Eishockey-Oberliga

40 gute Minuten reichen nicht: EVD verliert in Hannover

Jungfüchse-Trainer Fabian Schwarze stand am Sonntag am Pferdeturm an der Bande.

Jungfüchse-Trainer Fabian Schwarze stand am Sonntag am Pferdeturm an der Bande.

Foto: Jörg Schimmel

Duisburg.   Nach der Freistellung von Coach Reemt Pyka spielten die Füchse zwei Drittel lang gut, unterlagen aber 3:5 nach 3:1-Führung. Dazu ein Kommentar.

Als dieses grausame Spiel am Freitagabend vorbei war, stellte sich Reemt Pyka der nächsten schweren Aufgabe – etwas zu diesem 3:6 gegen Braunlage zu sagen, bei dem der Eishockey-Oberligist EV Duisburg nach einer 3:2-Führung gegen den Vorletzten den Sieg durch zwei Gegentore in eigener Überzahl aus der Hand gegeben hatte: „Ich kann mich jetzt nur vor die Mannschaft stellen und mich für diese Leistung entschuldigen.“

Am Samstagmorgen war klar: Dies war Pykas letzte Amtshandlung als Trainer der Füchse. „Remmy ist ein richtig guter Typ. Das hat mir sehr wehgetan. Aber es blieb keine andere Wahl“, sagte Füchse-Sportdirektor Lance Nethery zur Demission des Übungsleiters. Für ein Statement war Pyka am Wochenende nicht zu erreichen. „Es geht darum, dass wir in den letzten Spielen noch einmal richtig Schwung holen und dementsprechend in die Play-offs gehen“, so Nethery.

Dave Rich in Halle musste ebenfalls gehen

Wie angekündigt stand am Sonntag beim Auswärtsspiel in Hannover Fabian Schwarze als Interimstrainer an der Bande, der bei den Jungfüchsen die U-15- und U-13-Mannschaft trainiert. Derweil läuft die Trainersuche. Ebenfalls am Samstag musste Dave Rich in Halle seinen Hut nehmen. Vielleicht ein Kandidat für die Füchse?

Die Fans haben dem Team bei der Abreise am frühen Sonntagnachmittag den Rücken gestärkt, standen mit Fahnen und einem Spruchband bereit. „Zeit für ein neues Kapitel“, war dort zu lesen. Tatsächlich begann die Partie am Sonntag beim Tabellendritten Hannover Indians sehr gut – doch trotz einer zwischenzeitlichen 3:1-Führung mussten sich die Füchse am Pferdeturm mit 3:5 (2:1, 1:0, 0:4) geschlagen geben. „Da haben uns auch die vielen Strafzeiten das Genick gebrochen“, sagte Barta. Denn schon nach 35 Sekunden im letzten Abschnitt verkürzte Hannover durch Brent Norris – eine Sekunde, nachdem der EVD eine vierminütige Unterzahlsituation überstanden hatte. Dem 3:3 von Andreas Morczinietz folgte das entscheidende Powerplay-Tor von Branislav Pohanka in der 45. Minute – er legte auch das Empty-Net-Goal neun Sekunden vor Ende nach. Für Duisburg hatten Artur Tegkaev, Diego Hofland und Lasse Uusivirta getroffen. „Das Glück, das wir in den ersten beiden Dritteln hatten, hatten wir danach nicht mehr“, so Barta. „Hannover hatte beispielsweise zweimal den Pfosten getroffen. Aber 40 Minuten lang hat das die Mannschaft wirklich ordentlich gemacht.“

Weiter geht es am Freitag (20 Uhr) mit dem Auswärtsspiel bei den Moskitos Essen. Am Sonntag (18.30 Uhr) ist der ECC Preussen Berlin an der Wedau zu Gast.

Hannover Indians –
EV Duisburg 5:3

Drittel: 1:2, 0:1, 4:0
Tore: 0:1 (3:48) Tegkaev (Deeg, Pisarik), 1:1 (12:38) Bosas (Pohl, Peleikis), 1:2 (16:21) Hofland (Pisarik, Deeg/5-4), 1:3 (31:59) Uusivirta (Pisarik, Hofland/5-4), 2:3 (40:35) Norris (Morczinietz, Turnwald), 3:3 (43:01) Morczinietz (Norris, Peleikis), 4:3 (44:18) Pohanka (Peleikis, Norris/5-4), 5:3 (59:51) Pohanka (ENG). Strafen: Hannover 10, Duisburg 16. Zuschauer: 2321.

>>>KOMMENTAR: Die späte Quittung

Was der 7. Februar 2018 und der 9. Februar 2019 miteinander zu tun haben? Es sind nicht einfach nur die Tage, an denen der jeweilige Trainer beim EV Duisburg gehen musste. Das eine Datum bedingt das andere.

Keine Frage: Ein blamabler und indiskutabler Auftritt wie der der Füchse am Freitagabend gegen Kellerkind Braunlage hätte wohl den Job vieler Trainer in vielen Sportarten gefährdet. Was sich die Schwarz-Roten da geleistet haben, spottet jeder Beschreibung. Der Torwart völlig von der Rolle, kein Biss bei irgendeinem Feldspieler und dann vergurkt das Team tatsächlich eine 3:2-Führung, weil der Tabellenvorletzte jeweils in Unterzahl zum 3:3 und 3:4 trifft.

Dies war freilich nur ein vorläufiger Schlusspunkt für eine Saison, die bis auf diese sechs Spiele im Januar, die in Reihe gewonnen wurden, allenfalls Mittelmaß bot. Mit Hilfe erfahrener Spieler sollten die Jüngeren ausgebildet werden. Ehrliches Eishockey, viel Arbeit – so sollte schließlich wieder der Schulterschluss mit den Fans gelingen. Doch entweder agierte das Team zu Beginn zu oft mit weniger als den vorhandenen vier Reihen, oder die Leistungsträger konnten die ihnen zugedachten Aufgaben nicht erfüllen, oder es fehlten zu viele Spieler verletzungsbedingt. Gründe gab es immer. Und es gab die Ausnahmen, wie das 4:1 gegen Tilburg oder die genannte Sechs-Siege-Serie. Aber von Konstanz war nichts zu spüren. Der Trainerwechsel könnte zu spät kommen. Das wiederum mag damit zusammenhängen, dass man nicht schon wieder in alte Verhaltensmuster zurückfallen wollte.

Dass dies nun aber doch nötig erschien, ist die Quittung für den Kardinalsfehler der vergangenen Saison. Damals trennten sich die Füchse von Trainer Doug Irwin, holten Frank Petrozza aus Herne, der dort seinen Vertrag kündigte, um in Duisburg arbeiten zu können – nur um zwei Monate später wieder gefeuert zu werden, obwohl er die Zusammenstellung des Teams nicht zu verantworten hatte. Diese Entscheidung von Füchse-Gesellschafter Sebastian Uckermann war ein schwerwiegender Fehler.

Petrozza hätte das Team für diese Spielzeit bauen können. Und möglicherweise hätte er ähnlich viel Erfolg an der Wedau gehabt wie in Herne. Möglicherweise aber auch nicht. Das wird nun niemand mehr erfahren. Und das ist der Grund, warum der 7. Februar 2018 den 9. Februar 2019 bedingt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben