wettkampf. Und lange lief es richtig gut, aber dann habe ich nach etwa 35 Kilometern den Mann mit dem Hammer getroffen“, war Vössing am Ende ihrer Kräfte. Doch die Duisburger nahmen dem Mann den Hammer ab und halfen Annika Vössing wieder auf die Beine. „Du denkst einfach nur: Du darfst jetzt nicht aufhören, es muss irgendwie weitergehen. Und die Unterstützung hat mich ins Ziel gebracht.“

Johnstones Empfehlung

Und nicht nur das: Mit einer Zeit von 2:57.22 Stunden lief Annika Vössing als erste Frau im Stadion ein – und das bei ihrem ersten Marathon. Nach kurzer Erholungsphase konnte die Siegerin dann auch schon wieder lachen: „Ich wollte eigentlich gar nicht so schnell laufen.“

Mit der richtigen Vorbereitung sei wohl noch einiges möglich, meinte Vössing mit Blick auf den nächsten Rhein-Ruhr-Marathon. Da kann sie sich sicher einige Tipps bei Nikki Johnstone abholen. Der Schotte kann „allen Läufern den Marathon in Duisburg nur empfehlen“ und will auch im nächsten Jahr wieder dabei sein. Für den Sommer macht er nach fünfmal 42,195 Kilometern jetzt erst einmal Wettkampf-Pause. Und sein „mögliches Geheimrezept“ hat er Jörg Bunert dann auch noch verraten. „Meine Mutter hat mich als Kind ständig mit Porridge vollgestopft. Vielleicht ist es das.“

Vermutlich kocht Duisburgs Lauflegende gerade schottischen Haferbrei . . .

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