Kommentar

Beim MSV Duisburg ist es Zeit, zu handeln

Erst keine Aufbruchstimmung und jetzt Abbruchstimmung: Präsident Ingo Wald, Sportdirektor Ivica Grlic und Trainer Gino Lettieri (von links) stecken mit dem MSV Duisburg tief in der Krise.

Erst keine Aufbruchstimmung und jetzt Abbruchstimmung: Präsident Ingo Wald, Sportdirektor Ivica Grlic und Trainer Gino Lettieri (von links) stecken mit dem MSV Duisburg tief in der Krise.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Duisburg.  Der MSV Duisburg hat einen neuen Tiefpunkt ist erreicht. Auch die Aufsichtsräte sind nun gefordert. Ein Kommentar.

Genug ist genug. Beim MSV Duisburg ist es Zeit, die Notbremse zu ziehen. Der Klub verspielt derzeit alles: Die sportliche Perspektive schwindet von Spiel zu Spiel, die wirtschaftlichen Aussichten verfinstern sich zunehmend, Sponsoren werden unruhig, die ersten wollen sich abwenden, die Fans – und nicht nur die im Internet – reagieren auf die aktuelle Situation mit blankem Entsetzen. Ein „weiter so“ darf es nicht geben.

Unmittelbar nach dem Debakel gegen den SC Verl war am Freitag in der Arena niemand in Sicht, der den Schalter umlegen könnte. Kein Wald, kein Grlic, kein Mohnhaupt – die Bosse waren abgetaucht oder durch den Nebenausgang des Stadions geflüchtet. Für Wegducker sind Pandemien ein Geschenk.

Trainer Gino Lettieri war der Einzige, der sich am Freitagabend nach der 0:4-Klatsche gegen den SC Verl äußerte. Das schreibt das Reglement so vor. Der 53-Jährige lächelte sogar ein wenig auf dem Podium des Presseraumes in der Arena. Der Mann hat gut lächeln, nach dem zweiten Spiel wird kein Trainer entlassen. Lettieris Mannschaft hatte jedoch zuvor in den 90 Minuten eine Leistung auf die Platte gebracht, nach der jeder Coach vom Hof gejagt werden darf, wenn nicht gar muss.

Ist das Projekt „Lettieri 2.0“ beim MSV Duisburg schon gescheitert?

Von einem Trainerwechsel ist nicht zu erwarten, dass das zuvor indisponierte Personal innerhalb weniger Tage in einem eng getakteten Terminplan die hohe Kunst des Fußballs beherrscht. Aber zu den Mechanismen im Geschäft gehört, dass sich eine Mannschaft vor dem neuen Coach zerreißt, dass sich jeder Spieler zeigen und für einen Stammplatz empfehlen will.

Stattdessen: kein Einsatz, keine Leidenschaft, kein Wille – eine Bankrotterklärung. Es wurde nach dem Trainerwechsel nichts besser. Im Gegenteil: Es wurde schlimmer. Weniger ist leer. Ist das Projekt „Lettieri 2.0“ schon nach dem zweiten Spiel gescheitert?

Fehlte bei der bizarren Pressekonferenz zur Lettieri-Welcome-Back-Show die Aufbruchstimmung, kam nun die Abbruchstimmung hinzu. Das Spiel gegen Viktoria Köln, das Torsten Lieberknecht, um dessen Nachfolge sich die Verantwortlichen schon vor mehreren Wochen Gedanken gemacht hatten, den Job kostete, war im Vergleich zur Vorstellung gegen den SC Verl noch ein unterhaltsames Match mit einem höchst ärgerlichem Ausgang. Der 2:0-Sieg bei 1860 München am 31. Oktober – von Sportdirektor Ivica Grlic in Form eines unnötigen Nachtretens gegen Lieberknecht als „nicht überzeugend“ bezeichnet – kam aus Sicht der Entscheider vermutlich zur Unzeit.

Die Kontrollorgane des MSV Duisburg stehen in der Pflicht

Der Blick muss sich beim MSV Duisburg nun nach vorne richten. Das Eis für den Vorstand mit Ingo Wald, Robert Philipps und Udo Steinke ist bedenklich dünn (es wäre fester, wenn es denn einen kompetenten Sportvorstand mit Kompetenzen und Handlungsfähigkeit geben würde, so wird es womöglich nicht halten), bei Sportdirektor Ivica Grlic, im Sommer noch mit einem neuen Drei-Jahres-Vertrag bedacht worden, ist es bereits gebrochen – trotz aller unbestrittenen Verdienste des Mannes für den Verein.

In dieser kritischen Situation sind nun die Kontrollorgane des MSV Duisburg gefordert. Da ist auf der einen Seite der Verwaltungsrat, dem Markus J. Räuber vorsteht. Auf der anderen Seite steht der Aufsichtsrat der KGaA mit DVV-Geschäftsführer Marcus Wittig – Herr Wittig, haben Sie resigniert, nachdem die Option weggebrochen war, mit (Ex)-Geschäftsführer Michael Klatt den MSV zu sanieren? – an der Spitze.

Es ist Zeit, zu handeln. Genug ist genug.

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