Laufsport

35 Läufer schaffen in Duisburg eine Weltrekordzeit

Thomas Lojak (links), der hier den Staffelstab an Martin Hensel übergibt, brauchte für die letzte seiner drei Runden 52 Sekunden.

Thomas Lojak (links), der hier den Staffelstab an Martin Hensel übergibt, brauchte für die letzte seiner drei Runden 52 Sekunden.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.  Die Staffel mit 35 Aktiven erreicht im Leichtathletikstadion ihr großes Ziel: die Einzel-Bestmarke von Eliud Kipchoge zu unterbieten.

Ob Eliud Kipchoge am Montagabend um 21.08 Uhr mitteleuropäischer Zeit eine Nachricht über die aktuellen Geschehnisse im Leichtathletikstadion zu Duisburg bekommen hat, ist nicht belegt. Fest steht, dass drei Frauen und 32 Männer in diesem Moment den Weltrekord, den der Olympiasieger aus Kenia beim Berlin-Marathon aufgestellt hatte, um 7:32 Minuten unterboten hatten. Und die Staffel schaffte beim „35Breaking2-Projekt“ etwas, das zuvor noch nie gelungen war: Mit 1:54:07 Stunde durchbrach sie die „Marathon-Schallmauer“ von zwei Stunden. Ob nun offiziell oder inoffiziell – Duisburg ist um einen Weltrekord reicher.

Mit hochgerissenen Armen lief Karsten Kruck auf der letzten der 105 400-Meter-Runden durch das Spalier der übrigen 34 Weltrekordler, die dem Initiator des Projekts, begleitet von den lautstarken Anfeuerungsrufen der Zuschauer, auf den letzten 100 der insgesamt 42.195 Meter ins Ziel folgten. „Das ist einfach Wahnsinn, was hier für Zeiten gelaufen wurden“, jubelte Karsten Kruck, der die Aktion anlässlich des 35-jährigen Jubiläums von Laufsport Bunert ins Leben gerufen hatte. „Alle waren schneller, als sie vorher angegeben hatten.“

Die Bewerber sollten maximal 70 Sekunden für 400 Meter benötigen – die Überschreitungen dieser Marke konnten an zwei Händen abgezählt werden. Die Teilnehmer bissen im wahrsten Sinne des Wortes auf die Zähne, holten angespornt durch das Zuschauerspalier auf der Zielgeraden alles aus sich heraus, ballten die Fäuste und schrien ihren Ehrgeiz heraus, wenn die Uhr neben dem Zielbogen eine Rundenzeit unter 70 Sekunden anzeigte.

„Du sprintest fast durch, das ist für einen Langstreckenläufer wie mich echt hart. Noch drei Meter mehr und ich wäre umgefallen“, lachte Magnus Kreth vom ASV Duisburg, der im Schnitt 65 Sekunden brauchte. Die wurden oft noch unterboten, manchmal auch die 60 – wie bei Thomas Lojak, der die letzte seiner drei Runden in 52 Sekunden sprintete.

„Alle haben sich gegenseitig angefeuert. Das Team hat einfach super zusammengepasst“, freute sich Silke Bommes, die neben Katharina Wehr und Joleen Glen den weiblichen Part zum Rekord beisteuerte – und das bei hartnäckigem Regen, der etwa 30 Minuten nach dem Start einsetzte. „Bei gutem Wetter kann’s ja jeder“, lachte die Läuferin vom OSC Waldniel, die einen Tag zuvor noch Cross-Nordrheinmeisterin in der AK 40 wurde. „Und jetzt der Weltrekord – was für ein Start in die Woche.“

Dass die 35 die Zwei-Stunden-Schallmauer durchbrechen würden, zeichnete sich früh ab. Schon nach 20 Runden stand ein Vorsprung von über 40 Sekunden. Nach einer Stunde waren 55 Runden absolviert, und als Hendrik Pfeiffer zum letzten Mal den Staffelstab von Karsten Kruck übernahm und die letzten 35 Durchgänge einläutete, waren noch fast 44 Minuten Zeit.

Ein großer Sprung

Pfeiffer weiß, wie schwierig es ist, sich allein an die Zwei-Stunden-Marke heran zu tasten. Die Bestzeit des zweitschnellsten deutschen Marathon-Läufers liegt bei 2:13:11 Stunden. Eine Zeit von 2:10 traue er sich in Bestform zu, „aber der Sprung von 2:13 auf 2:10 ist viel größer als der von 2:16 auf 2:13“, erklärt der Gelsenkirchener, der in Duisburg arbeitet. Dass ein Mann allein die Zwei-Stunden-Grenze unterbietet – Eliud Kipchoge verpasste es in einem nicht weltrekordtauglichen Projekt um 26 Sekunden – hält Hendrik Pfeiffer unter „normalen“ Bedingungen für fast unmöglich. „Manchmal machen Grenzen auch Sinn. Ich finde, die zwei Stunden müssen gar nicht durchbrochen werden“, meint Pfeiffer – schiebt aber zwinkernd nach: „Mit 35 Leuten ist das natürlich etwas anderes. Der Regen versucht, uns einen Streich zu spielen, aber hier hat sich ein tolles Team gefunden und wir lassen nichts mehr anbrennen.“ Er sollte Recht behalten.

Die Zeitnahme erfolgte nach offiziellen Bestimmungen. „Einen Antrag auf Anerkennung im Guinness-Buch der Rekorde können wir stellen“, sagt Karsten Kruck. Aber ob offiziell oder inoffiziell: Die 1:54:07 Stunden muss man den Duisburgern erst einmal nachmachen.

Die Weltrekordler in der Start-Reihenfolge: 1. Hendrik Pfeiffer, 2. Andreas Schurgacz, 3. Dennis Breuer, 4. Jan Neuens, 5. Erik Lange, 6. Katharina Wehr, 7. Andreas Sprott, 8. Ansgar Weck, 9. Finn Schmidtke, 10. Meinolf Kilian Runte, 11. Noah Tegatz, 12. Michael Köhler, 13. Bastian Nitz, 14. Magnus Kreth, 15. Thomas Gading, 16. Christoph Laurisch, 17. Rene Gschwandtner, 18. Christian Wattenberg, 19. Thomas Lojak, 20. Martin Hensel, 21. Silke Bommes, 22. Marc Hampel, 23. Sven Kohrs, 24. Patrick Daams, 25. Peter Meisel, 26. Robert Orosz, 27. Roger Lisson, 28. Sven Ollberg, 29. Thomas Grimme, 30. Frank Friedrich, 31. Jörg Mentzen, 32. Sascha Wasem, 33. Joleen Gled, 34. Andreas Lindermann, 35. Karsten Kruck.

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