Serie: 100 Jahre VfB Lohberg

Karl-Heinz Kriener: Vorsitzender, Stadionsprecher, Kritiker

Die Fußballer des VfB Lohberg kicken mittlerweile in der Kreisliga A.

Die Fußballer des VfB Lohberg kicken mittlerweile in der Kreisliga A.

Foto: Jochen Emde

Dinslaken.   Der VfB Lohberg wird 100. Zum Vereinsjubiläum erinnert sich Karl-Heinz Kriener an bewegte Jahre, große Erfolge und bekannte Namen.

Sein persönliches Jubiläum hatte Karl-Heinz Kriener in diesem Jahr schon. Der ehemalige Vorstandschef des VfB Lohberg wurde 75 Jahre alt. Sein Klub wird nun 100. Am 18. Mai wird gefeiert. Kriener guckt natürlich auch an der Dorotheen-Kampfbahn vorbei. Dort, wo er seine Gelb-Schwarzen fast 26 Jahre lang gelenkt hat. Als 1. Vorsitzender, als Stadionsprecher, als Vorsitzender des Förderkreises, als Ratgeber.

Herr Kriener, würden Sie den Job des 1. Vorsitzenden beim VfB Lohberg heute nochmal machen?

Karl-Heinz Kriener: Ich würde nie nie sagen. Aber heute wird alles immer schwieriger. Es geht im Geschäftsleben viel um Profit. Da bleibt der Amateurfußball auf der Strecke. Meine Kollegen heute beneide ich nicht.

Nun wird der VfB ja 100 Jahre alt – und spielt nur noch in der Kreisliga A. Tut Ihnen das weh?

Wenn ich bedenke, dass wir früher oft in der Verbandsliga unterwegs waren, zu den höchsten Klubs am Niederrhein gezählt haben, eine Werbung für die Stadt Dinslaken waren – selbst am Bodensee. Es ging vor allem mit der Schließung der Schachtanlage vor 20 Jahren abwärts.

Weil der Schacht auch Arbeitsplätze verschaffte.

Richtig, damit konnte man durchaus gute Spieler locken. Dazu wurde uns auch bei vielen kleinen Dingen geholfen. Und sei es nur, um Kalk für das Abkreiden des Sportplatzes zu bekommen.

Sie sind 1977 mit nur 34 Jahren VfB-Vorsitzender geworden. Wie schwer war es, sich als Jungspund durchzusetzen?

Damals waren wir sportlich erfolgreich, hatten bei vielen Spielen in der Verbandsliga mehr als tausend Zuschauer. Dann macht man als Vorsitzender natürlich einen tollen Job. Wenn es nicht so läuft auf dem Platz, ändert sich die Beurteilung der Mitglieder schnell. Aber 1977 war durchaus ein besonderes Jahr für mich.

Inwiefern?

Da wurde auch meine Tochter Christiane geboren. Und ich hatte das große Glück, dass meine Frau Doris meine Tätigkeiten im Fußball immer mitgetragen hat. Für die familiäre Rückendeckung bin ich ihr bis heute sehr dankbar.

Der VfB Lohberg war früher ein begehrtes Pflaster, gerade auch für ehemalige Fußballprofis aus der Region.

Das stimmt. Wir hatte einige namhafte Trainer hier. die ehemaligen MSV-Profis Günter Preuß, Dieter Danzberg, Franz-Josef Steiniger oder auch Franz Raschid aus Uerdingen. Mit Frank Saborowski vom MSV oder Günter Tinnefeld aus Wattenscheid haben sich frühere Profis um die Jugend gekümmert.

Wird es immer schwerer, junge Leute für den Amateurfußball zu begeistern?

Das Freizeitverhalten gerade der jungen Leute hat sich stark verändert. Wir sind früher mit dem Fahrrad zu Spielen gefahren, haben auch viel außerhalb des Vereins miteinander unternommen. Das ist heutzutage anders.

Als Lehrer für Mathematik, Physik und Chemie waren Sie ja immer nah dran an jungen Leuten.

Das stimmt. Und ich habe von den Schülern vieles gelernt. Vor allem, dass man auf junge Menschen eingehen muss. Und dass man sich gegenseitig achten sollte. Das habe ich immer versucht. Dazu gehört auch die Faust in der Tasche, die sicher jeder schon einmal ballen musste.

Gab es für Sie je eine zweite Fußball-Liebe neben Lohberg?

Und ob. Ich bin in Homburg an der Saar geboren.

Also FC Homburg, immerhin auch mal drei Jahre Bundesliga.

Meine größere Sympathie galt immer dem 1. FC Kaiserslautern. Der ist ja nur 30 Kilometer von Homburg entfernt. Ich war oft auf dem Betzenberg.

Und die Lauterer waren auch in Lohberg.

Ja, 1959, zu einem Freundschaftsspiel. Das war eine große Nummer. Die Weltmeister Fritz und Otmar Walter haben mitgespielt, auch Werner Liebrich. Ich war unter den 6500 Zuschauern am Spielfeldrand. Lohberg hat ein 3:3 geholt.

Welches FCK-Spiel ist Ihnen daneben haften geblieben?

Das gegen den FC Barcelona, Europapokal der Landesmeister 1991. Nach einem 0:2 führt Lautern im Rückspiel mit 3:0.

Dann kam die 90. Minute.

Der kleinste Spieler von Barcelona köpfte den FCK raus. Das war der 1,69 Meter große Bakero. Und im Gegenzug trifft Stefan Kuntz aus 30 Metern nur den Pfosten. Da haben die Leute nach dem Schlusspfiff wirklich geweint. Damals war Barcelona die beste Fußballmannschaft der Welt.

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