Hockey

Coronavirus: Maike Schaunig dribbelt im Garten für Tokio

Abwehr-Ass Maike Schaunig will der Argentinierin Julieta Jankunas den Ball abluchsen.

Abwehr-Ass Maike Schaunig will der Argentinierin Julieta Jankunas den Ball abluchsen.

Foto: Foto: Lukas Schulze / Getty Images for FIH

Dinslaken.  Die Dinslakener Hockey-Nationalspielerin vom HTC Uhlenhorst Mülheim hat hinter dem Haus jetzt ein Stück Kunstrasen vom TV Jahn Hiesfeld liegen.

Am 12. Februar hatte sich Maike Schaunig auf den Weg nach Mönchengladbach gemacht, um gemeinsam mit Herren-Nationalspieler Timur Oruz im Rathaus der Stadt die Werbetrommel für eine Serie von Pro League-Spielen im Hockeypark zu rühren. Für dieses Wochenende standen die Partien der deutschen Damen gegen Belgien und Australien auf dem Programm. Die Realität ist längst eine ganz andere. Der Coronavirus hat die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio radikal ausgebremst. Mit der NRZ hat die Nationalspielerin aus Dinslaken über die momentane Situation gesprochen.

Maike Schaunig, in vier Monaten sollen die Olympischen Spiele beginnen. Die Maßnahmen, die den Coronavirus bremsen sollen, machen eine vernünftige Vorbereitung auf Tokio aktuell nicht möglich. Was können Sie zurzeit überhaupt tun?

Tja, momentan ist es wirklich nicht einfach. Vereinstraining kann nicht stattfinden, die Sportstätten sind generell geschlossen. Der Verband hat bereits versucht, für Spieler aus dem Olympiakader Ausnahmegenehmigungen zu bekommen, damit man wenigstens alleine oder zu zweit auch etwas auf dem Hockeyplatz machen kann, aber da scheint es keine Möglichkeit zu geben. Wir können also nur individuell an der Athletik arbeiten.

Was machen Sie, um sich fit zu halten?

Ich absolviere ein bis zwei Einheiten am Tag, gehe je nach Gefühl laufen, mal regenerativ, mal extensiv, mal Intervalle. Dazu kommen die Workouts. Wir haben da ein Programm erhalten, sogar extra Geräte wie Kettlebells und Langhanteln zur Verfügung gestellt bekommen. Von meinem Heimatverein TV Jahn Hiesfeld habe ich außerdem ein übrig gebliebenes Stück Kunstrasen im Garten liegen.

Und darauf dribbeln Sie dann einfach ein bisschen vor sich hin?

Ja, genau. Außerdem stehen da jetzt auch noch ein paar Hütchen und Hürden von meiner Mutter aus der Leichtathletik-Abteilung.

Eine richtige Mannschaftsvorbereitung kann das alles natürlich nicht ersetzen. Wie sieht es denn bei den anderen Nationen aus, muss Deutschland da am Ende vielleicht einen Wettbewerbsnachteil befürchten?

Ich glaube nicht. Nach dem, was ich so höre, geht es den anderen nicht besser. Einige haben ja sogar schon Ausgangssperren. Im Gegensatz zu anderen Nationen sind wir es in Deutschland ja auch gewohnt, dezentral bei den Vereinen zu trainieren. Wir sind also geübt darin, schnell zusammen zu finden, wenn wir uns treffen. Das könnte am Ende sogar ein Vorteil sein.

Der Kader der Nationalmannschaft ist noch sehr groß und muss für die Olympischen Spiele auf jeden Fall noch verkleinert werden. Viel tun, um sich zu empfehlen, können Sie momentan nicht mehr. Das ist doch sicher hart, oder?

Es nagt schon ein wenig an einem. Noch sind wir 21 Feldspielerinnen und drei Torhüterinnen. Jetzt sollten eigentlich bald die ersten Streichungen erfolgen, dann noch einmal im Mai oder Juni.

Was haben Sie für ein Gefühl?

Das ist wirklich schwer zu sagen. Es gibt ein paar Führungsspielerinnen, die schon ganz sicher dabei sein sollten. Der Rest hat aus meiner Sicht gleiche Chancen. Da wird es auf Kleinigkeiten ankommen. Passt zum Beispiel jemand vielleicht etwas besser in das Spielsystem? Der Bundestrainer und sein Staff machen sich da sicher schon viele Gedanken zu.

Können Sie in Worten beschreiben, wieviel Ihnen die Teilnahme an den Olympischen Spielen bedeuten würde?

Da würde definitiv ein Kindheitstraum in Erfüllung gehen. Bei Olympia sitzt bei uns zu Hause die ganze Familie vor dem Fernseher und fiebert mit, vor allem natürlich auch bei den Hockey-Wettbewerben. Rio 2016 war schon ziemlich cool, weil dann da Leute auf dem Platz standen, die ich kannte. Wenn ich mir jetzt vorstelle, dass ich selbst auf dem Feld dabei sein könnte. . .

Wann haben Sie denn zum ersten Mal gesagt, dass Sie unbedingt dahin wollen?

Da gibt es, glaube ich, keinen bestimmten Zeitpunkt. Ich weiß aber auf jeden Fall noch, dass ich früher in diese Freundschaftsbücher immer eingetragen habe, dass ich Nationalspielerin werden will.

Sie arbeiten praktisch seit vier Jahren hart dafür, in Tokio dabei zu sein. Vieles muss zurückstecken. Würden Sie erneut angreifen, wenn die Spiele verlegt werden müssten, oder Sie die Nominierung verpassen?

Ja, den Ehrgeiz habe ich auf jeden Fall. Ich würde ganz sicher dran bleiben.

Die Corona-Krise macht aktuell natürlich nicht nur den Nationalmannschaften Sorgen, sondern auch den Vereinen, die nicht wissen, wie es weitergeht. Sorgen Sie sich auch um Ihren Club?

Uhlenhorst ist sicher ein gut aufgestellter Verein. Ich glaube nicht, dass es so gravierend wird. Sollte ich aber gefragt werden, würde ich momentan auch auf meine Zuwendungen verzichten.

Letzte Frage, wie vertreiben Sie sich jetzt eigentlich die Zeit, wenn Sie nicht trainieren?

Wenn es bei der aktuellen Lage etwas Positives gibt, dann das: Ich kann jetzt mit dem Schreiben meiner Bachelorarbeit beginnen. Das sollte ich nun auch unbedingt tun (lacht).

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